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Autor Thema: Striegeln im Winterroggen  (Gelesen 1309 mal)

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Uwe

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Striegeln im Winterroggen
« am: 16. Januar 2019, 20:37:50 »

Dieses Jahr habe ich nach (Teil-)Umstellung das erste Mal Wintergetreide (Roggen) im Anbau.
Nach Vorfrucht Winterraps haben ich viermal bearbeitet (Striegel - Scheibenegge - Gänsefussgrubber - Feingrubber) und sehr spät mit hoher Saatstärke gedrillt.

Ich habe nun schon mehrmals gelesen, dass viele Anbauer im Wintergetreide gar nicht striegeln, da bei jedem Striegeln neue Samen zum Keimen angeregt werden und man unterm Strich keine Vorteile gegenüber gar keiner Behandlung hat.

Hat hier jemand Erfahrungen hierzu? Ein bißchen nervös bin ich nämlich schon, einfach gar nichts zu machen.

Uwe
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klausg

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Re: Striegeln im Winterroggen
« Antwort #1 am: 16. Januar 2019, 20:40:58 »

Meist ist die Bestandsdichte beim  Roggen ohnehin schon zu hoch. Das würde durchs striegeln noch mal angeschoben.
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derhauderer

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Re: Striegeln im Winterroggen
« Antwort #2 am: 16. Januar 2019, 20:58:03 »

beim roggen kannste spät striegeln, reduziert den unkrautdruck etwas, öffnet den boden, bringt noch nen kleinen stickstoffschub. das unkraut das da dann keimt macht keinen stich mehr, zu wenig licht, und der roggen ist schon zu groß.
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treckeripaq01

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Re: Striegeln im Winterroggen
« Antwort #3 am: 16. Januar 2019, 22:06:29 »

Roggen habe ich bis jetzt immer erst im Frühjahr aber auch da nicht immer gestriegelt im Herbst macht der dicht das das geht meist steht er nach Hafer Pfluglos der Hafer friert hier immer weg
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Gruß Toni

Thomas

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Re: Striegeln im Winterroggen
« Antwort #4 am: 16. Januar 2019, 22:38:40 »

Roggen habe ich bis jetzt immer erst im Frühjahr aber auch da nicht immer gestriegelt im Herbst macht der dicht das das geht meist steht er nach Hafer Pfluglos der Hafer friert hier immer weg

Bei welchen Bedingungen und in welchem Stadium striegelst du denn im FJ den Roggen? Woran machst du das fest?

Gruß
Thomas
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Flori

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Re: Striegeln im Winterroggen
« Antwort #5 am: 17. Januar 2019, 08:40:38 »


 Hallo Uwe.

 Magst Du mal ein Bild von deinem Roggen reinstellen ?

 So wie ich das in Erinnerung habe hast du ja sogar noch Organik ins Saatbett gegeben.

 Denke dass a. und o. bei Bio ( wahrscheinlich noch stärker bei Dir mit kontinentalen Klima ) ist im Frühjahr dass der Boden offen ist
 und die Wurzeln atmen können. Dann ist die Entwicklung vom Getreide nämlich auch meist so gesund dass das Unkraut kein Problem
 macht. Wenn dein Roggen so gut versorgt ist wie ich vermute, und du nicht zu spät gesäet hast, müsste er eigentlich schön bestockt und
 vielleicht sogar mastig stehen. In so einem Fall würde ich mir keine Gedanken machen. Gute Roggenbestände können im Herbst schon bis zu 40kg N
 aufnehmen, dass reicht bereits für knappe 20dt Korn. Aus diesen Pflanzeneigenen N-Reserven müssen die Biobestände meist bis zum Schossen
 zehren weil die Mineralisation später los geht. Wenn dann noch mal 20 bis 30kg N frei werden sollten den 30dt/ha ohne viel Unkraut nichts im Wege stehen.
 Problematischer bezüglich Unkraut sind unter Umständen Spätsaaten bei denen die Durchwurzelung und Bedeckung im Herbst schwach ist, und die Boden-
 oberfläche total zusammen "klatschen" kann. Da hast Du dann Sauerstoffmangel und schlechte Wüchsigkeit im Frühjahr, optimale Bedingungen für Unkräuter.
 Da macht dann der scharfe Striegel sinn, um die Kruste zu brechen und die Unkräuter entsprechend zu ärgern.

 Solange der Roggen ( bei uns ) nicht später als zu Ende der 1ten Oktoberwoche im Boden ist, kenne ich solche Probleme nicht. Habe noch nie Roggen gestriegelt...
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Uwe

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Re: Striegeln im Winterroggen
« Antwort #6 am: 17. Januar 2019, 13:12:33 »

Ich habe leider nur ein Bild von Mitte November.
Danach fielen die Durchschnittstemperaturen dauerhaft unter 5°C.
Ich habe extra spät gesät, da dann angeblich der Unkrautdruck geringer sein soll?!?
Vorher bin ich extra mehrmals (siehe Anfangspost) rüber, um den Ausfallraps möglichst nachhaltig zu eliminieren.
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Matze

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Re: Striegeln im Winterroggen
« Antwort #7 am: 17. Januar 2019, 13:47:08 »

Aus der Ferne sieht der sehr sauber aus, Glückwunsch. Mit kontinentalem Klima würde ich den im Frühjahr striegeln, um Luft in den Boden zu bringen, krümeln der Oberfläche. Aber nur, wenn keine Nachtfröste für die nächsten paar tage angesagt werden. Sonst erfrieren losgestriegelte Roggenpflanzen. Wenn kein Striegeln im Frühjahr möglich ist, dann wächst der Roggen auch so. Wenn er schosst wird es dunkel für Un- oder Beikräuter ;) Das passt scho ;D
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Flori

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Re: Striegeln im Winterroggen
« Antwort #8 am: 18. Januar 2019, 08:50:58 »


 Uwe. Der Roggen sieht echt gut aus.

 Anderweitig wie gesagt wird ( späte Aussaat weniger Unkrautdruck ) , habe ich beim Roggen das Gefühl dass es sich hier entgegengesetzt verhält.

 Im Gegensatz zu Weizen oder Dinkel ist Roggen sehr schnellwüchsig und massebildend. Eine Aussaat zwischen Mitte und Ende September kann ( muss ) dünner
 gesäet werden. Die Pflanzen bestocken sich enorm schnell, und was mir noch wichtiger scheint, bilden sehr schnell massive Wurzelsysteme aus.
 Ein so ausgesäeter Roggen kann bis Vegetationsende den A-Horizont bereits komplett durchwurzeln, und mit Teilen der Wurzeln sogar bis 35-40cm Tiefe gehen.
 Neben der Beschattung an der Oberfläche erobert er sich mit den Wurzeln also soviel Bodenvolumen, dass die Unkräuter hier eigentlich keinen Platz mehr finden.
 Nebeneffekt der ganze Sache ist die erhöhte N-Aufnahme von Stickstoff im Herbst und damit Sicherung vor Auswaschungen.

 Ich habe mich mit dem Thema N-Dynamik bei Öko intensiv beschäftigt weil es gerade auf den Soprtionsschwachen Böden ein Schlüsselelement zu stabilen
 Erträgen ist. Runtergebrochen kann man das eigentlich so sagen:

 - wenn Bodenbearbeitung zu Wintergetreide bei warmen und feuchten Bedingungen hohe Mineralisation im Boden --> hier wenn möglich angemessen zeitige Dünnsaat
   von Winterroggen oder Wintergerste um möglichst viel von diesem Stickstoff schon im Herbst zu retten. Winterroggen und Wintergerste sind auch die Arten
   die im Frühjahr am zeitigsten Schossen, also am ehesten "Hunger leiden" bis der Boden anfängt durch entsprechende Temperaturen zu arbeiten.
   Von daher macht es Sinn im Herbst möglichst viel Reserven in den Beständen aufzubauen um die Hungerphase im Frühjahr zu minimieren.

 - bei Saaten die sowieso später gesäet werden ( Weizen, Dinkel ) Bodenbearbeitung herrausschieben bis kühlere Bedingungen vorliegen. Das minimiert
   die Herbstmineralisation ,die Weizen oder Dinkel sowieso nicht verwertet kriegen , und reduziert die Auswaschungsverluste. Weizen und Dinkel schossen
   dafür im Frühjahr um einiges später, hier sind die Chancen schon eher da dass der Boden warm genug ist um passend N zum Wachstum zu liefern. Wenn
   dann die Bedingungen im Herbst wirklich kühl waren, kommt der N-Schub von der Bearbeitung eben auch erst im Frühjahr und somit "effektiv"

 
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