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Autor Thema: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren  (Gelesen 169876 mal)

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Henrik

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #15 am: 07. März 2019, 09:09:13 »

Ende der Zwanziger war die "schlechte Zeit" Der Börsencrash in Amerika; hatte hier auch Auswirkungen. Die Leute konnten einfach nichts mehr bezahlen.
Mein Opa hatte einen schlachtreifen Bullen für 1 RM verkauft. Arbeitskräfte waren fast umsonst weil 6 Mio keine Arbeit hatten. Dann kam unser Weltverbesserer und alle waren begeistert, dass es bergauf ging. Die Landwirtschaft wurde besonders hofiert. Ein Bauer mit  über 25 ha musste nicht unbedingt selber arbeiten. War dann so art Geschäftsführer. Bei uns im Dorf hatte sich dann eine Gemeinschaft gebildet, die von Börse und Spekulationen mit Warentermingeschäften ihr Zusatzeinkommen generierten. Bevorzugter Handelsplatz war Winnipeg. Es lief über Kabel > Telex. Das Ende vom Lied war, dass die Preise immer schlechter wurden und fast alle, die mitgemacht hatten, Land verkaufen mussten. Gekauft haben die, die nicht mitgemacht hatten und dann auch verschuldet waren. Vor dem Hintergrund gab es evtl 1 Schlepper im Dorf. Die Mechanisierung mit Schleppern verschob sich auf 1948 bis 1955. Wir bekamen Mitte der 30er einen Heuaufzug mit Schienen zum Abladen und Transport auf dem Heuboden.
Die Margen in der Viehhaltung und auf dem Acker müssen bei den kleinen Stückzahlen (aus heutiger Sicht) sehr hoch gewesen sein. Ich schätze 50%
Raps wurde hier nicht angebaut, das kam erst in den 60ern. Flachs für die eigene Verarbeitung war üblich. Weizenanbau war eher wenig, Roggen war üblich, Sommermischgetreide für Futter und Hafer für den "Hafermotor".

Im Ackerbau wurde Hederich Kainit und Kalkstickstoff ungeölt als Herbizid und Fungizid eingesetzt. Ungeölten Kalkstickstoff durfte ich noch kenennlernen. Allerdings nicht mehr mit Hand gestreut, sondern mit Kuxmann Tellerstreuer.

Manchmal habe ich die Befürchtung das uns ähnliches bevorsteht, nur aufgrund der niedrigen Zinsen. Eine größere Krise ist ja derzeit auch nicht ausgeschlossen.

Die Margen waren sehr hoch, ich weiss das viele Pächter in der Lage waren sich ganzen Hof zu kaufen, gut laufende Betriebe haben für die Weichenden Erben auch ab und zu mal einen Hof gekauft, das wurde quasi erwirtschaftet, heute ja undenkbar das jemand quasi noch nebenbei in 15 Jahren soviel verdienen kann das er sich einen Hof kaufen kann.
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wernerzwo

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #16 am: 07. März 2019, 09:33:13 »

Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, war aber tatsächlich so. In der Zeit sind aber auch viele Betriebe verkauft worden - komische Zweiteilung. Die einen können Betriebe "erwirtschaften", während andere verkaufen müssen...

Mein Urgroßvater haderte nach Erzählungen meines Opas noch lange mit dem Schicksal. Er wollte in den 20ern einen zweiten Hof kaufen, um den beiden größeren Brüdern jeweils die Landwirtschaft zu ermöglichen. Er entschied sich dann letztendlich dagegen, weil beide noch minderjährig waren und der zweite (relativ große Hof) doch fast 10 km entfernt gelegen wäre.
Dann kam die Inflation...

Es war aber damals für viele Landwirte tatsächlich ein "goldenes" Zeitalter - ab einer gewissen Größe des Betriebes war man auch bei uns "Herrenbauer" und verbrachte die meiste Zeit im Wirtshaus. Voraussetzung war ein guter "Baumann" (= Oberknecht), welche die Betriebe am laufen hielten. Die flächenstärksten Betriebe hielten diese Sitte auch nach dem Krieg noch aufrecht - das hatte allerdings zur Folge, daß viele dieser Betriebe heute meist nicht mehr als Landwirtschaftsbetrieb existieren. Die Generation "Herrenbauernsohn" nach dem Krieg hat das Arbeiten nie gelernt und fremde Arbeitskräfte wurden rar und teuer. Die "guten" Betriebe in der jetzigen Zeit sind meist aus der zweiten und dritten Reihe gewachsen.
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Josse

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #17 am: 07. März 2019, 09:57:12 »

Anbei die Bodennutzungserhebung von 1936-1935.
Ich finde es sehr Interessant, da damals auch die Erträge mit eingetragen wurden. Alles Kriegsvorbereitungen, wenn man das mal objektiv beobachtet...
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Josse

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #18 am: 07. März 2019, 14:16:50 »

Sehr Interessant auch der dazugehörige Betriebsbogen von 1935 -1941.
Den Sammelantrag gab es damals auch schon...
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Henrik

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #19 am: 07. März 2019, 14:26:32 »

Anbei die Bodennutzungserhebung von 1936-1935.
Ich finde es sehr Interessant, da damals auch die Erträge mit eingetragen wurden. Alles Kriegsvorbereitungen, wenn man das mal objektiv beobachtet...

Sehr interessant  :daumen:

Warum meinst du Kriegsvorbereitungen? Sehe das damals eher aus dem Autarkie Gedanken
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wernerzwo

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #20 am: 07. März 2019, 14:34:01 »

Anbei die Bodennutzungserhebung von 1936-1935.
Ich finde es sehr Interessant, da damals auch die Erträge mit eingetragen wurden. Alles Kriegsvorbereitungen, wenn man das mal objektiv beobachtet...

Haben wir nicht nächstes Jahr auch wieder "Agrarstatistik"?  :denk:
 ;D
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BNT

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #21 am: 07. März 2019, 17:13:18 »

Ich kenne einige Betrieb, die das letzte mal in den 30er Jahren die Eigentümer gewechselt haben. Gekauft haben damals Industrielle, Bankiers - die Firmen gibt es alle schon lange nicht mehr. Die Betriebe aber schon. Teils sind die so groß, dass sie über Generationen ein stabiles, hohes Einkommen ermöglichen. Was soll mit 3.000 ha Eigentum schief gehen?
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Stanky

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #22 am: 07. März 2019, 17:58:54 »

Moin,
Anbei die Bodennutzungserhebung von 1936-1935.
Ich finde es sehr Interessant, da damals auch die Erträge mit eingetragen wurden. Alles Kriegsvorbereitungen, wenn man das mal objektiv beobachtet...

Haben wir nicht nächstes Jahr auch wieder "Agrarstatistik"?  :denk:
 ;D
ich habe jedes Jahr Agrastatistik, so ein Schwachsinn, die sollen sich doch die Daten aus dem Sammelantrag holen.
Gruß
Frank
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guest50797

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #23 am: 07. März 2019, 19:45:00 »

Anbei die Bodennutzungserhebung von 1936-1935.
Ich finde es sehr Interessant, da damals auch die Erträge mit eingetragen wurden. Alles Kriegsvorbereitungen, wenn man das mal objektiv beobachtet...

Sehr interessant  :daumen:

Warum meinst du Kriegsvorbereitungen? Sehe das damals eher aus dem Autarkie Gedanken
Wann wenn nicht im Krieg sollte ein Land möglichst autark sein?
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Christian2

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #24 am: 07. März 2019, 20:02:47 »

Moin,
Anbei die Bodennutzungserhebung von 1936-1935.
Ich finde es sehr Interessant, da damals auch die Erträge mit eingetragen wurden. Alles Kriegsvorbereitungen, wenn man das mal objektiv beobachtet...

Haben wir nicht nächstes Jahr auch wieder "Agrarstatistik"?  :denk:
 ;D

Ich war es leid, regelmäßig für die Agrarstatistik und die besondere Ernteermittlung ausgewählt zu werden und habe beim letzten Mal nur noch Unsinn eingetragen. Seitdem ist Ruhe.
ich habe jedes Jahr Agrastatistik, so ein Schwachsinn, die sollen sich doch die Daten aus dem Sammelantrag holen.
Gruß
Frank
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Rohana

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #25 am: 07. März 2019, 20:16:39 »

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Josse

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #26 am: 07. März 2019, 22:27:39 »

Anbei die Bodennutzungserhebung von 1936-1935.
Ich finde es sehr Interessant, da damals auch die Erträge mit eingetragen wurden. Alles Kriegsvorbereitungen, wenn man das mal objektiv beobachtet...

Sehr interessant  :daumen:

Warum meinst du Kriegsvorbereitungen? Sehe das damals eher aus dem Autarkie Gedanken

Im 1. WK ist die Heimatfront als erstes in Russland gefallen und danach auch in Deutschland. Es gab teilweise nichts mehr zu essen, so dass so einige verhungerten.
Der "Dolchstoß" hat meiner Meinung nach auch mit dem Verhungern im eigenen Land zu tun. Der "Führung" in den 30igern ist sich dessen wohl bewusst gewesen und wollte eine Wiederholung verhindern. Dazu gehört auch eine Bestandsaufnahme der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelproduktion.
Im 2. WK sind mit Kriegsausbruch die Lebensmittel rationiert worden. Es gab trotzdem Hunger, jedoch nicht in dem Vergleich zum WK 1.

Ein Grundgedanke Nationalismus ist auch Autarkie, nicht nur in der Landwirtschaft.
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Ruebe

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #27 am: 08. März 2019, 08:04:29 »



Schaut Euch das mal an .... am besten Abneds.

Wer das heute machen würde bekäme Ärger wegen Tierschutz (Pferde müssen richtig ziehen), Arbeitsbelastung etc ....

Soll sich mal jeder ansehen der sich eine Landwirtschaft wie früher zurück wünscht
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Stubbendiek

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #28 am: 08. März 2019, 08:25:28 »

und die Frauen mussten noch ohne Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine auskommen.
Die solltest Du heute mal jemanden wegnehmen.......
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canuck

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Re: Landwirtschaft in den dreißiger Jahren
« Antwort #29 am: 08. März 2019, 08:38:08 »

Vielmehr das i- phone fehlte  :frage:
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