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Autor Thema: Zuckerrüben für Milchvieh  (Gelesen 1996 mal)

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Tondo

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Zuckerrüben für Milchvieh
« am: 28. April 2018, 21:12:10 »

Irgendwo habe ich schon mal geschrieben das wir Zuckerrüben für das Milchvieh anbauen, da möchte ich hier mal einen kleinen Zwischenbericht abgeben, einfach mal so in Stichpunkten:
- Anbau absolut problemlos, Düngung mit Rindergülle plus eine mineralische K-Ergänzung, entzerrt bei uns die P-Problematik. Pflanzenschutz lasse ich auf Lohn mit einem langjährigen Anbauer durchführen.
- Anbaukosten bis in die Miete ca 1400,-€ vK, etwa 400,-€ mehr wie Mais, überwiegend durch Pflanzenschutz verursacht.
- Ertrag gigantisch ca 110 to pro ha, dadurch doppelter Energieertrag wie Mais aber sicherlich Anfängerglück und nicht so planbar.

Knackpunkt ist die weitere Verarbeitung:
- Rübenwäsche ist mir zu unausgereift und die Rüben müssen zu schnell verarbeitet werden.
- Entsteinung brauche ich beim Milchvieh nicht, die sortieren das dann selber.
- Um den Schmutzanteil zu verringern haben wir sie nach Lagerung in der Miete mit einem Reinigungsband verladen und zum Hof gefahren.
- Um eine ganzjährige Fütterung damit zu gewährleisten haben wir die Rüben im Winter mit den vorher einsilierten LKS sowie mit Propionsäure eingelagerten gemahlenen Roggen einsiliert. 70%FM Rüben, 25%FM LKS, 5%FM Roggen. Das alles im Futtermischwagen gemischt wobei der Mischwagen dann auch die Rüben zerkleinert. Mit dem 14m3 Mischwagen schaffen wir ca 25 to die Stunde. Auf die Siloplatte abgeladen und in einem langen flachen Haufen wieder festgefahren. Eine Partie haben wir mit einem Lohnmischer siliert, da waren mir aber die Kosten in Bezug auf die erbrachte Leistung zu hoch, ansonsten halte ich das für das kostengünstigste praktikable Verfahren. Die Silage ist mit einem pH-Wert von 3,6 sehr lagerstabil, davor hatte ich Angst.

Auswirkungen auf die Fütterung:
- wir füttern ca 20kg also 14kg ZR, 5kg LKS, 1kg Roggen pro Tier und Tag von der Mischung sind dann 7kg TM in der HL-Gruppe, 66% davon in der NL-Gruppe.
- Dadurch brauchen wir nur noch Eiweißkomponenten als Kraftfutter, RES, SES und Harnstoff 4kg in der HL-Gruppe und 2kg in der NL-Gruppe.
- 1kg Luzerneheu als Strukturausgleich und ß-Carotin-Quelle, passt meine ich besser wie Stroh.
- der Energiemix ersetzt nicht nur Kraftfutter sondern verdrängt auch Grundfutter, ich würde es zu 75% als Kraftfutter und zu 25% als Grundfutter einschätzen.
- Fütterungsberater bekommen mit diesem Futter nichts Vernünftiges hingerechnet und eine Untersuchung bei de Lufa ist Mangels eines verfügbaren Musters nicht möglich oder zu teuer. Die TMR-Probe hat überraschenderweise einen hohen Stärkegehalt und einen unerwartet niedrigen Zuckergehalt erbracht. Das Füttern erfolgt also mehr nach Versuch und Irrtum, Kotbeschaffenheit, Milchinhaltsstoffe und Gefühl.

Auswirkungen auf die Leistung:
- Milchleistung gleich, 0,5% Fett und 0,1% Eiweiß mehr zum langjährigen Mittel.
- Fruchtbarkeit erst deutlich schlechter (ß-Carotin-Mangel) mit dem Luzerneheu und einem angepassten mineralfutter hoffentlich bald wieder besser.
- Stoffwechselstörungen subjektiv weniger, sonstige Gesundheit OK

Fazit bisher: ich mache damit weiter, mit der Gestaltung ist man aber weitgehend auf sich allein gestellt.
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Henriette

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Re: Zuckerrüben für Milchvieh
« Antwort #1 am: 29. April 2018, 08:03:59 »

Wir hatten jahrelang Runkelrübe angebaut.
Vorteil gegenüber Zuckerrüben: höherer Gehalt an Mineralien, Enzymen & co. Von Anfang an einen richtig guten Schub in Sachen: Gesundheit, Fruchtbarkeit, Futteraufnahme, Leistung und Inhaltstoffe.
Anbau wie Zuckerrüben.
Ernte: eigener kleiner Roder, selbstgebauter Trockenreiniger (Sand & Steine), Mietenlagerung
Würden wir immer wieder machen.
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Mischer

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Re: Zuckerrüben für Milchvieh
« Antwort #2 am: 29. Januar 2020, 21:01:53 »

Hallo,
Ich weiß zwar nicht ob die Nutzer die dieses Thema hier gestartet haben noch aktiv sind, aber das Thema interessiert mich.
Ich plane in diesem Herbst Futterrüben zusammen mit kurzem Stroh und eventuell gemahlenem Roggen in einer Maisballen Presse zu silieren, in den Niederlanden wird das wohl schon so gemacht. Was mich speziell interessieren würde ist, neben Futterproben wie ich das ganze in die Ration bringen kann. Für Zuckerrüben wurde das ganze ja schon gut beschrieben. Die wurden hier zwar auch schon angebaut und ich habe in den tiefen des Büros unterlagen zum Anbau von meinem Urgroßvater gefunden, aber die Mengen Leuna und Thomaskali die damals ausgebracht wurden, sind leider nicht mit der DüVo zu vereinbaren. Meine besten Böden haben 35 BP deswegen möchte ich mich auf die Futterrübe beschränken.
Erfahrungen von Henriette was die Rationsgestaltung angeht fände ich da schon gut. Wie sieht es aus mit dem Vorschub, wie gesagt eigentlich sind Ballen geplant aber wenn es auch im Silo geht und die Nacherwärmung gering ist, warum nicht.

Hier ein Video von den Holländern
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