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Autor Thema: Ökoprodukte und Rückstände  (Gelesen 2070 mal)

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Heico

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Ökoprodukte und Rückstände
« am: 11. Juli 2019, 10:20:06 »

Eine brisante Frage - Diskussion können wir bei Überhitzung auch auf die kühle Jahreszeit verschieben. 8)

Wie in jedem Jahr kommen jetzt die ersten Analysen der Erzeugnisse die schon abgeliefert sind.
Bei unseren Bioprodukten kommen in fast jeder Analyse auch Rückstände vor, die nicht erwünscht sind.

Die Gruppe Pflanzenschutzmittel ist die größte Gruppe mit über 500 Mitteln, dann Aflatoxine, Salmonellen, usw usw.
Man gewöhnt sich an die Analysen. Wer es nicht gewohnt ist, sich mit den Ergebnissen auseinander zu setzen, wird erst mal nachts nicht schlafen, bis der Fall geklärt ist.

Es gibt Grenzwerte vom Gesetzgeber, die eingehalten werden müssen und es gibt Werte, die von Händlern und Verarbeitern gefordert werden, die viel kleiner sind. Will man also was verkaufen, müssen die Spezifikationen der Händler eingehalten werden.
Falls ein Händler die Ware weigert, muss sie entweder konventionell verkauft werden, oder sie kommt in den Kompost.

Eine gute Diskussion könnte einiges zur Entwirrung beitragen.
Vielleicht guckt die EU-Verwaltung ja mal hier rein, um ihre Biovorstellungen zu ordnen. :)



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sten

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Re: Ökoprodukte und Rückstände
« Antwort #1 am: 11. Juli 2019, 11:10:52 »

Für mich als Neuling was die ganze Diskussion angeht ist der Bereich der Lagerung von Früchten im Moment am wichtigsten. Wenn ich sehe, was alles in Staubproben aus bestehen Lagern gefunden wird, frage ich mich, wie das in der Vergangenheit eigentlich bei der Umstellung von Betrieben war, ob da auch so genau hingeschaut wurde oder ob die Lagerdiskussion bei Umstellern etwas neues ist. Carsten
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Ansgar

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Re: Ökoprodukte und Rückstände
« Antwort #2 am: 11. Juli 2019, 11:11:06 »

Wie soll man das jetzt verstehen, Heico?
In Deinen biologisch erzeugten Produkten hat man per Analyse über 500 Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln nachweisen können? :o
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Erfolg hat drei Buchstaben: TUN

sten

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Re: Ökoprodukte und Rückstände
« Antwort #3 am: 11. Juli 2019, 11:14:43 »

Klar ist Abdrift von Nachbarn ein Thema. Aber es gibt ja auch viele andere Eintragswege. Es wird bei solchen Diskussionen immer gerne die Geschichte vom Wirkstoff Icaridin erzählt, der in einer Roggenpartie gefunden wurde und zur Aberkennung führte. Kann man ja mal überlegen, wie der wohl in den Roggen gelangt sein wird.
« Letzte Änderung: 11. Juli 2019, 11:27:36 von sten »
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guest176

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Re: Ökoprodukte und Rückstände
« Antwort #4 am: 11. Juli 2019, 12:02:36 »

Eine brisante Frage - Diskussion können wir bei Überhitzung auch auf die kühle Jahreszeit verschieben. 8)

Wie in jedem Jahr kommen jetzt die ersten Analysen der Erzeugnisse die schon abgeliefert sind.
Bei unseren Bioprodukten kommen in fast jeder Analyse auch Rückstände vor, die nicht erwünscht sind.

Die Gruppe Pflanzenschutzmittel ist die größte Gruppe mit über 500 Mitteln, dann Aflatoxine, Salmonellen, usw usw.
Man gewöhnt sich an die Analysen. Wer es nicht gewohnt ist, sich mit den Ergebnissen auseinander zu setzen, wird erst mal nachts nicht schlafen, bis der Fall geklärt ist.

Es gibt Grenzwerte vom Gesetzgeber, die eingehalten werden müssen und es gibt Werte, die von Händlern und Verarbeitern gefordert werden, die viel kleiner sind. Will man also was verkaufen, müssen die Spezifikationen der Händler eingehalten werden.
Falls ein Händler die Ware weigert, muss sie entweder konventionell verkauft werden, oder sie kommt in den Kompost.

Eine gute Diskussion könnte einiges zur Entwirrung beitragen.
Vielleicht guckt die EU-Verwaltung ja mal hier rein, um ihre Biovorstellungen zu ordnen. :)
Es wäre interessant ob die Rückstellprobe identische Werte hat um sicherzustellen ob die Produktion oder die ausserbetriebliche Lagerung , Logistik oder weiterverarbeitung ursächlich für die Rückstände sind ?
Sind es wirklich Wirkstoff Rückstände oder metabolide und auch dort gibt es bedekliche   und unbedenkliche ?
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Heico

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Re: Ökoprodukte und Rückstände
« Antwort #5 am: 11. Juli 2019, 17:34:25 »

Die Analysen beinhalten ca 700 Pflanzenschutzmittelwirkstoffe und die Mikrobiologie usw dazu.
Von den 700 Mitteln sind immer kleine Rückstände in der Ware, aber in kleinsten Mengen und immer nur von wenigen Wirkstoffen.
Die Wirkstoffe sind bekannt. Vor allem die Wirkstoffe, die leicht in Gasform gehen.
Bei uns waren es oft Pendimethalin. Heute hatte ich zB. Terbuthylazin-desethyl. Keine Ahnung was das ist.
Nach Bekanntwerden müssen nach den Kontrollvorgaben, die Nachbarn informiert werden, dass es einen Eintrag gegeben hat.
Wer Nachbar ist, ist noch nicht definiert. Wir haben ne Menge Arbeit davon und gelten als Verursacher.
Als Erstes muss nachgewiesen werden, dass man die Rückstände nicht selber verursacht hat!

Die EU wollte doch alle Rückstände in Bioware verbieten, damit die Bioware verbrauchergerecht wäre.
Die Lobby der konventionellen Landwirtschaft war dafür. Jetzt wird das im Umkehrschluss dazu, dass die gefundenen Mittel nicht aus der Biobewirtschaftung kommen können, da keine Mittel eingesetzt werden. Der Schuss ist also nach hinten losgegangen.

Fragt sich, was nun werden soll.
Bei Babykost hat man die Schrauben so weit angezogen, dass viele Hersteller ausgestiegen sind und auf das Geschäft verzichten.
Somit hat man das Gegenteil von Dem erreicht was erreicht werden sollte.

@joe
Die Belastungen sind bei uns auf dem Acker entstanden, da wir selber anbauen, selber bis zum Analysemuster verarbeiten und auch teilweise selber transportieren.
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Rohana

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Re: Ökoprodukte und Rückstände
« Antwort #6 am: 11. Juli 2019, 18:11:32 »

Die EU wollte doch alle Rückstände in Bioware verbieten, damit die Bioware verbrauchergerecht wäre.

Ist halt die Frage ob Rückstände vom verbieten weggehen, oder nicht so sehr  :rolleyes:
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granola

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Re: Ökoprodukte und Rückstände
« Antwort #7 am: 17. Juli 2019, 09:01:00 »

Vor 30 Jahren hat mir schon der Junior eines Biobetriebes der ersten Generation gesagt "Bio bedeutet nicht weniger Rückstaände, das behaupten wir nicht, wir produzieren nur anders!"
Daran hat sich nix geändert; ist nur viel Verkäufergeschwätz dazugekommen. Sollte jeder sich überlöegen was er so ales unterschreibt und wofür er garantieren soll... und obendrüber lässt der Flieger mit den Klimarettern gerade das Kerosin ab.
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nofear

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Re: Ökoprodukte und Rückstände
« Antwort #8 am: 17. Juli 2019, 10:10:23 »

"Das kommt doch nie und nimmer unten an. Das löst sich doch in Luft auf."

 ;D ;D ;D 8) :angel:
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„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ (M. Gandhi)

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Euro-T

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Re: Ökoprodukte und Rückstände
« Antwort #9 am: 17. Juli 2019, 10:27:36 »

Was mich ein wenig wundert:

Ich hatte letzten Herbst eine Abstandskontrolle und habe mit den Kontrolleuren noch ein bißchen nett geplaudert. Dabei wurde mir unter anderem berichtet, das im Labor nur auf die Wirkstoffe untersucht würde, die ich auch als auf der Flächge appliziert angegeben hätte - alles andere liefe finanziell und vom Aufwand her völlig aus dem Ruder..

Bestätigt wurde mir das kurz darauf noch aus einer anderen Quelle.

Noch ein Beispiel:
Vor vielen Jahren kam es mal dazu, das ein pulverförmiges Herbizid nicht klar definiert werden konnte. Da es sich um eine größere Menge handelte, wollte man schon gerne wissen, was es nun ist, also ab ins Labor damit.
Zur Auswahl standen zwei Wirkstoffe, die es hätten sein können, diese Analyse hat vor rund zehn Jahren 70.-€ gekostet, obwohl man ja nur aus zwei Wirkstoffen den richtigen definieren musste.

Und da soll man glauben, das andernorts zig Proben auf 700 Wirkstoffe untersucht werden?...im Leben nicht...

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Gruß

~~ Olli

BNT

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Re: Ökoprodukte und Rückstände
« Antwort #10 am: 17. Juli 2019, 10:35:29 »

Das wollte ich auch schon fragen, wie man auf 700 Stoffe analysieren kann, ohne dass die Analyse mehr kostet, als die Charge. ;)

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Stanky

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Re: Ökoprodukte und Rückstände
« Antwort #11 am: 17. Juli 2019, 11:21:33 »

Moin,
bei mir ist vor sieben oder acht Jahren eine Abstandskontrolle gelaufen, die haben die Bodenproben auf drei DiN A Vier Seiten Wirkstoffe untersucht, von A wie Atrazin bis Z wie da fällt mir gerade nichts ein.
Gruß
frank
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juliusjr

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Re: Ökoprodukte und Rückstände
« Antwort #12 am: 17. Juli 2019, 11:36:14 »

Ich bin wegen globalgup bei kartoffeln im rückstandmonitoring. Denk mal so alle 5 jahre werd ich schon untersucht. Da wird auf einige Wirkstoffe untersucht. Müsste nachschauen wieviel. Denk mal schon über 100. Kostet mir bissl über 50euro im Jahr. Evtl wird das bezuschusst? Rückstände sind so gut wie alle unter der nachweisgrenze. Ich kenn nur 2 Mittel die leichte Rückstände liefern. Könnte also auch bio draus machen wenn ich die 2 mittel nicht anwende. 1es wird jetzt eh verboten...
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Wade

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Re: Ökoprodukte und Rückstände
« Antwort #13 am: 17. Juli 2019, 16:30:27 »

Wie funktioniert ne Rückstandsanalyse? Irgendeine Spektralanalyse vielleicht? Dann ists wurscht ob man dort einen Balken, 5 oder 500 Balken abliest.


edit sagt:
Schnell selbst gegoogelt, geht über Spektroskopie:
 
https://www.bfr.bund.de/de/rueckstandsanalytik_von_pflanzenschutzmittel__und_biozid_wirkstoffen-5826.html
Zitat
Für die Überwachung von Rückständen von Pflanzenschutzmitteln- und Biozidprodukten  werden zunehmend sogenannte Multimethoden genutzt, die eine große Zahl an Wirkstoffen mit Hilfe der Flüssigchromatographie-Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS) gleichzeitig erfassen können. Bei diesen Verfahren werden die Zielanalyten aus einer Vielzahl von Lebensmittelinhaltsstoffen anhand ihrer Molekülmasse herausgefiltert und mit Hilfe ihrer im Massenspektrometer erzeugten und meist sehr charakteristischen Fragmente identifiziert.

« Letzte Änderung: 17. Juli 2019, 16:33:41 von Wade »
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Ceres

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Re: Ökoprodukte und Rückstände
« Antwort #14 am: 17. Juli 2019, 22:41:54 »

Hallo,

nur mal zur INFO:
die Rückstandskontrollen werden sehr WOHL gemacht, kann es aus eigener Erfahrung schreiben sowie sagen und es werden nicht nur die "paar" bestimmte Dinge untersucht.

1). 2015 und 2017  Kontrolle  alles iO
2). 2018 im Herbst eine unangemeldete Kontrolle (es wurde Obst mitgenommen und eingesendet an ein BESTIMMTES Labor, die Kosten mußte ich bezahlen).
     Ergebnis war Rückstände von einem Wirkstoff von Größenordnung 0,0019  da dieser aber keine Zulassung hatte wurde mir erst unterstellt ich hätte bewußt das Mittel gespritzt.
     Sperre - Nachschulung - zusätzliche Betriebsbegehung - Unschuld beweisen (Ursache war dann Abdriften) - Restobst aus dem Umlauf zurück ziehen (wenn noch möglich).
3). 2019 vor 10 Tagen Audit und kurzfristig noch eine Kontrolle bzw wieder Probe mitgenommen und ins Labor.

soviel zu dem Thema.

Meine Erfahrung mit dem Thema Flugbenzin ablassen ist nicht so weit hergeholt, das Kerosin hatte Blei und noch andere Stoffe und wurde schon nachgewiesen.

Gruß
Ceres
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obwohl er weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird, hat zumindest angefangen,den Sinn des Lebens zu begreifen.
                              Rabindranath Tagore