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Autor Thema: Senf als Zwischenfrucht  (Gelesen 8198 mal)

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Henrik

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Re: Senf als Zwischenfrucht
« Antwort #30 am: 06. Februar 2019, 23:14:31 »

Sollen wir in "Zeiten mit immer extremerer Wetterverhältnissen" das Wasser einfach so verschleudern?
Sollen wir in Zeiten immer extremerer Reglementierungen bei der Düngung den Stickstoff einfach so verschleudern?

Ich denke nicht, dass die ZWF tatsächlich so viel Wasser kostet. Der Boden ist auch im Sommer und in zunehmend wärmeren Herbstmonaten bedeckt, was mit Sicherheit genauso zur Wasserspeicherung beiträgt, wie die Reste der ZWF im Frühjahr bzw. Frühsommer. Eine vernünftige ZWF wirkt sich positiv auf das Porenvolumen aus und sollte dazu beitragen, dass die Wasserspeicherkapazität erhöht wird. Hängt natürlich auch von der Bodenbearbeitung, der Fruchtfolge und dem Bodenzustand bzw. der Bodenart ab, wie groß der Effekt tatsächlich ausfällt.
[/quote]

Du weist es aber nicht, ich weiss von einigen die mal Schläge geteilt oder zusammengelegt haben, das je nach Jahr eine Zwischenfrucht auch richtig Ertrag der folgenden Kultur kosten kann. Es gibt Jahre da fällt es nicht auf bzw. überwiegen die positven Aspekte, aber manchmal fehlt einfach der Wasser (trotz Porenvolumen usw.) Dirkk hat das auch mal mit den verschiedenen Kulturen (nicht Zwischenfrüchten) gut dargestellt.
Gefühlt tritt es im Norden häufiger auf als im Süden.
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dirkk

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Re: Senf als Zwischenfrucht
« Antwort #31 am: 07. Februar 2019, 06:59:07 »

Zitat
Dirkk hat das auch mal mit den verschiedenen Kulturen (nicht Zwischenfrüchten) gut dargestellt.
Ich hab das im sicherlich extremen Jahr 2018 ( 292mm Jahresniederschlag )  feststellen dürfen : Mit Zwischenfrucht , egal ob mit oder ohne Senf , Ölrettich , Erbsen - Hauptbestandteile waren Kresse und Phacelia , hat Silomais auf vergleichbaren Boden gut 15 % Minderertrag mit Zwischenfrucht gebracht . Es fiel schon im Frühjahr bei der Maisbestellung auf , daß das Saatbett mit Zwischenfrucht deutlich trockener war und der Mais zeigte schon deutlich früher Wassermangelsymptome . Vergleichsvariante ist bei mir überwinterte Weizenhochschnittstoppel - mehr Wasser kann nicht gespart bzw. gespeichert werden und die Regenwürmer freuen sich sehr über die Bodenruhe und auch der Boden darunter hat nach dem Winter eine Gare wie Grünland .

Und diese 15 % Differenz hab ich auch schon in einzelnen Jahren bei Ackerbohnen im Verhältnis zur "Schwarzbrache " ermitteln können .

Allerdings ist das hier eine recht niederschlagsarme Region ,der Durchschnitt der letzten 4 Jahre liegt bei 400 mm - mit Versickerung oder gar Grundwasserneubildung passiert unter solchen Bedingungen rein gar nichts  . Eine erfolgreiche Etablierung von Raps oder Zwischenfrucht war in 2018 wie auch 2016 unmöglich oder schwierig - die neuen Vorschläge zur DüVO 2020 in Bezug auf Sommerkulturen lassen mich da erstaunen ........

Gruss
dirkk
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Ansgar

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Re: Senf als Zwischenfrucht
« Antwort #32 am: 07. Februar 2019, 08:24:28 »

Aber das ist doch seit Jahren allseits bekannt, dass Zwischenfrüchte eigentlich nur dort Sinn machen, wo die Winterniederschläge höher ausfallen als die etablierte Zwischenfrucht an Wasser verbrauchen wird, damit die Hauptfrucht nicht im Trockenen steht - unabhängig davon, um welche Art von Zwischenfrucht es sich handelt.
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Erfolg hat drei Buchstaben: TUN

sten

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Re: Senf als Zwischenfrucht
« Antwort #33 am: 07. Februar 2019, 11:17:19 »

Es ist allgemein bekannt, dass Zwischenfrüchte Wasser verbrauchen, sämtliche Vorträge, die ich zu dem Thema gehört habe, sagen aber etwas differenzierteres aus. Fazit ist in der Regel, dass es in Trockengebieten im Herbst zu Problemen führen kann, wenn eine Winterung nach einer Zwischenfrucht etabliert werden soll, zum Winter ist aber der Ausgleich da, nicht nur durch die bessere Speicherfähigkeit der Böden, sondern auch durch die geringere Verdunstungsrate - Winterharte Zwischenfrüchte sind natürlich was anderes.
Hab gerade wieder die Vorstellung einer Untersuchung aus Sachsen gesehen.
Carsten
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charlie

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Re: Senf als Zwischenfrucht
« Antwort #34 am: 07. Februar 2019, 13:26:18 »

Der angesprochene „Wasserverbrauch“ einer ZF deckt sich auch mit meinen Erfahrungen an zwei Trockenstandorten.
Entscheidend für den Erfolg ist Höhe der Winterniederschläge, vor allem jener, die eine abfrierende ZF nicht mehr aufnehmen kann. IdR benötigen wir bis zum Auffüllen der Bodenvorräte (auf nicht total überkrumentief ausgetrockenete Böden) etwa 150-180 l Niederschläge von Mitte November bis Mitte Februar, bei vorher feuchteren Verhältnissen reichen auch mal weniger.
Herrschen dagegen Bedingungen wie 2018 (mit Vorjahren mit ebenfalls nicht überdurchschnittlichem Regen), dann wird es eng und der Folgekultur kann das Wasser ausgehen.
Die Vergleiche sind aber mit Wirtschaftsweisen und Bodenbearbeitungsstrategien mit maximaler Wasserschonung zu ziehen, gegenüber einer Schwarzbrache sind die Nachteile meist deutlich geringer oder es überwiegen die schon genannten Vorteile höherer Wasserspeicherfähigkeit durch bessere Bodenstruktur.
Deswegen ist es auch an unseren Standorten vorteilhaft das Absterben der ZF im Winter im Zweifel zu unterstützen (Walze, ultraflache Bearbeitung, Mulchen o.ä.). Also das berühmte Spannungsfeld der Bedingungen: Mineralisation, Ausgasung, zusätzlicher Arbeitsgang gegen Weiterwachsen/Wasserverbrauch, Erwärmung, Brechen der Kapillarität usw.
Winterharte ZF-Komponenten mit zusätzlichem Wachstum und damit Wasserverbrauch im Frühjahr sind damit an unseren Standorten eher kritisch zu beurteilen.
Wie dirkk schon angesprochen hat, liegt die Herausforderung bei Sommertrockenheit eher in der Etablierung der ZF und auch Sommerzwischenfrüchte mit folgenden Winterungen sind sehr von den Witterungsverhältnisse abhängig und deswegen nicht als Standardmaßnahme geeignet.
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Gruß

Charlie

Nicht immer sind die, die das Gras wachsen hören, auch bereit, es zu mähen.

johndeere820

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Re: Senf als Zwischenfrucht
« Antwort #35 am: 07. Februar 2019, 16:34:25 »

Sollen wir in "Zeiten mit immer extremerer Wetterverhältnissen" das Wasser einfach so verschleudern?
Sollen wir in Zeiten immer extremerer Reglementierungen bei der Düngung den Stickstoff einfach so verschleudern?

Ich denke nicht, dass die ZWF tatsächlich so viel Wasser kostet. Der Boden ist auch im Sommer und in zunehmend wärmeren Herbstmonaten bedeckt, was mit Sicherheit genauso zur Wasserspeicherung beiträgt, wie die Reste der ZWF im Frühjahr bzw. Frühsommer. Eine vernünftige ZWF wirkt sich positiv auf das Porenvolumen aus und sollte dazu beitragen, dass die Wasserspeicherkapazität erhöht wird. Hängt natürlich auch von der Bodenbearbeitung, der Fruchtfolge und dem Bodenzustand bzw. der Bodenart ab, wie groß der Effekt tatsächlich ausfällt.

Du weist es aber nicht, ich weiss von einigen die mal Schläge geteilt oder zusammengelegt haben, das je nach Jahr eine Zwischenfrucht auch richtig Ertrag der folgenden Kultur kosten kann. Es gibt Jahre da fällt es nicht auf bzw. überwiegen die positven Aspekte, aber manchmal fehlt einfach der Wasser (trotz Porenvolumen usw.) Dirkk hat das auch mal mit den verschiedenen Kulturen (nicht Zwischenfrüchten) gut dargestellt.
Gefühlt tritt es im Norden häufiger auf als im Süden.

Meine Aussage bezog sich auf ZWF über Winter bzw. vor einer Sommerung.
Vielleicht ergänze ich mal die Rahmenbedingungen, unter denen ich diese Erfahrung machen konnte. Wir haben in den letzten Jahren schwankende Niederschläge, von unter 450 mm im Jahr 2018 bis zu knapp 750 mm im nassen Jahr 2017 war in den letzten 5 Jahren fast alles dabei. Der Schnitt liegt bei etwa 550 mm, wobei diese i.d.R. ungünstig verteilt sind. Die Vorräte werden im Winter ziemlich zuverlässig wieder aufgefüllt, allerdings sind die Monate April bis Juli oft vergleichsweise niederschlagsarm. Die ZWF stehen hier vor Zuckerrüben, die zwischen Mitte März und Mitte April gelegt werden. Zum Feldaufgang ist daher immer genug Wasser vorhanden, problematisch wird es allerdings, wenn die Vorsommertrockenheit eintritt: dann profitieren die Bestände hier ganz klar von der Zwischenfrucht bzw. deren Rückständen. Im Vergleich zu ähnlichen Beständen nach Schwarzbrache konnte ich häufig beobachten, dass die ZR nach gut entwickelter ZWF länger durchhalten, bevor sie die Blätter hängen lassen.

Im Vergleich zu den "richtigen" Trockengebieten haben wir den Vorteil, dass die Niederschläge im Herbst für eine ordentliche ZWF ausreichen. Extrem wassersparende Verfahren -wie bspw. Strohmulch über Winter- findet man hier nur selten. Die meisten Rübenanbauer haben vor der Zuckerrübe eine ZWF, einige Pflügen oder Grubbern im Herbst und nutzen die Frostgare. Im Vergleich zur Schwarzbrache (egal ob konservierend oder wendend bearbeitet) überwiegen hier die Vorteile der ZWF ganz klar. Für mich stellt sich eher die Frage nach den richtigen Komponenten, dem passenden Aussaatzeitpunkt und der Frage ob bzw. wie die Zwischenfrucht vor der Aussaat der Sommerung bearbeitet wird. In Trockengebieten sieht das wieder ganz anders aus.
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