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Autor Thema: Ackerbau 5.0  (Gelesen 5893 mal)

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tomtex

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #15 am: 13. Februar 2020, 20:42:36 »

Warum soll das so sein? Die größte Abnahme im Humusgehalt ergab sich vor vielen vielen hundert Jahren, als Mischwald zu Ackerland umgewandelt wurde. Seitdem variiert das Humusgehalt nur mehr in engem Rahmen und kann von jedem durch Kohlenstoff-Bilanzierung grob abgeschätzt werden, wobei das auch erst mal mehr in Richtung Humusaufbaupotential geht.
Seit wann lagern Bäume Kohlenstoff in den Boden ein anstatt ins Holz? Nur weil wir hier mal Wald hatten heisst das noch lange nicht dass die ganzen großen Steppen und Prärieböden auch nur läppische 4-8% Humus hatten...
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Kamile

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #16 am: 13. Februar 2020, 23:14:18 »

Ackerbau 5.0 bedeutet für mich folgende fünf oder verwandte Themen möchte ich jeden Tag einmal bei AW oben auf der Liste finden.
Kinsey System; Humusaufbau/ abbau; Anschaffung einer DS Drille; Pflug oder was; Pflanzenschutz um 50 % eingeschränkt.
Das ganze hätte ich gerne möglichst kontrovers, aber ohne einzelne Teilnehmer zu vergrämen, aus allen Richtungen beleuchtet. Ich kann leider nichts beitragen, weil ich der totale Amateur bin. Mein Apell ergeht deshalb, weil ich durch AW zumindest schon eine Ahnung davon bekommen habe und dafür dankbar bin, daß Bodenchemie, Bodenphysik, Bodenbiologie eng verwoben sind und es die eine Lösung nicht geben kann, aber jeder Gedanke im verstauben Teil des Hirns irgendwann hilfreich zur Lösung beitragen kann.

PS: Wenn ich mal den PC-Grundkurs hinter mir habe schaffe ich es vieleicht auch die Rechtschreibprüfung über meinen Text zu schicken. Solange lebt mit meinen Fehlern oder regt Euch darüber auf.
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Biokartoffel

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #17 am: 14. Februar 2020, 11:11:11 »


Ich möchte hiermit bewusst etwas provokant eine Diskussion anschieben, die die Erkenntnis dass wir in der Landwirtschaftlichen Praxis etwas ändern müssen als Grundlage hat, wobei das uns von Meinungsbildnern und Politik vorgehaltene Modell der Biolandwirtschaft im Prinzip nicht weiterhilft, da dort die selben Probleme mit der Qualität des Ackerbodens vorherrschen wie in der konventionellen Landwirtschaft.

Heiner

Aber vielleicht sollte man sich ernsthaft mit den Bemühungen der Bio Anbauverbände und deren Berater auseinandersetzen. Es gibt praktisch keine Veranstaltung zum Bio Ackerbau mehr ohne die Themen Bodenfruchtbarkeit, Zwischenfruchtmischungen, Kinsey Bodenproben, Bodenschonung, regenerativ usw.

bei Unterhaltungen mit konventionellen Kollegen geht es um Demos, Güllelagerraum und vielleicht Senf als Zwischenfrucht.

Ich für meinen Teil bin froh umgestellt zu haben und bin auch im Ackerbau auf den richtigen Weg seitdem.
Mit dem Begriff regenerativ kann ich übrigens auch nichts anfangen... werbegag bzw. falsch aus dem englischen übersetzt. Genauso wie fusion farming oder hybrid usw. als Markteting zum Maschinenverkauf.
Wichtig ist die Umstellung im Kopf!

Auch sehr provokativ, feuer frei!
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Heico

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #18 am: 14. Februar 2020, 16:13:55 »

Wir wissen doch noch fast nichts. Weder ob Pflügen oder Minimalbodenarbeitung besser ist, noch wie man Humus aufbaut. Aber jede Beschäftigung mit dem Thema bringt unser fortgeschrittenes Amateurwissen etwas weiter.
Wir sollten mal gemeinsam Forderung an die Politik stellen, dass wieder Bodenkundler in der Landwirtschaft tätig werden und nicht nur Pflanzenernährer.

Hermann Benjes war mal bei mir, muss so um 1986 gewesen sein. Wegen Beratung zu weiteren Hecken.
Die Ideen waren gut, aber in der Praxis war das nicht so schnell leicht umzusetzen.
Er war zu der Zeit in Schweden verheiratet und hat mir leckere Rezepte von Steckrüben verraten. :)
Hat aber mit dem Thema so wenig zu tun wie die Hecken mit dem Ackerbau.
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tomtex

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #19 am: 14. Februar 2020, 18:34:34 »

Wir wissen doch noch fast nichts. Weder ob Pflügen oder Minimalbodenarbeitung besser ist, noch wie man Humus aufbaut. Aber jede Beschäftigung mit dem Thema bringt unser fortgeschrittenes Amateurwissen etwas weiter.
Wir sollten mal gemeinsam Forderung an die Politik stellen, dass wieder Bodenkundler in der Landwirtschaft tätig werden und nicht nur Pflanzenernährer.
Zu wissen, dass man noch fast nichts weiß wäre für viele ja schon eine Erkenntnis. Gibt immer wieder "Kollegen" die meinen Landwirtschaft wäre fertig erfunden und Bodenfruchtbarkeit wäre noch nie so hoch gewesen wie jetzt - wir hätten ja hohe Erträge...

Allerdings wissen wir schon was, z.B. dass die natürlichen Graslandschaften über die die großen Viehherden früher drübergetrampelt sind aus 60-100 Arten bestanden und Humusgehalte über 30% hatten. Und dass es mit unserer üblichen Landwirtschaftlichen Nutzung noch drei Arten und unter 5% Humusgehalt sind.

Pflanzenernährung gibt es eigentlich nicht, wenn dann heißt das Bodenernährung. Bodenkundler sind wohl kein Schaden, aber Bodenbiologen fände ich deutlich angebrachter...
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BNT

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #20 am: 14. Februar 2020, 18:50:07 »

Komischerweise sind die ältesten Böden der Welt mit dieser Form der Subsistenzlandwirtschaft unter gegangen.

Was mit reiner Mineraldüngung möglich ist, kann man sich an Hydrokulturen ansehen. Funktionieren tut das schon.
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zwiebe

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #21 am: 15. Februar 2020, 07:27:25 »


Ich möchte hiermit bewusst etwas provokant eine Diskussion anschieben, die die Erkenntnis dass wir in der Landwirtschaftlichen Praxis etwas ändern müssen als Grundlage hat, wobei das uns von Meinungsbildnern und Politik vorgehaltene Modell der Biolandwirtschaft im Prinzip nicht weiterhilft, da dort die selben Probleme mit der Qualität des Ackerbodens vorherrschen wie in der konventionellen Landwirtschaft.

Heiner

Aber vielleicht sollte man sich ernsthaft mit den Bemühungen der Bio Anbauverbände und deren Berater auseinandersetzen. Es gibt praktisch keine Veranstaltung zum Bio Ackerbau mehr ohne die Themen Bodenfruchtbarkeit, Zwischenfruchtmischungen, Kinsey Bodenproben, Bodenschonung, regenerativ usw.

bei Unterhaltungen mit konventionellen Kollegen geht es um Demos, Güllelagerraum und vielleicht Senf als Zwischenfrucht.

Ich für meinen Teil bin froh umgestellt zu haben und bin auch im Ackerbau auf den richtigen Weg seitdem.
Mit dem Begriff regenerativ kann ich übrigens auch nichts anfangen... werbegag bzw. falsch aus dem englischen übersetzt. Genauso wie fusion farming oder hybrid usw. als Markteting zum Maschinenverkauf.
Wichtig ist die Umstellung im Kopf!

Auch sehr provokativ, feuer frei!

Ich für meinen Betrieb bin froh noch nicht in die Bioecke gedrängt zu sein.
Die ganze Bodenbearbeitung mit der Erosionsgefahr sind für mich ein Greuel.
Selbst den geliebten Pflug habe ich schon in die Ecke gestellt, da hier zwischen Aussaat und Bestandschließen ein Gewitterguß mir das kommende Jahr versaut hat.

Die Blechverkäufer besonderes der Pharisäer aus der Oberpfalz möchten nur an mein Bestes.
Ebenso die Propheten der IG gesunder Boden, N/W Schiene, Leichenflederer…

Die LSV Geschichte brachte bisher nur eine gute Vernetzung innerhalb der LW, ungeachtet mancher Pachtrivalität, etc.
Hier wird auf das Nitratnetzwerk geschlagen, Gesetze, Preise, NGO`s, …
" Den Splitter im Auge deines Gegenübers siehst du,
den Balken in deinen Auge nicht"

Wenn wir uns ehrlich sind, die fortschreitende negative Selektion unter den Landwirten hat mit dem Strukturwendel fahrt aufgenommen.
Die schwarzen Schafe werden mehr...
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zwiebe

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #22 am: 15. Februar 2020, 07:31:39 »

Hallo,

viele meiner Experimente hat man ja in den letzten Jahren hier bei Agrowissen verfolgen können.
Ab diesem Jahr hat das ganze auch einen Namen :   Ackerbau 5.0   ;)

Ich nenne das ganze bewusst Ackerbau 5.0 um darzulegen, dass die übertriebene Diskussion um Digitalisierung (Landwirtschaft 4.0) von den wichtigsten Herausforderungen der Wiederentdeckung der Biologie ablenkt.
Ich will mich nicht den neuen Technologien verschließen, aber der Glaube daran, das das die Rettung der Landwirtschaft sein wird, wird sich nicht erfüllen.
Ich habe mit der Namensgebung auch nicht den Anspruch, dass das das Optimalste und Endgültige sein wird, denn es gibt immer noch die Möglichkeit sich zum Ackerbau 6.0 und weitere weiterzuentwickeln.

Ackerbau 5.0 bedeutet für mich die Beachtung der Biologie im Boden und auf dem Acker verstärkt zu fördern und zu nutzen. Dieses geschieht durch möglichst ganzjährigen Bewuchs und möglichst wenig Bodenbearbeitung.
Dass alle ackerbaulichen Tätigkeiten einen Kompromiss darstellen ist mir dabei durchaus bewusst.
Ich nenne mein Tun nicht regenerativ, da ich viele Dinge aus der regenerativen Landwirtschaft nicht umsetze.

Ich möchte hiermit bewusst etwas provokant eine Diskussion anschieben, die die Erkenntnis dass wir in der Landwirtschaftlichen Praxis etwas ändern müssen als Grundlage hat, wobei das uns von Meinungsbildnern und Politik vorgehaltene Modell der Biolandwirtschaft im Prinzip nicht weiterhilft, da dort die selben Probleme mit der Qualität des Ackerbodens vorherrschen wie in der konventionellen Landwirtschaft.

Heiner

Heiner, ...

aber mit den Begriff Ackerbau 5.0 kommen wir nicht weit...

Da schreibe ich gleich 5.215...
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nofear

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #23 am: 15. Februar 2020, 11:32:10 »

Wenn wir uns ehrlich sind, die fortschreitende negative Selektion unter den Landwirten hat mit dem Strukturwendel fahrt aufgenommen.
Die schwarzen Schafe werden mehr...

Wie wahr, wie wahr...
und die Bodeneigentümer interessierts es meist nicht...
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„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ (M. Gandhi)

„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.” (R. Niebuhr)

Mischer

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #24 am: 15. Februar 2020, 23:59:36 »

Ich möchte jetzt mal eine kleine kritische Stimme einstreuen.
Als außenstehender wirkt das ganze hier für mich wie eine Filterblase.
Damals als das Kolonisten Gebiet hier ausgewiesen wurde wurden alle Flächen eingewallt und die Wälle wurden mit Bäumen bepflanzt, damit jeder seinen "Claim" abgesichert hatte. Seit Jahrzehnten wurden die Äste am Feldrand zurück geschnitten und einfach auf den Wall gelegt. Zack fertig ist die Wallhecke. Das das ganze jetzt eine Benjeshecke ist und angeblich im Jahr 1986 erfunden wurde ist für mich ein bisschen befremdlich. Nachdem im Mittelalter hier alles abgeplaggt wurde um den Plaggenesch zu erschaffen wurde auf diesen Flächen seit dem 19 Jh. der fliegende Sand wieder zugedeckt, die alte Straße ist auf einem damm gegen Sand. Der wurde damals gebaut weil die Winderosion sonst die Straße ständig mit Dünen belegt hätte. Seit mehr als 100 Jahren werden diese Flächen organisch gedüngt und dementsprechend steigt der Humusgehalt wieder. Die Wälle helfen gegen die Erosion. Hier sind 18er Sandböden mit hohen Eisengehalten, direkt gegenüber ist eine städtische Ausgleichsfläche die seit 15 Jahren nicht mehr bearbeitet wird und als Magerwiese vor sich her dümpelt. Der Boden begibt sich wieder in seinen natürlichen Zusatnd und der ist nicht gerade Humos. Wir bauen seit 150 Jahren Humus auf weil hier sonst keine Landwirtschaft möglich wäre. Wer Füllsand braucht kann Bescheid sagen unterm A-Horizont massig vorhanden. Trotzdem hat die Messtelle direkt unter meiner Fläche nur 22mg Nitrat.

Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden
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BNT

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #25 am: 16. Februar 2020, 08:46:48 »

Vergesst nicht die Krumenvertiefung. Die größte Abnahme im gemessenen Humusgehalt gab es, als vom Pferd auf den Schlepper umgestellt wurde -> Verdünnungseffekt.

Die Frage wäre ja, wenn man durch Minimalbodenbearbeitung oder Direktsaat Kohlenstoff in den obersten 10 cm akkumuliert, ob man die nicht alle 10 Jahre oder so mal tief unterpflügen sollte.  :P
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Mathias

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #26 am: 16. Februar 2020, 09:11:33 »

Die Frage wäre ja, wenn man durch Minimalbodenbearbeitung oder Direktsaat Kohlenstoff in den obersten 10 cm akkumuliert, ob man die nicht alle 10 Jahre oder so mal tief unterpflügen sollte.  :P

Guck mal wenn ein Weidelgrasbüschel auf nem Sandhaufen wächst. Jahrelang.
Da ist um der Wurzel herum irgendwann alles dunkler als der Sand. Und der Wurzelballen ist ja tiefer im Boden als 10 cm.
Warum sollte man da pflügen ;D
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BNT

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #27 am: 16. Februar 2020, 09:21:14 »

Wie sieht eine normale Fruchtfolge aus? Weizen, Gerste, Raps, vielleicht auch Mais oder Soja. Wer in seine Fruchtfolge auch Ackergras, Kleegras oder Luzerne einbauen kann, hat natürlich Vorteile, so, wie die Tierhalter.
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Flori

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #28 am: 16. Februar 2020, 10:18:14 »


 Ackerbau 5.0 ... find ich auch nicht so toll. Dafür hast Du viel zu viel drauf Heiner. Mir gehen diese ganzen neumodernen Schlagbegriffe mittlerweile ziemlich auf
 den Zeiger, weil es oftmals Worthülsen sind die wichtiger daher kommen als was sie eigentlich beeinhalten. Schätze dass ist ein Kunstgriff unserer Medien um
 Aufmerksamkeit zu provozieren.

 @ Thomas : was ist die "normale" Fruchtfolge ? Eine Fruchtfolge die durch Cash-Crops dominiert wird, die einseitig für den Boden ist, hohen Inputs bedarf, jederzeit
     auf dem Weltmarkt austauschbar ist und den Landwirt mitsamt des Marktes damit zum leichten Opfer von Spekulationen und Manipulationen macht. Man sollte
     sich vielleicht mal fragen was gleichzeitg gut für den Boden, fürs Portmonai und die eigene und nationale Unabhängigkeit ist. Ich weiß ich weiß , nicht alle können
     Bio machen, weil es keiner bezahlen kann , ich weiß ich weiß, die Nischen sind begrenzt. Möglichkeiten gibt es dennoch sehr viele! Mischkulturen sind für mich
     u.a. sehr wichtig und können nebenbei ähnliche Effekte wie das angesprochene Gras produzieren. Nur sollte man sich dann mal fragen ob man nicht lieber
     etwas mehr Grips in die Vermarktung und etwas Geld in die Lagerung und Aufbereitung steckt anstatt jedem neuen Eisen hinter her zu rennen und für jedes
     Wetter noch ne andere "Kratze" vor zu halten...

     Das schöne ist, jeder kann frei entscheiden. Wie man dass dann nennt ist mir ziemlich Wuppe... 
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granola

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Re: Ackerbau 5.0
« Antwort #29 am: 16. Februar 2020, 10:29:00 »

@ Mischer: Auch Benjes hat nichts ERFUNDEN , da hast Du absolut recht. Es geht eher ums WIEDERFINDEN der Möglichkeiten unseres Ökosystems. Vielleicht drücke ich mich schlecht aus. Dein Beitrag spricht mir aber aus der Seele! Unsere Vorfahren haben Jahrhundertelang verschiedensten Standorten soviel Nahrungsmittel abgerungen, trotzdem ist "alles noch da", ich wollte das am Gegenbeispiel der Chinesen deutlich machen. Durch radikales grossflächiges Vorgehen nach einer einzigen herrschenden Ideologie , insbesondere die Schädlingsbekämpfungsaktionen zu Zeiten der Kulturrevolution; fehlt dort so manche "Antwort" die die Natur hier weiterhin gibt.
In meiner Region stände überwiegend Buchenmischwald wenn man die Natur einfach machen lassen würde. Die "Saumstrukturen" (verwende jetzt mal den amtlichen Begriff) die geschütz werden sollen sind nicht von allein entstanden, sondern aus der landwirtschftlichen Nutzung. Was nicht Acker war wurde gemäht oder abgeweidet. Selbst die schwächsten Standorte sind als "Hutung" in den Karten eingetragen, da wo Wald nicht rentabel war.
Was das mit dem Ackerbau zu tun hat? Diese Flächen sind ein Refugium aus dem insbesondere Tierarten immer wieder in die Ackerflächen einwandern können. Auch ohne chemischen Pflanzenschutz hätte unsere reichhaltige Tierwelt keine Chance gehabt wenn sie nicht zwischen Acker und angrenzenden Flächen gewechselt wäre.
Jetzt fehlt bei vielen Flächen die Nutzung, und mit Verordnung Ausgleichszahlung und Staatsknete will man das ersetzen. (Benjes zeigt dieses irre Vorgehen am Beispiel der "Behördenhecke".
Deswegen ist mein Ansatz: Inwieweit kann ich diese Naturfunktionen selbst als Ackerbauer erhalten und schützen?
Den Bienen wurde als Ersatz für die Obst- und Wiesenblüten in den letzetn Jahrzehnten von uns Ackerbauern der Raps angeboten. Der Raps ist stark reduziert, wir sollen das auf dem Acker ausgleichen, aber was ist auf den Flächen drumherum passiert? Silage-statt Heuschnitte, auch Biobetriebe mit über 8500ltr Stalldurchschnitt können keine langlebigen Kühe mit niedrig verdaulichem Futter haben!
Kaum Heuwiesen, auch Pferde fressen Silage .... Die Flächen drumherum, die Streuobstwiesen, die Feldränder, dort überall wurde hier jahrhundertelang Heu gemacht, jetzt wird es mesit gemäht um die verbuschung aufzuhalten, Obst wird zwar mal gepflanzt aber eher als Zuchtstätte für die Wühlmaus, dementsprechend blüht um unsere Felder herum von März bis Juni kaum noch etwas.Und die Forsythie , der Anzeiger des Frühlingsbeginns?  :frage:      https://www.gartenjournal.net/forsythie-bienen  :frage: völlig wertlos ! :police: ausser Beatrix  ;) )

Zum Glück gibt es aber die Robinie!

Ackerbau 5.0: ich habe mehr Fragen als Antworten.

Wie kann ich Nützlinge fördern, durch Massnahmen AUF und ABSEITS der Fläche? Was macht Sinn? Wichtige Schmetterlinge legen Tausende Kilometer Jahr für Jahr zurück, andere Arten schaffen es noch nicht mal über die Autobahn....
Wir haben hervorragende Ergebnisse beim Virusbesatz in den Kartoffeln und die Rüben brauchten gar nicht die geplanten zwei Insektizidspritzungen, trotz Wegfall von Wirkstoffen und reduziertem Einsatz in 2019 aber mit zusätzlichen Blüh- und "Unkraut"flächen.... hatte das einen Effekt?
Welche Kulturen werden durch benachbarte Flächen quasi geschützt, bei welchen Abständen funktioniert das noch?

Sollten wir der Gesellschaft nicht sagen: Lasst doch jetzt mal im absterbenden Wald die Robinie richtig massiv Ihre Pionierkräfte ausspielen! Dann habt Ihr dauerhaft eine Bienenweide, nicht anstatt dem Ackerbauern immer wieder Blühsaatgut zu subventionieren aber als Chance die akut besteht.  ALLE Flächen können ihren Beitrag leisten, unsere Äcker werden gerade überfrachtet mit Wünschen anderer die sich die Hände nicht dreckig machen


die Bilder haben etwas mit dem Thema aber wenig mit dem Text zu tun!
« Letzte Änderung: 16. Februar 2020, 10:36:25 von granola »
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Bücken heisst Bücken weil sich der Esel dort gebückt hat. Bauern gehen aufrecht! Danke Christian !!!