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Autor Thema: Humusaufbau /-abbau  (Gelesen 9911 mal)

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nofear

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Re: Humusaufbau /-abbau
« Antwort #60 am: 04. Dezember 2019, 17:45:56 »

Danke!
Guter Beitrag  :daumen1:
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„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ (M. Gandhi)

„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.” (R. Niebuhr)

Tellubauer

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Re: Humusaufbau /-abbau
« Antwort #61 am: 04. Dezember 2019, 18:04:16 »

Immer wieder ein interessantes Thema.
Ich vermute eher, dass es eine Summe aus mehreren Wegen ist.
1)Die Umsetzung aus zugeführter Organik (Ernterückstände etc.) braucht eine anaerobe Phase um in Dauerhumus gehen zu können. Andauerndes aerobes Umfeld muss zwangsläufig zum völligen Abbau führen. Das fehlt bei den meisten Bodenbarbeitungssystemen, aber Umsetzung ist ja auch gut, denn sie bringt leicht verfügbare Nährstoffe. -das Ganze ist ein sehr interessantes Thema, dass ich in den nächten Jahren am Betrieb näher untersuchen will.
2) Pilze -zumindest gewisse - sind von der Evolution geschaffen worden, um schwer zersetzbare lingninhältige Kohlenstoffe wieder dem Kreislauf zuzuführen. Es gibt Forscher, die sind der Meinung, dass Pilze entstanden sind als die Atmosphäre zunehmend CO2 arm wurde, weil das C massiv in Form von Erdöl und Kohle gespeichert wurde. Aber natürlich sind die positiven Effekte der Mykorriza unumstritten; auch sie tragen ein Schäuflein bei - zB. mit dem Klebstoff Glomalin. 
3) Wurzelexudate: Der Ansatz ist für mich noch am wenigsten greifbar, aber in Teilen durchaus verständlich. Neuere Untersuchungen zeigen, dass da durchaus nennenswerte Mengen ausgeschieden werden. Kann mir zwar sehr gut vorstellen, dass Pflanzen die Biologie im Boden fördern, damit sie auch davon profitieren können, aber irgendwie erscheint es mir seltsam, dass Pflanzen wertvolle Energie verwenden, um langfristig Dauerhumus aufzubauen.
Aber irgendwas wird hängen bleiben. Am ehesten werden länger überdauernde Pflanzen bereit sein in Dauerhumus zu "investieren".
 
« Letzte Änderung: 04. Dezember 2019, 21:35:29 von Tellubauer »
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BNT

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Re: Humusaufbau /-abbau
« Antwort #62 am: 04. Dezember 2019, 19:08:28 »


Hier mal der Link zur niederländischen Arbeit. http://link-springer-com-443.webvpn.fjmu.edu.cn/content/pdf/10.1007%2FBF01676369.pdf

Ist schon fast 70 Jahre alt und ist teils auch eher hypothetischer Natur, aber gut geschrieben.


Übrigens, der dort erwähnte Curt Enders konnte schon damals Huminsäure synthetisch herstellen. Das war wohl wichtig in der Bierbrauerei. ;)

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Mick

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Re: Humusaufbau /-abbau
« Antwort #63 am: 04. Dezember 2019, 21:42:36 »

@BNT: Danke, aber der Link funzt irgendwie nicht. Wie ist denn der Titel der Arbeit?
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johndeere820

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Re: Humusaufbau /-abbau
« Antwort #64 am: 04. Dezember 2019, 22:40:55 »

Immer wieder ein interessantes Thema.
Ich vermute eher, dass es eine Summe aus mehreren Wegen ist.
1)Die Umsetzung aus zugeführter Organik (Ernterückstände etc.) braucht eine anaerobe Phase um in Dauerhumus gehen zu können. Andauerndes aerobes Umfeld muss zwangsläufig zum völligen Abbau führen. Das fehlt bei den meisten Bodenbarbeitungssystemen, aber Umsetzung ist ja auch gut, denn sie bringt leicht verfügbare Nährstoffe. -das Ganze ist ein sehr interessantes Thema, dass ich in den nächten Jahren am Betrieb näher untersuchen will.
2) Pilze -zumindest gewisse - sind von der Evolution geschaffen worden, um schwer zersetzbare lingninhältige Kohlenstoffe wieder dem Kreislauf zuzuführen. Es gibt Forscher, die sind der Meinung, dass Pilze entstanden sind als die Atmosphäre zunehmend CO2 arm wurde, weil das C massiv in Form von Erdöl und Kohle gespeichert wurde. Aber natürlich sind die positiven Effekte der Mykorriza unumstritten; auch sie tragen ein Schäuflein bei - zB. mit dem Klebstoff Glomalin. 
3) Wurzelexudate: Der Ansatz ist für mich noch am wenigsten greifbar, aber in Teilen durchaus verständlich. Neuere Untersuchungen zeigen, dass da durchaus nennenswerte Mengen ausgeschieden werden. Kann mir zwar sehr gut vorstellen, dass Pflanzen die Biologie im Boden fördern, damit sie auch davon profitieren können, aber irgendwie erscheint es mir seltsam, dass Pflanzen wertvolle Energie verwenden, um langfristig Dauerhumus aufzubauen.
Aber irgendwas wird hängen bleiben. Am ehesten werden länger überdauernde Pflanzen bereit sein in Dauerhumus zu "investieren".

Dem Ansatz Humusaufbau als Summe verschiedener Wege zu verstehen, stimme ich grundsätzlich zu. Aber schlussendlich lässt sich alles auf die Bodenbiologie zurückführen. Die beschriebenen Effekte in der Direktsaat beruhen ja auf mehreren Parametern im System, da bei der konsequent umgesetzten Direktsaat mehrere Zahnräder mit Einfluss auf bodenmikrobiologische Prozesse ineinander greifen:

-no-till -> keine Bodenbewegung, Ernterückstände auf der Bodenoberfläche, keine mechanische Störung des Bodenlebens
-permanente Bodenbedeckung -> Regulation der Bodentemperatur
-permanente Durchwurzelung durch ZWF, Beisaaten, Untersaaten -> das Bodenleben erhält zu jedem Zeitpunkt Nahrung in Form von Wurzelexsudaten
-Diversität durch komplexe ZWF-Mischungen und weite Fruchtfolgen -> große Bandbreite an Pflanzen auf dem Acker, wodurch die Bodenbiologie mit unterschiedlichen Wurzelexsudaten "gefüttert" wird (bekanntermaßen mykorrhizieren nicht alle Arten)
-Systemansatz mit angepasster Düngung (langfristig weniger N & evtl. CULTAN-Düngung, KAK), langfristig geringerem Pflanzenschutzaufwand (Fungizide und Insektizide ärgern auch Nützlinge, durch geringeren Einsatz profitieren u.a. Mykorrhiza oder epigäische Laufkäfer) und evtl. der Integration von Tierhaltung (mob-grazing, holistic management usw.)

Humusaufbau geht zwangsläufig über die Bodenbiologie und funktioniert auch nur dann, wenn das Milieu stimmt. Organische Düngung ernährt zwar das Bodenleben, trägt aber tendenziell zum Nährhumus bei. Bei pflanzlichen Rückständen wird es schwieriger, weil C:N-Verhältnis, Lignin-Gehalt und Lipid-Gehalt beeinflussen, welcher Pflanzenteil von welcher Organismengruppe wie metabolisiert wird.

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BNT

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Re: Humusaufbau /-abbau
« Antwort #65 am: 05. Dezember 2019, 07:19:08 »

@BNT: Danke, aber der Link funzt irgendwie nicht. Wie ist denn der Titel der Arbeit?

Komisch. Bei mir funktioniert er auf zwei Geräten.

Wie auch immer: http://link-springer-com-443.webvpn.fjmu.edu.cn/article/10.1007%2FBF01676369

Titel: "Die Bedeutung der Bodenoberfläche für die Humusbildung" von G.W. Harmsen
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Gameorg

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Re: Humusaufbau /-abbau
« Antwort #66 am: 05. Dezember 2019, 11:44:22 »

Ist das ganze nicht vergebene Mühe? Wo soll der Humus herkommen, wenn jedes Jahr mehrere Tonnen vom Feld gefahren werden, sprich die Nährstoffbilanz (nicht nur NPK) immer negativ ist. Bewegt man sich da selbst mit Maßnahmen wie Direktsaat und Immergrün nicht nur im Promille-Bereich? Damit betreibt man doch hauptsächlich Maßnahmen gegen weiteren Humusabbau durch Erosion. Was ich mir vorstellen kann, ist eine kurzfristige Erhöhung des Humusanteils, aber langfristig und signifikant?

Dauerhumus aufbauen? Da müsste man mit kompostiertem Material arbeiten. Das haben die Südamerikaner doch schon bewießen ob und wie das geht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Terra_preta

Bin kein Experte auf dem Gebiet. Aber den Mehrertrag durch Direktsaat und Begrünunsmaßnahmen muss man erstmal beweisen. Abgesehen von den ökologisch positiven Aspekten. Hier im Forum gibt es glaube ich jemanden der eine Direktsaat Versuchsfläche betreibt, wäre interessant ob es da irgendeine positive Erlösentwicklung gibt.
« Letzte Änderung: 05. Dezember 2019, 11:47:28 von Gameorg »
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