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Autor Thema: Hühnerfleisch Export nach Afrika  (Gelesen 5673 mal)

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jochen53

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Hühnerfleisch Export nach Afrika
« am: 18. April 2010, 09:57:05 »

Vor kurzem habe ich eine TV-Reportage über Hühnerfleisch Export nach Afrika gesehen. Vieleicht liest hier jemand mit der Ahnung von der Materie hat, denn es gibt da einige Dinge die ich nicht verstehe, z.B.

1. Die afrikanischen Markthändler kaufen das tiefgefrorene Fleisch für 2,50 EURO/KG ein. Dabei sollen keine Subventionen im Spiel sein. Frage: ist das wahr? Welchen Preis erzielt ein EU-Großmastbetrieb pro Tier bzw. KG Lebendgewicht?

2. Die afrikanischen Masthähnchenbetriebe verwenden fast ausschließlich Hybrid-Rassen, deren Küken sie aus dem Westen importieren und dann mit teurem Kraftfutter mästen müssen. Dabei entstehen angeblich Herstellungskosten von über 5 EURO/KG. Hier auf den Philippinen bekommen die Mäster ca. 2 EURO/KG, ohne Subventionen. Die Preise für Naturrassen sind etwas höher. Bei den Hybridrassen fallen etwa 1,50 EURO/KG Kosten für kommerzielles Kraftfutter und die Küken an. Frage: Wieso ist die Herstellung in Afrika, trotz niedrigerer Löhne usw., über doppelt so teuer?

3. Die Tiefkühl-Importe kommen nicht nur aus der EU, sondern im großen Stil auch aus Brasilien. Frage: Wieso kann Brasilien, bei ähnlicher Kostenstruktur wie Afrika, derart billig liefern?

4. Wie hoch mögen die Transportkosten EU-Schlachtbetrieb - afrikanischer Wochenmarkt liegen?


Es gibt da noch einige andere Fragen, das würde aber den Rahmen für dieses Eingangsposting sprengen.

Beste Grüße aus dem Tropenbüro, Jochen
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CS 977

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Re: Hühnerfleisch Export nach Afrika
« Antwort #1 am: 18. April 2010, 14:47:36 »

Habe da auch nicht viel Ahnung von. Habe aber mal eben in die Richtwerte Deckungsbeitrag der LWK Niedersachsen geschaut und da steht eine Arbeitszeitbedarf von 0,036 AKh pro 42 Tage Hähnchen drin. Schätze mal das Entscheidene ist das die Produktion gut läuft (hauptsächlich Futterverwertung und Verluste) und dann die Einheitengröße.
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Mathilde

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Re: Hühnerfleisch Export nach Afrika
« Antwort #2 am: 18. April 2010, 18:03:16 »

Hallo,

we feed the world.
Da wir Europäer nur noch Hähnchenschnitzel und Keulen essen wird der Rest zusammengepresst, tiefgefroren und dann nach Afrika exportiert.  >:(
Die dortigen Hähnchenmäster gehen kaputt und wir haben mal kurz den Abfall entsorgt  >:(

LG Mathilde
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"Manche Menschen sehen die Dinge wie sie sind und sagen Warum? Ich träume von Dingen die es nie gab, und sage: Warum nicht?"

(John F Kennedy)

Flyy

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Re: Hühnerfleisch Export nach Afrika
« Antwort #3 am: 18. April 2010, 18:11:00 »

den beitrag habe ich neulich auch im tv gesehen.

die europäer essen halt lieber fleisch und keine tiere :-X und alles was an tier erinnert wird gemieden. selbst die keulen weden in großen mengen exportiert

hier noch ein link

http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3612264,00.html
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lovelyjuergen

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Re: Hühnerfleisch Export nach Afrika
« Antwort #4 am: 18. April 2010, 18:14:11 »


1. Die afrikanischen Markthändler kaufen das tiefgefrorene Fleisch für 2,50 EURO/KG ein. Dabei sollen keine Subventionen im Spiel sein. Frage: ist das wahr? Welchen Preis erzielt ein EU-Großmastbetrieb pro Tier bzw. KG Lebendgewicht?

 
 
Beste Grüße aus dem Tropenbüro, Jochen

Ich hab zwar keine Ahnung ob da Subventionen fliessen und was ein Mastbetrieb bekommt.
Aber wenn ich so sehe, das ich als Verbraucher im Supermarkt zahle, sind diese Preise doch nicht so ungewöhnlich ?!
Eine grosse Supermarktkette hatte in der letzten Woche z.B. frische Hähnchenkeulen für 1,50 € ....

Gruss
Jürgen
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jochen53

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Re: Hühnerfleisch Export nach Afrika
« Antwort #5 am: 18. April 2010, 18:56:38 »



Eine grosse Supermarktkette hatte in der letzten Woche z.B. frische Hähnchenkeulen für 1,50 € ....

Gruss
Jürgen

1,50 pro KG? Na ja, in dem Bericht wurde ja gesagt dass in Europa hauptsächlich die Brustteile nachgefragt werden. Da es noch keine Hähnchen mit 5 Brüsten und ohne Flügel gibt, bleiben natürlich Reste übrig die verwertet werden wollen. Das ist am Ende eine Mischkalkulation.

Rein logisch betrachtet, und daher vermutlich politisch nicht durchsetzbar, gäbe es eine saubere Lösung: Die Afrikaner bauen eine moderne Hühnerzucht auf und exportieren die Brustteile in den Westen. Dieser produziert und schlachtet dann entsprechend weniger Hähnchen und exportiert viel weniger Überschuß-Teile nach Afrika.
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flo

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Re: Hühnerfleisch Export nach Afrika
« Antwort #6 am: 18. April 2010, 21:03:57 »

hi,
neben den "minderwertigeren" teilen, (alles außer Brustfleisch) sind es auch viele alte suppenhühner die nach afrika gehen weil sie hier einfach nachgefragt werden, selbst wenn sie für 99cent im regal liegen.
Der Trend nach filet und co ist aber auch bei rindern und schweinen genau so da.
wer isst heute noch bauchspeck?!

gruß flo
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jochen53

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Re: Hühnerfleisch Export nach Afrika
« Antwort #7 am: 18. April 2010, 21:43:52 »

Hallo flo,

das stimmt alles. In dem Bericht wurden Suppenhühner gezeigt, die ganze 800 Gramm wogen. Vermutlich waren das aus Käfighaltung ausgepowerte Viecher die kurz vor dem Tod durch Alterschwäche standen. Das war selbst den allermeisten Afrikanern zu dürftig. In Europa wird sowas gemäß dem TV-Bericht teilweise für teuer als Müll entsorgt.

Wenn so ein Karton Tiefkühl-Klumpfleisch beim Markthändler ankommt wird das Zeugs mit der Axt in Stücke gehauen, in der Sonne und durch Flegenscheiße aufgetaut und dann einzeln verkauft. Abends wird der unverkaufte Rest wieder in den Karton gepackt und in der kaputten Kühltruhe teilgefroren. Der befragte Arzt im Krankenhaus findet diese Praxis nicht wirklich witzig, denn die Zahl der Lebensmittelvergiftungen steigt parallel zu den Importen.

Es wurde zum Schluß auch noch der neueste Trend im Afrika-Export gezeigt: Schweinsfüße tiefgefroren...
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lovelyjuergen

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Re: Hühnerfleisch Export nach Afrika
« Antwort #8 am: 19. April 2010, 07:52:52 »

Hallo flo,

 Trend im Afrika-Export gezeigt: Schweinsfüße tiefgefroren...


Freuen wir uns doch, das wir den Dreck wegbekommen ....
Und der Landwirt bzw. Händler sogar noch Geld dafür ...

Gruss
Jürgen
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jochen53

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Re: Hühnerfleisch Export nach Afrika
« Antwort #9 am: 19. April 2010, 08:07:07 »

Freuen wir uns doch, das wir den Dreck wegbekommen ....
Und der Landwirt bzw. Händler sogar noch Geld dafür ...
Wie schön das es noch intelligente und weitsichtige Menschen gibt, die über den Tellerrand hinausblicken können.
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Ansgar

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Re: Hühnerfleisch Export nach Afrika
« Antwort #10 am: 19. April 2010, 08:36:02 »

Freuen wir uns doch, das wir den Dreck wegbekommen ....
Und der Landwirt bzw. Händler sogar noch Geld dafür ...
Gruss
Jürgen

Moin Jürgen,

das wäre schön! Wie ich noch aktiver Hühnerhalter war, musste ich schon dankbar sein, dass sich jemand erbarmt hat, vor einer Neuaufstallung meine Althennen abzuholen bzw. vielmehr zu entsorgen. In zwölf Jahren habe ich für eine Partie Schlachthühner nur zweimal Geld gesehen, dann mehrere Male war´s eine Nullrunde und zuletzt musste ich sogar immer den Transport bezahlen (ca. 80,- € + Mwst.). Die Landwirtschaft - wie soll es auch anders sein - hat sich am aller wenigsten die Taschen von dem Erlös daraus voll gestopft!

Gruß
Ansgar
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