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Autor Thema: Wachtumsregler in Wintergerste - Manipulator  (Gelesen 2452 mal)

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adefrank

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Wachtumsregler in Wintergerste - Manipulator
« am: 30. Dezember 2018, 19:06:41 »

Also ich bin dabei gerade die neue Saison zu durchdenken. Und da bin ich auf die Frage des Wachstumsreglereinsatzes in Wintergerste gestoßen. Im letzten Jahr sind ja Manipulator ("CCC") und Prodax als neue Mittel hinzu gekommen (hatte 2018 keine Wintergerste).
Nun gibt es diesbezüglich Erfahrungen? (Das Trockenjahr 2018 dürfte allerdings an vielen Orten eine schlechte Vergleichsbasis sein).
Bisher setzte ich immer eine Kombination aus Medax Top und Moddus ein um eine lange gleichmäßige wirkung zu bekommen die nicht zu Temperaturabhängig ist). Moddus (Trinexapac-ethyl) wirkt da ja relativ lang, aber braucht höhere Temperaturen und greift später in die Gibberelinsynthese ein. Prohexadion-Calcium (Medax-Top undnun Prodax) wirkt ja ähnlich, nur schneller, weniger lang und begnügt sich mit niedrigeren Temperaturen. Mepiquatchlorid (Medax-Top) soll ja ähnlich wie CCC wirken. Greift früher in die Gibberelinsynthese ein und braucht ebenfalls niedrigere Temperaturen.
Naheliegen wäre für mich daher die Kombination von Manipulator und Prodax, analog zu CCC+Moddus in Weizen. Da würde ich eine möglichst gleichmäßige Einkürzung erwarten. Allerdings fand ich bisher keine Empfehlungen für Manipulator in Wintergerste und die Kombination wird auch nirgends beschrieben. Daher frage ich mich, ob ich da einen Denkfehler mache oder etwas übersehe.
Grundsätzlich habe ich keine starken Anforderungen an den Wachtumsregler. Bei der Zweizeiligen Gerste möchte ich mit einer Anwendung auskommen und es besteht hier immer das Risiko von nachfolgenden Trockenperioden. Daher sollte diesbezüglich die Anwendung verträglich sein (Bisher 0,5 kg/Medax + 0,2 l Moddus typisch) und nicht extrem zeitkritisch bzgl. des genauen Anwendungstermins.
Laut BASF Werbung(!) wäre ja schon Prodax die perfekte Lösung.
Hat jemand dazu hilfreiche Infos, oder noch besser Erfahrungen?
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Ansgar

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Re: Wachtumsregler in Wintergerste - Manipulator
« Antwort #1 am: 30. Dezember 2018, 19:38:01 »

Bei so Sachen wie Medax Top und Chlormequat sollte man immer im Hinterkopf haben, dass die Wachstumsreglerwirkung schnell nachlässt und danach ein exorbitantes Längenwachstum wieder einsetzen kann, wenn zum Ende hin nicht mit einem Ethephon konsequent nachgekürzt wird.
Vor dem Hintergrund, dass in Deiner Region Trockenperioden eher die Regel als die Ausnahme sind, halte ich die bisherige Strategie von 0,5 l/ha Medax Top + 0,2 l/ha Moddus eigentlich schon für etwas überzogen, sofern Du auf sandigen Standorten wirtschaftest. Ich habe es in diesem Jahr bei 0,2 l/ha Moddus solo bewenden lassen.
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Re: Wachtumsregler in Wintergerste - Manipulator
« Antwort #2 am: 30. Dezember 2018, 20:12:50 »

Was wäre von Moddus Start im frühen Stadium zum halten. Um nicht in die Trockenheit zu kommen.
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Farmer_Sam

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Re: Wachtumsregler in Wintergerste - Manipulator
« Antwort #3 am: 30. Dezember 2018, 20:18:21 »

Ich habe dieses Jahr in der Wintergerste 0,4 l/ha Prodax gefahren, allerdings erst relativ spät (EC 33)
War damit zufrieden, hatte kaum Lager.
Im Weizen sind 0,32 l/ha Prodax gefahren worden. Bis auf doppelt gedüngte Stellen auch ohne Lager.

ModdusStart(=Moddevo?) habe ich dieses Jahr auch eingesetzt in Verbindung mit Broadway. Aufwand waren 0,18 l/ha. Die Einkürzung war nicht wirklich zu sehen, Standfest war der Weizen jedoch.

Fahre aber in der Regel wenig WR und versuche standfeste Sorten anzubauen.
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charlie

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Re: Wachtumsregler in Wintergerste - Manipulator
« Antwort #4 am: 30. Dezember 2018, 21:50:34 »

Ich habe im letzten Jahr auch die Kombination CCC/Manipulator + Prodax in der Hybridgerste in zwei Aufwandmengen getestet.
0,4l Manipulator und 0,6kg Prodax in EC32 sind schon ein Wort, aber waren auch nötig um der nicht ganz stabilen Wootan eine gute Standbasis zu verleihen, aufgrund der späteren Trockenheit fiel der eigentlich vorgesehene Etephoneinsatz aus.
Die Variante 0,6l Manipulator + 0,33kg Prodax wirkte zwar am Anfang wie ein hocheingestellter Rasenmäher, was das Brechen der Apikaldominanz angeht, aber der anhaltende Effekt der Kürzung war deutlich schlechter, so dass dieser Streifen in Hohllager ging.
In eine stark wüchsige Hybride mit hoher Anzahl Seitentrieben passt die CCC-Maßnahme, aber das zugelassene Manipulator ist mit dem 3fachen Preis gegenüber Standard CCC720 deutlich überteuert.
In den zweizeiligen Braugersten-Varianten habe ich mit 0,4 und 0,5 kg Prodax dank passender Platzierung in EC32 gute Effekte erzielen können, die mir besser gefallen haben als zu spät gesetzte Moddus-Maßnahmen bei Kollegen, die deutlich durch die einsetzende Trockenheit und stärkere Einstrahlung verschärft wurden.
Ich muss aber sagen, dass es wichtiger ist sein Gefühl für einen geübten Umgang mit den AWM eines bekannten WR zu trauen, statt besondere Effekte von neuen Lösungen in vagen Aufwandmengen zu erwarten.
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Gruß

Charlie

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adefrank

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Hilfreiche Hinweise - Preis Manipulator
« Antwort #5 am: 31. Dezember 2018, 01:08:25 »

In eine stark wüchsige Hybride mit hoher Anzahl Seitentrieben passt die CCC-Maßnahme, aber das zugelassene Manipulator ist mit dem 3fachen Preis gegenüber Standard CCC720 deutlich überteuert.
Nun gefühlt würde ich zustimmen, dass Manipulator überteuert ist. Allerdings, das teuere an diesen Mittel dürfte eben die Zulassungskosten sein die sich dann über den doch begrenzten Einsatz in Gerste bezahlt machen müssen. Und insgesamt finde ich es schon einen Fortschritt endlich die CCC Option auch in Gerste zu haben, nachdem kein Hersteller über Jahrzehnte die Zulassung in Angriff genommen hat. Nun Bayer schreibt in seiner Werbebroschüre noch, dass Manipulator eine neue Formulierung hätte, die zu einer längeren Wirkngsdauer führen würde und damit erst den Einsatz in Gerste ermöglicht. Kann ich so nicht überprüfen. Unabhängig davon hat sich aus meiner Sicht Bayer an dieser Stelle den Mehrpreis schon verdient. Und wenn nun alle heimlich das nicht zugelassene CCC in Gerste verwenden würden, da ja immerhin CCC Rückstände grundsätzlich rechtlich möglich wären, dann würden wir uns selbst ins Knie schießen. Dann verschwindet eben wieder die Zulassung weil sich eine Verlängerung nicht lohnt. Die Sauerei ist doch, dass es eben faktisch doch keine EU-weite einheitliche Zulassung gibt, was einerseits die Zulassungskosten erhöht und andererseits dafür sorgt, dass weniger Mittel verfügbar sind.
Ansonsten fand ich die obigen Beiträge alle(!) sehr hilfreich.
@ Ansgar. Ja das ist in der Tat das Heikle zwischen drohenden Trockenperioden und Lagergefahr genau die richtige Dosierung zu finden. Nun hatte ich 2018 keine Wintergerste. Und zuvor kam ich mit der Kombi 0,5 kg + 0,2 l auf 80 dt/ha. Vor 5 Jahren hatte ein anderer Landwirt sine Gerste ehr vorsichtig eingekürzt. Diese lag dann nach einem Gewitter komplett, so dass er bei der Ernte dann auf die Sikkation zurückgreifen musste (Zwiewuchs ....). Damals war Glyposat noch nicht so im Gespräch. Aber da die Fläche direkt an eine Siedlung grenzte, wäre das sicher heute doch mindestens ein PR Desaster. Sowas möchte ich andererseits halt auch möglichst vermeiden. Bei Weizen verzichte ich inzwischen normal auf Wachstumsregler (+ Standfeste Sorte) und dafunktioniert es bisher und scheint die bessere Option zu sein. Aber Wintergerste ist mir da zu lagergefährtet und zum früheren Termin ist es meist auch nicht zu trocken. Da sollte die erste Behandlung schon austreichen (daher auch unbedingt mit Trinexapac - lange Wirkungsdauer). Eine Cerone Nachbehandlung sollte normal aus Gründen der Arbeitswirtschft (genauer Termin) und Verträglichkeit möglichst nicht notwendig sein. Bisher hat das immer geklappt. Aber das wäre natürlich bei Kombinationen mit CCC ein kritischer Aspekt.
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wernerzwo

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Re: Wachtumsregler in Wintergerste - Manipulator
« Antwort #6 am: 31. Dezember 2018, 11:46:45 »

Was wäre von Moddus Start im frühen Stadium zum halten. Um nicht in die Trockenheit zu kommen.

Wird ja selbst von Syngenta (zumindest bei mir in der Gegend) nicht mehr aktiv für Gerste beworben. Anscheinend sind hier schlechte Erfahrungen gemacht worden. Ich persönlich setze es seit drei Jahren mit gutem Erfolg in Hybridgerste ein - auch 2018! Der Hauptgrund war ursprünglich für mich, weil ich noch mit den breiten Reifen die Behandlung fahren kann, bevor bei uns i.d.R. die Gülleausbringung und Maissaat anläuft.

Aber da die Wirkung bis jetzt immer gut und lang anhaltend war, werde ich auch 2019 diese Variante fahren. Wobei auf leichten Böden hätte ich vielleicht auch etwas Bauchschmerzen dabei...
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Tobi.

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Re: Wachtumsregler in Wintergerste - Manipulator
« Antwort #7 am: 31. Dezember 2018, 15:36:08 »

Interessant fände ich den frühen Einsatz (bei meinen im kommenden Jahr trockenheitsbedingt wahrscheinlich viel zu dünnen Hybridgerstebeständen) bereits in der Bestockung.
Gibt es da Erfahrungen zur Bestockungsförderung?
Ist das nur was für die Optik, oder bringt das tatsächlich was bei sehr dünnen Beständen?
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charlie

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Re: Wachtumsregler in Wintergerste - Manipulator
« Antwort #8 am: 31. Dezember 2018, 15:56:35 »

Interessant fände ich den frühen Einsatz (bei meinen im kommenden Jahr trockenheitsbedingt wahrscheinlich viel zu dünnen Hybridgerstebeständen) bereits in der Bestockung.
Gibt es da Erfahrungen zur Bestockungsförderung?
Ist das nur was für die Optik, oder bringt das tatsächlich was bei sehr dünnen Beständen?

Du wirst keinen zusätzlichen Trieb zaubern können.
Aber du wirst mit dem Brechen der apikalen Dominanz das Aufstreben des Haupttriebs bremsen können und damit die vorhandenen Seitentriebe stärken, evtl wird je nach Wasser- und Nährstoffangebot der ein oder andere dann zu einem ährentragenden Halm bzw. die Ausbildung der Ähre an den unterrangigen Trieben kann sich verbessern.
Hierzu gibt es aber neben dem Einsatz von Chlormequatchlorid auch andere oder zusätzliche Wege, wie Einsatz von Walze und Striegel oder die Versorgung mit entsprechenden Spurenelementen.
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Gruß

Charlie

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Tobi.

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Re: Wachtumsregler in Wintergerste - Manipulator
« Antwort #9 am: 31. Dezember 2018, 17:17:42 »

Danke, :)
Spurenelemente hab ich vorausgesetzt, ist ja nicht das Thema...

Für Walze ist es hier in der Bestockung oft noch zu feucht.
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Enrico

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Re: Wachtumsregler in Wintergerste - Manipulator
« Antwort #10 am: 31. Dezember 2018, 17:47:14 »

Bei der frühen CCC-Anwendung sollte der Bestand schon ,,kräftige‘‘  Wurzeln haben.  Kronenwurzel mind. 3 cm lang, da sonst bei suboptimalen Bedingungen  die Wurzelentwicklung beeinträchtigt wird.
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granola

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Re: Wachtumsregler in Wintergerste - Manipulator
« Antwort #11 am: 31. Dezember 2018, 23:04:00 »

Ich würde mich von dem "nur einmal spritzen wollen" verabschieden und das Manipulator früh einsetzen! Gerste muss unten stabil sein wenn Du richtig Ertrag halten willst. Nicht die Länge ist (allein) entscheidend... ;)

Gerste kann (über-)"kompensieren"! Das bedeutet wenn die Wirkung des WR nachlässt meint die Gerste sie hätte noch etwas nachzuholen. Macht dann einfach die oberen Internodien länger. Deswegen sollte man  (je nach Wärmesumme und sonstigen Wachstumsbedingungen) spätestens nach 3 Wochen über die nächste Massnahme nachdenken.
zur Einordnung meines Beitrages: das sind Erfahrungen aus dem Wintergerstenanbau im vorigen Jahrtausend, der Anspruch war auf top Böden "wie Weizen" zu ernten! Zur Zeit kein Juckezeug im Betrieb mangels ausreichender Fläche und guter Vermarktung
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Ansgar

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Re: Wachtumsregler in Wintergerste - Manipulator
« Antwort #12 am: 01. Januar 2019, 04:49:35 »

Interessant fände ich den frühen Einsatz (bei meinen im kommenden Jahr trockenheitsbedingt wahrscheinlich viel zu dünnen Hybridgerstebeständen) bereits in der Bestockung.
Gibt es da Erfahrungen zur Bestockungsförderung?
Ist das nur was für die Optik, oder bringt das tatsächlich was bei sehr dünnen Beständen?

Dann ist das Trinexapac-Ethyl aus dem Moddus ja schon mal raus, weil es vornehmlich auf die juvenilen Triebe wirkt und im Hinblick auf eine Förderung der Bestockung als kontraproduktiv zu betrachten ist.

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