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Autor Thema: Die Sache mit den Hörnern  (Gelesen 8297 mal)

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Rohana

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Die Sache mit den Hörnern
« am: 28. März 2019, 07:08:21 »

Das Thema wurde hier schonmal kurz diskutiert*, aus für mich aktuellem Anlass möchte ich aber mal hören, wie ihr das heute seht und praktiziert:
Sind Hörner ein lebensnotwendiges Organ für die Kuh, wie manche behaupten? Haben sie einen entscheidenden Einfluss auf die Milchqualität - oder eben nicht? Kennt ihr nachvollziehbare, wissenschaftlichen Kriterien standhaltende Untersuchungen zu dem Thema? Habt ihr eigene Beobachtungen gemacht? ... und in welcher Bio-Haltung sind überhaupt noch unbehornte Kühe erlaubt? ;)


Im Zusammenhang mit der Käseherstellung im eigenen Haushalt habe ich in einem anderen Forum auch über die "Rohstoffqualität" gesprochen, meist harmlose Dinge wie die Fett- und Eiweissgehalte von Rohmilch oder der Unterschied in der Fütterung der Kühe zwischen Heumilch und Milch ohne dieses Label, etc in der Richtung. Dabei wurde auch von jemandem Laktoseintoleranz angesprochen, die angeblich durch Hornkuh-Milch "geheilt" werden kann:
Zitat
Nun haben wir uns intensiv mit diesem Thema beschäftigt und festgestellt, dass mit der zunehmenden Enthornung der Kühe auch meine Milchverträglichkeit immer
schlechter wurde. In unserem Bekanntenkreis gab es auch einige Laktoseintolerante die auf die Milch mit Hörnern umgestellt haben, und siehe da, die Laktoseintoleranz wurde wie durch ein Wunder geheilt. Das Horn der Kuh ist ein Stoffwechselorgan, welches die Kuh genauso braucht, wie die Vögel ihre Flügel zum Fliegen.
Leider wird diese Position auch auf mehrfaches nachfragen nicht stichhaltig begründet, sondern auf Seiten wie z.B. https://www.zalp.ch/aktuell/suppen/suppe_2003_05/su_ho.html verwiesen. Ja, die Bilder sprechen für sich, aber weder ist die Studie repräsentativ noch erschliesst sich mir, was für Aussagen die Rückstände von Blutproben (!) treffen können, die alchemistisch behandelt wurden.
Die allgemeine Aussage "die Natur wird sich schon was dabei gedacht haben" als Grundlage der Relevanz von Kuhhörnern beachtet leider nicht, dass auch die genetische Hornlosigkeit natürlichen Ursprungs ist, und eine weitere Diskussion wurde sich verbeten (genauso wie das eingehen auf sämtliche Argumente meinerseits :().
Es ist sicher möglich, dass manche Milch, insbesondere Rohmilch, von bestimmten Menschen mit Unverträglichkeiten eben besser vertragen wird als die schon recht be- und verarbeitete "Packerlmilch". Bloss hat die Milch von Kühen mit Hörnern genauso Laktose wie die von Kühen ohne Hörner - eine echte Laktoseintoleranz, also das Fehlen des Enzyms Lactase, wird sich da nicht ausgleichen lassen. Was also könnte der entscheidende Faktor sein?

Und: Wer entscheidet sich heute bewusst für die Haltung behörnter Kühe, wenn nicht Demeter o.ä. "Vorschriften" bzw. Entlohnung dahintersteht?
Aus den gegebenen Umständen (Laufstall von 1996) halten wir enthornte Kühe, ich bemühe mich nach und nach Hornlosgenetik in den Stall zu bringen weil ich es für uns und die Tiere als Vorteil ansehe, den Enthornungsvorgang "einsparen" zu können. Hörner wären höchstens zu diskutieren, sollten wir mal neu bauen...

Freue mich auf eure Ansichten und Meinungen!


* Altes Thema: https://www.agrowissen.de/de/forum/index.php?topic=10694
Weiterführende Lektüre, Auswahl:
Beitrag über Zucht auf Hornlosigkeit beim Fleckvieh auf den Seiten der LfL: https://www.lfl.bayern.de/itz/rind/025175/index.php
"Die Bedeutung der Hörner für die Kuh" FIBL / Demeter / Bioland https://shop.fibl.org/chde/mwdownloads/download/link/id/684/
Was macht das Horn mit der Milch? - Medizin transparent, https://www.medizin-transparent.at/milch-enthornte-kuh
« Letzte Änderung: 28. März 2019, 07:21:44 von Rohana »
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BNT

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Re: Die Sache mit den Hörnern
« Antwort #1 am: 28. März 2019, 08:01:00 »

Es gibt Menschen mit einem gewissen Hang zur Esoterik. That's it. ;)
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Thomas

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Re: Die Sache mit den Hörnern
« Antwort #2 am: 28. März 2019, 09:23:13 »

Moin,

die Enthornungsmethoden wurden - zu Recht - weiterentwickelt, um dem Kalb so wenig wie möglich Schmerzen zuzufügen. Wer mal kurz gegen einen Enthornungsstab gekommen ist, weiß dass das schmerzt.

Natur: hmm, die Tiere laufen ja nicht frei herum. Das ist ja der Unterschied. In der Wildnis kann ein Tier eben weglaufen, wenn es sich zu gefährlichen Hörnern gegenüber sieht. Im Stall eher nicht so. Und die Tiere wissen schon was mit ihren Hörnern anzufangen... auch und vor allem gegen unbehornte Individuen.

Hornlose Genetik ist ok, wenn es passt, setze ich die auch ein. Vereinfacht meine Arbeit.

Gruß
Thomas
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hanna

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Re: Die Sache mit den Hörnern
« Antwort #3 am: 28. März 2019, 09:54:35 »

Wir haben uns vor Jahren schon mal mit dem Thema auseinandergesetzt. Es gibt einfach keine wissenschaftlichen Untersuchungen mit „vorzeigbaren“ Ergebnissen , wie das Horn die Kuh beeinflusst.

Nachdem mich vor zwei Jahren mal ein Rind OHNE Hörner zufassen bekommen hat , es glimpflich ausging,ich aber die blauen Flecken danach niemandem wünsche, wird alles,was nicht genetisch hornlosen ist,enthornt.
« Letzte Änderung: 28. März 2019, 12:34:18 von hanna »
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wolf

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Re: Die Sache mit den Hörnern
« Antwort #4 am: 28. März 2019, 11:26:52 »

.... alles,was nicht genetisch hirnlosen ist.....

genetisch hirnlos... hat was, diese Autokorrektur...  ;D ;D ;D.
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sig

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Re: Die Sache mit den Hörnern
« Antwort #5 am: 28. März 2019, 11:27:53 »

Hab mich vor langem auch Mal mit paar Leuten diskutiert vor allem mit den vom zuchtverband! Hab mich vor 8 Jahren dazu durchgerungen nur noch hornlos zu besamen, alle haben sie gesagt die haben keine Milch usw. Das kann ich nicht bestätigen, die Leistung ist genau gleich! Den Vorteil den ich dadurch habe die hornlosen Bullen die werden mir zz echt aus den Händen gerissen ist sogar schon so weit das der zuchtverband die ungeborenen kaufen! Da muss ich sagen des es jetzt für mich ein Vorteil ist! Am Anfang war die Suche nach hornlosen Vererben sehr schwer. Aber es steckt immer noch in den Kinderschuhen
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hanna

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Re: Die Sache mit den Hörnern
« Antwort #6 am: 28. März 2019, 12:33:26 »

.... alles,was nicht genetisch hirnlosen ist.....

genetisch hirnlos... hat was, diese Autokorrektur...  ;D ;D ;D.

😂😂😂puh,ich habe es geändert, aber du hast recht „genetisch hirnlos“ hat was und kommt wohl mehr bei den Menschen vor 😜
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Stanky

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Re: Die Sache mit den Hörnern
« Antwort #7 am: 28. März 2019, 21:35:56 »

Moin,
auch wenn ich mit sechs bis zehn Mutterkühen mur Hobbyhalter bin, habe ich mich mit einer Starken schon mal richtig böse angelegt, mitte Juni im Raps! Wenn das Mädchen behornt gewesen wäre, hätte ich mehr als zwei angeknackste Rippen gehabt. Das Tier hat den Vorfall auch nicht lange überlebt!
Für mich gibt es nur genetisch hornlose Rinder, weil das Enthornen für uns auf der Koppel nicht praktikabel ist.
In Schleswig - Holstein kommen jedes Jahr zwei bis drei Personen beim Umgang mit Rindern ums Leben, hier im Ort ist auch jemand vor 30 Jahren mit behornten Jungbullen ums Leben gekommen.
Meine Sicherheit geht mir vor allem Anderen!
Und ja, genetisch hirnlos trifft es sehr gut!
Gruß
Frank
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Re: Die Sache mit den Hörnern
« Antwort #8 am: 28. März 2019, 21:46:12 »

... und in welcher Bio-Haltung sind überhaupt noch unbehornte Kühe erlaubt? ;)  nur demeter verbietet das enthornen, bzw das züchten auf genetisch hornlos,



Die allgemeine Aussage "die Natur wird sich schon was dabei gedacht haben" als Grundlage der Relevanz von Kuhhörnern beachtet leider nicht, dass auch die genetische Hornlosigkeit natürlichen Ursprungs ist, und eine weitere Diskussion wurde sich verbeten (genauso wie das eingehen auf sämtliche Argumente meinerseits :().
meines wissens war es ein gendefekt, der insbesondere bei der rasse, die ihr haltet, zur hornlosigkeit geführt hat.
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Thomas

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Re: Die Sache mit den Hörnern
« Antwort #9 am: 28. März 2019, 23:05:19 »

Gendefekt oder Mutation? Ist denn beides nicht natürlichen Ursprungs? Sehe ich so.

Gruß
Thomas
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Re: Die Sache mit den Hörnern
« Antwort #10 am: 28. März 2019, 23:16:15 »

Gendefekt oder Mutation? Ist denn beides nicht natürlichen Ursprungs? Sehe ich so.

Gruß
Thomas

mutationen gabs ja immer schon, zumeist setzte sich dann die erfolgreichere variante durch. wer würde sich wohl bei der hornlosigkeit/behornt durchsetzen ??

zum thema an sich hab ich keine meinung
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ThomasD

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Re: Die Sache mit den Hörnern
« Antwort #11 am: 29. März 2019, 05:07:04 »


mutationen gabs ja immer schon, zumeist setzte sich dann die erfolgreichere variante durch. wer würde sich wohl bei der hornlosigkeit/behornt durchsetzen ??


Bei einem Nutztier die Variante, die zur Nutzung von Vorteil ist.

Gruß Thomas
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Re: Die Sache mit den Hörnern
« Antwort #12 am: 29. März 2019, 08:43:14 »


mutationen gabs ja immer schon, zumeist setzte sich dann die erfolgreichere variante durch. wer würde sich wohl bei der hornlosigkeit/behornt durchsetzen ??


Bei einem Nutztier die Variante, die zur Nutzung von Vorteil ist.

Gruß Thomas

das hat aber herzlich wenig mit evolution zu tun, nur weil wir die tiere so hinzüchten, wie wir sie in unsern ställen brauchen.
sollte man soweiso allgemein mal hinterfragen, wir modeln die tiere so um, das sie bestmöglich in unsere stallbauten , schlachthacken passen. wäre andersrum nicht der bessere weg gewesen???
 und bevor jetzt alle aufheulen, ich nehm mich da ned aus, ich hab auch einen hund, der jahrtausendlang auf seine derzeitige nutzung optimiert wurde, wobei sein urahn ein wesentlich erfolgreicherer Jäger wäre. bloß blöd, das der herrlich ohne mensch auskommt.
meine schafe allerdings haben noch steinzeitgenetik intus, sind jetzt ned die riesen fleischbatzen, dafür herrlich einfach zu halten

ich empfehle hier das buch "tödliche Freundschaft" von florian schwinn,
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BNT

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Re: Die Sache mit den Hörnern
« Antwort #13 am: 29. März 2019, 09:01:56 »

Selektion nennt man das. Macht man seit ~ 12.000 Jahren, wobei's beim Hund nach diversen Quellen auch mal seit 100.000 Jahren so sein soll.
Die Zuchtziele ändern sich sowieso laufend. Aber so ganz ohne Zucht?  Versuch mal ein Zebra zu melken.
Hornlosigkeit lässt sich bei Rindern relativ einfach selektieren. Bei Ziegen sieht das zb anders aus.

Heute gibt es Kühe mit 200.000 Litern Lebensleistung. Das klappt nicht ohne Beachtung der Fitness und Vitalität.
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agri

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Re: Die Sache mit den Hörnern
« Antwort #14 am: 29. März 2019, 13:13:04 »


mutationen gabs ja immer schon, zumeist setzte sich dann die erfolgreichere variante durch. wer würde sich wohl bei der hornlosigkeit/behornt durchsetzen ??


Bei einem Nutztier die Variante, die zur Nutzung von Vorteil ist.

Gruß Thomas

das hat aber herzlich wenig mit evolution zu tun, nur weil wir die tiere so hinzüchten, wie wir sie in unsern ställen brauchen.
sollte man soweiso allgemein mal hinterfragen, wir modeln die tiere so um, das sie bestmöglich in unsere stallbauten , schlachthacken passen. wäre andersrum nicht der bessere weg gewesen???
 und bevor jetzt alle aufheulen, ich nehm mich da ned aus, ich hab auch einen hund, der jahrtausendlang auf seine derzeitige nutzung optimiert wurde, wobei sein urahn ein wesentlich erfolgreicherer Jäger wäre. bloß blöd, das der herrlich ohne mensch auskommt.
meine schafe allerdings haben noch steinzeitgenetik intus, sind jetzt ned die riesen fleischbatzen, dafür herrlich einfach zu halten

ich empfehle hier das buch "tödliche Freundschaft" von florian schwinn,

Was willste denn da hinterfragen , die Antwort kennst doch Du .
Du nutzt  doch wie du schreibst genau so den Zuchtfortschritt !

Schließlich sind wir alle aus dem Stadium der Jäger und Sammler entschwunden und sesshaft geworden mit einer selbstgewählten Aufgaben Teilung . Den Erzeugern der Grundstoffe unserer Nahrung haben wir , die Verbraucher , ganz klar gesagt und gezeigt was wir wollen und Kaufen .
Selbst die Unfallversicherungen zeigen ein Positives Nicken wenn der Landwirt den Zuchtfortschritt zur Unfallverhütung nutzt , ich Denke das ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ,  schön alles nach Natur und wenn ich es nutze so wie" ICH " es haben will .
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