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Autor Thema: Bauernverband gestörte Selbstwahrnehmung ??  (Gelesen 1178 mal)

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Turnbeutel

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Bauernverband gestörte Selbstwahrnehmung ??
« am: 20. November 2020, 14:23:23 »

Zunehmend verunsichert mich eine ständig wiederkehrende Nutzung der Begrifflichkeiten "Bauern", "Familienbetriebe", ja auch "Mehrfamilienbetriebe" im Zusammenhang mit Äußerungen und Standpunkten des Bauernverbandes (egal ob auf Landes-oder Bundesebene).

Als ehemaliges Mitglied habe ich mich bewusst gegen ein weiteres Engagement in dieser Interessenvertretung entschieden.

Ich empfinde die Vereinnahmung eines gesamten Berufsstandes suggeriert einem Außenstehenden ein völlig falsches Bild.

Einer umfassenden Unterstützung seiner Arbeit kann sich der Verband heute weniger sicher sein, als je zuvor.

Im Gegenteil ! Ich fühle mich mittlerweile stigmatisiert und angeprangert, mit Ansichten eines Verbandes in einen Topf geworfen zu werden, der über schwindende Mitgliederzahlen klagt.

Aber Gott sei Dank, gibt es den Strukturwandel ! Da interessiert ja weniger die Anzahl der Mitglieder, als die dahinter stehende Fläche (Beiträge).

Ich bin dafür, das der Verband zukünftig nur im Namen seiner Mitglieder spricht und nicht im Namen von allen Bauern.

Bauern wird es hoffentlich länger geben, als auf bestimmte Interessengruppen fokussierte Verbände.

Geht das nur mir so und ist das Behandlungswürdig?

Gruß von einem der gern meckert .
« Letzte Änderung: 20. November 2020, 14:46:18 von Turnbeutel »
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Thomas

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Re: Bauernverband gestörte Selbstwahrnehmung ??
« Antwort #1 am: 20. November 2020, 16:08:58 »

Moin,

kannst du das mal an Beispielen verdeutlichen, was du da konkret meinst?

Gruß
Thomas
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Geba

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Re: Bauernverband gestörte Selbstwahrnehmung ??
« Antwort #2 am: 20. November 2020, 16:49:25 »

Ich bin dafür, das der Verband zukünftig nur im Namen seiner Mitglieder spricht ...
Das darfst Du so auch nicht sagen.Es gibt genug Mitglieder die auch nicht einverstanden sind,aber doch Dienstleistungen des BV in Anspruch nehmen.
Moin,
kannst du das mal an Beispielen verdeutlichen, was du da konkret meinst?
Gruß
Thomas
Schon alleine die Tatsache daß sich der Schönschwätzer Ruckwied wieder hat aufstellen lassen und tatsächlich von so vielen gewählt wurde.
Wenn ein "Bauer" (Ruckwied) seinen Betrieb nur vom Papier kennt und sich ausschließlich seinen vielen Pöstla und Ämtla beschäftigt,bleibt irgendwas auf der Strecke.
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Turnbeutel

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Re: Bauernverband gestörte Selbstwahrnehmung ??
« Antwort #3 am: 20. November 2020, 17:05:21 »

In Zeitungsartikeln und News im Netz beansprucht der Verband ein gewisses Alleinvertretungsrecht für den gesamten Berufsstand.

So liest man heute konkret in einem Artikel der Topagrar online, einen Stellungnahme des Landesbauernverbandes Brandenburg zum Leitbild Landwirtschaft.
https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/ministerium-aeussert-sich-zum-leitbild-fuer-brandenburgs-agrarstruktur-12411183.html?utm_source=topagrar

Da sind Punkte denen ich als Bauer keinesfalls zustimmen kann und andere treffen wiederum zu.

Nennt mich kleinlich oder empfindlich, aber sollte meiner Meinung verschiedene Interessengruppen nach außen hin deutlich erkennbar machen.

Vielleicht reicht schon ein Ersetzen von "Bauern" durch Wörter wie "Verbandsmitglieder" oder der "entsprechende Verband".

Meiner Meinung nach fördert man dadurch ein Schwarz-Weiß denken, was dem zunehmenden gesellschaftlichen Druck eher noch verstärkt.

Wir haben schwarze Schafe unter Berufskollegen, wie andere Branchen auch.
Wir haben riesige Probleme durch Niedrigzinspolitik und Flucht des Kapitals in Grund und Boden.
Der Klimawandel ist aktuell spürbarer denn je.
Globalisierung stellt uns vor schier unlösbare Aufgaben.
Nicht zuletzt der Wunsch von Teilen der Bevölkerung nach einer romantisch verklärten, moralisch nicht angreifbaren Landnutzung (bewusst nicht Landwirtschaft).
 
Dieses komplexe Feld der Aufgaben kann ein Verband, der so mit sich selbst beschäftigt ist und gefühlt wie ein Kleinkind schreiend vorm Süßigkeitenstand liegt ,nicht beackern.

Tatsächlich möchte ich nicht mit Berufskollegen die unkommentiert Programme eines Verbandes, einer Partei oder irgendeiner anderen Interessengruppe vertreten in einen Topf geworfen werden.

Aber vielleicht bin auch nur eingeschnappt nicht mehr Teil dieses einen Verbandes zu sein, der scheinbar weiß was " Bauern" wollen.






« Letzte Änderung: 20. November 2020, 17:46:09 von Turnbeutel »
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Thomas

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Re: Bauernverband gestörte Selbstwahrnehmung ??
« Antwort #4 am: 20. November 2020, 18:49:29 »

Kann man so sehen und nachvollziehen.

Am BDM z.B. stört mich, dass er durch seine Namensgebung suggeriert, für alle Milchviehhalter zu sprechen. Was die machen, entspricht auch nicht immer meinen Vorstellungen.

Es gibt also auch andere Organisationen, die in der Form vorgehen.

Nur weil man nicht mehr wirklich aktiver Landwirt ist, muss man nicht zwangsläufig für Posten (ganz allgemein gesprochen) ungeeignet sein. Das ist in der Politik doch auch nicht anders. Oder kommt Renate Künast vom Bauernhof?

Gruß
Thomas
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JM

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Re: Bauernverband gestörte Selbstwahrnehmung ??
« Antwort #5 am: 20. November 2020, 19:06:31 »



Aber vielleicht bin auch nur eingeschnappt nicht mehr Teil dieses einen Verbandes zu sein, der scheinbar weiß was " Bauern" wollen.

Und alle niedersächsische Bauern wollen den niedersächsischen weg , nur ich bin eingeschnappt und deshalb auch kein Mitglied mehr ......
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Stefan

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Re: Bauernverband gestörte Selbstwahrnehmung ??
« Antwort #6 am: 20. November 2020, 19:38:34 »



Nur weil man nicht mehr wirklich aktiver Landwirt ist, muss man nicht zwangsläufig für Posten (ganz allgemein gesprochen) ungeeignet sein. Das ist in der Politik doch auch nicht anders. Oder kommt Renate Künast vom Bauernhof?


Das war jetzt aber ein schlechtes Beispiel ;)  ;D
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Thomas

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Re: Bauernverband gestörte Selbstwahrnehmung ??
« Antwort #7 am: 20. November 2020, 19:45:01 »



Nur weil man nicht mehr wirklich aktiver Landwirt ist, muss man nicht zwangsläufig für Posten (ganz allgemein gesprochen) ungeeignet sein. Das ist in der Politik doch auch nicht anders. Oder kommt Renate Künast vom Bauernhof?


Das war jetzt aber ein schlechtes Beispiel ;)  ;D

Ja, mir ist nichts anderes eingefallen... ;-)

Dr. von Boetticher ist Jurist. Besseres Beispiel, der hat trotzdem gute Politik gemacht.
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Re: Bauernverband gestörte Selbstwahrnehmung ??
« Antwort #8 am: 20. November 2020, 20:11:32 »

Auch mir gefällt der Bauernverband aktuell noch nicht. Aber mit scheint der Verband wesentlich bauernfreundlicher als die derzeitige Politik. Eigentlich müssen alle Bauern an einen Tisch und zusammen überlegen, wohin die Reise gehen soll. Da gab es ja mal einen Slogan: Wir bitten zu Tisch! Nur müssen wir das ganze offen untereinander diskutieren. Aber erstmal nur unter uns Bauern.

Gruß
Martin
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Rohana

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Re: Bauernverband gestörte Selbstwahrnehmung ??
« Antwort #9 am: 20. November 2020, 20:46:17 »

Eine so heterogene Gruppe wie "die Bauern" wird nur untereinander auch nicht zwingend zu (guten) Ergebnissen kommen. Sorry, da gibt es schon intern genug gegenläufige Interessen, da brauchts gar nicht erst die Politik dazu  :rolleyes:
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Turnbeutel

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Re: Bauernverband gestörte Selbstwahrnehmung ??
« Antwort #10 am: 20. November 2020, 20:59:08 »

Ich befürchte halt, das einer meiner Altvorderen langfristig recht behält.

"3 Bauern unter 1 Hut bekommen, bedeutet 2 zu erschlagen".

Und tatsächlich sehe ich ein Problem darin, das es so ein Verband versucht so vielen wie möglich recht zu machen.

Bedeutet viele Felder werden halbherzig bestellt, um am Ende auf keinem etwas zu ernten.

Halt ein prozessorientiertes Arbeiten, anstatt Ergebnisorientiert.

Vielleicht heißt das Ende das man gewissen Interessengruppen auch mal knallhart sagen muss, das die Ziele ambitioniert sind, aber nicht realistisch. 

Ich glaube keine Partei, Aktionsgruppe oder Verband vermag es allen recht zu tun.

Milchviehalter, Ferkelerzeuger, Energiewirte, Mastbetriebe, Hähnchenmäster, Marktfruchtbetriebe , Mutterkuhhalter, usw., einmal konventionell und das gleiche noch einmal ökologisch.

Dann noch die unterschiedlichen Motivationen des Wirtschaftens. Zu erhalten, davon leben, Geld verdienen, Geld sichern, Steuern sparen, Tradition oder moralische Verpflichtung.

"Lieber einer richtig krank, als alle ein bisschen": sagte mir mal ein weiser Mann. " Dann weiß der Arzt auf was er behandeln muss "!
 
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Todde

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Re: Bauernverband gestörte Selbstwahrnehmung ??
« Antwort #11 am: 21. November 2020, 02:42:05 »


Ich empfinde die Vereinnahmung eines gesamten Berufsstandes suggeriert einem Außenstehenden ein völlig falsches Bild.

Ich denke auch, die restlichen 250.000 Bauern sollten auch sagen, jeder ist sein eigener glückes Schmied, scheiß auf den Berufststand.

Damit kommt jeder für sich die ersten Meter als Nichtschwimmer doch recht weit.
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Todde

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Re: Bauernverband gestörte Selbstwahrnehmung ??
« Antwort #12 am: 21. November 2020, 02:47:00 »

Und tatsächlich sehe ich ein Problem darin, das es so ein Verband versucht so vielen wie möglich recht zu machen.

Grundsätzlich würde ich das Ergebnis Demokratie benennen. Das schmeckt offensichtlich in schweren Zeiten immer weniger Menschen. Gut, hatten wir vor 100 Jahren schon mal, dann schlagen wir uns in Europa und dem Rest der Welt doch mal wieder ordentlich auf den Schädel.
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