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Autor Thema: Landwirtschaft in Kanada  (Gelesen 272055 mal)

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dirkk

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #735 am: 05. Mai 2019, 19:36:41 »

Bekommt ihr am Peace - River eigentlich über Presse / Medien so mit , daß die Farmer im Bereich der I-Staaten in den USA zu dieser eigentlichen Mais - und Sojasaatzeit eigentlich gar nichts machen können , weil es da zur Zeit fast unendlich viel regnet bzw. geregnet hat und der Wetterbericht auch nicht grad nach Saatwetter aussieht  ?

Ist eigentlich ein Saisonstart zu dieser Zeit bei euch auch eher früh im Verhältnis zu " Normaljahren " ?

gruss
dirkk
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Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #736 am: 05. Mai 2019, 20:33:32 »

top Video:)

Warum Striegelt ihr im Frühjahr? Dachte das wir dort nur nach der Ernte im Herbst einmal gemacht?

Im Herbst geht eigentlich (fast) jeder Tag mit schönen Wetter für die Ernte bzw. fürs Dreschen drauf...und Tage an denen wir nicht Dreschen können taugen in der Regel auch nicht fürs Striegeln von den Bedingungen her. Theoretisch bräuchte man also einen zusätzlichen Mann um das Striegeln im Herbst zu realisieren, während die Drescher laufen.

Sieht man in unserer Gegend generell so gut wie nicht. Je weiter man nach Süden kommt desto häufiger sieht man den Einsatz von Heavy-Harrows im Herbst. Die Jungs im Süden sind einfach eher mit der Ernte fertig und denen bleibt mehr Zeit für sowas. Hier in der Gegend ist es üblich im Frühjahr vorzuarbeiten. Allerdings setzt man dabei dann nicht auf Schwerstriegel sondern auf Harrows, also eine "Eggen-ähnliche-Maschine".

Ganz ohne Vorarbeiten geht i.d.R. nicht - damit kommen die meisten Sämaschinen nicht klar - im besseren (aber auch schon beschissenen) Fall leidet die Saatgutablage, im schlechtesten Fall verstopft die Drille alle 50 Meter mit Stroh.

Zitat
Bekommt ihr am Peace - River eigentlich über Presse / Medien so mit , daß die Farmer im Bereich der I-Staaten in den USA zu dieser eigentlichen Mais - und Sojasaatzeit eigentlich gar nichts machen können , weil es da zur Zeit fast unendlich viel regnet bzw. geregnet hat und der Wetterbericht auch nicht grad nach Saatwetter aussieht  ?

Ich verfolge einige Farmer in den besagten Gegenden in den sozialen Medien, Youtube, Twitter etc. Von dem her ja, mir ist deren Situation bewusst. Generell ist es aber glaub ich nicht so 100% im Fokus der örtlichen Farmer.


Zitat
Ist eigentlich ein Saisonstart zu dieser Zeit bei euch auch eher früh im Verhältnis zu " Normaljahren " ?

Etwas eher im Vergleich zum durchschnittlichen Saisonstart der letzten Jahre. Aber nicht außergewöhnlich früh.
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Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #737 am: 15. Mai 2019, 20:14:22 »

Servus,

Mal wieder  ne kurze Regenpause in der Aussaat. Ist aber nicht mehr so schlimm, haben gute Fortschritte gemacht. Erbsen und Weizen sind im Boden. und etwa 1/3 des Rapses. Also nur noch ein paar hundert Hektar Raps, sowie 120 Hektar Trespe säen, dann sind wir fertig.

Derzeit sind wir mit der Rapssaat auf den letztjährigen Erbsenflächen beschäftigt. Die Erbsen brachten letztes Jahr Rekorderträge, und entsprechend große Strohmengen bei gleichhzeitig schlechten Erntebedingungen. Dieses Stroh bereitet uns jetzt Probleme. Deshalb setzen wir auf diesen nun eine Vertical-Tillage-Maschine ein, mit der wir das Stroh kleinschneiden. Im Bild sieht man ganz gut das Arbeitsbild. Da die Scheiben kaum gewölbt sind, und wir sie mit 0° Anstellwinkel fahren, wird fast kein Boden bewegt, was natürlich dem NoTill-Gedanken (auch wenn es streng genommen dennoch Tillage ist) entgegen kommt. Gleichzeitig hat man aber die Möglichkeit, die Scheiben hydraulisch zu schwenken, wenn man aktive Bodenbearbeitung durchführen möchte.

Weiterhin stand auch die Vorauflaufbehandlung unserer Erbsenflächen mit RoundUp auf dem Programm.
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Mathias

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #738 am: 15. Mai 2019, 20:35:48 »

Für was findet die Trespe verwendung?
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"Der Apfel fällt nicht weit vom Pferd."

Euro-T

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #739 am: 15. Mai 2019, 20:36:45 »

Also nur noch ein paar hundert Hektar Raps, sowie 120 Hektar Trespe säen, dann sind wir fertig.

Bitte????

Was um alles in der Welt macht man mit Trespe?
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Gruß

~~ Olli

Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #740 am: 15. Mai 2019, 20:48:02 »

Ist letztlich Grassamenvermehrungsfläche, überwiegend. Auf einen weiteren Hektar erzeugen wir Basissaatgut. Wir bauen eine neue Hybridsorte an, die Grassamenvermehrung, bzw. Trespenvermehrung ist momentan der Betriebszweig, der den höchsten Gewinn abwirft, auch wenn man berücksichtigen muss, das die ersten zwei Jahre keine Einnahmen von den Anbauflächen kommt.

Der Samen geht dann letztlich an viehhaltende Betriebe, hauptsächlich Rinderhalter würde ich behaupten. Das ist aber nicht unser Bier, wir arbeiten mit einem größeren Landhändler zusammen, der erledigt den Rest. Die positive Überraschung war, dass die letztjährige Ernte auf 1,35 Euro/Pfund Samen kontraktiert war, sie aber 75% mehr als ausgemacht bezahlt haben. Hab ich so noch nie erlebt, war aber sehr erfreulich.
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sten

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #741 am: 15. Mai 2019, 21:11:31 »

Das ist ja ein spannendes Bodenbearbeitungsgerät, was macht ihr mit dem Saattank auf dem Gerät? Zwischenfrüchte werden es ja wohl nicht sein?
Carsten
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Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #742 am: 15. Mai 2019, 21:15:20 »

Das ist ja ein spannendes Bodenbearbeitungsgerät, was macht ihr mit dem Saattank auf dem Gerät? Zwischenfrüchte werden es ja wohl nicht sein?
Carsten

Die Maschine ist von einem Nachbarbetrieb gemietet - obwohl die Eigenmechanisierung diesbezüglich geplant ist. Soweit mir bekannt ist, bringt er mit dem Valmar-Streuer granuliertes Herbizid aus.
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Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #743 am: 20. Mai 2019, 18:00:35 »

Hallo!

So, seit vorgestern Abend sind wir mit der Aussaat durch, bis auf die Grassaat. Aber bei letzteren besteht kein Zeitdruck. Ganz im Gegenteil, wir wollen den Flächen noch eine Woche Vegetation gönnen, um zum Zeitpunkt des Abspritzens möglichst viel aufgelaufene Unkräuter bzw. Ungräser zu haben. Geplant ist auch eine höhere Wassermenge zu fahren (100 l pro Hektar, alle anderen Anwendungen mit RoundUp fahren wir mit den üblichen 50 l pro Hektar) für die bestmögliche Wirkung, denn jetzt haben wir die Zeit dafür. 

Gestern hab ich mal wieder ein kleines Video zusammen gebaut, dass sich hauptsächlich auf das Vertical-Tillage-Tool von Kuhn Krause beschränkt. Tolle und sehr vielseitige Technik:

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Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #744 am: 26. Mai 2019, 22:44:00 »

Servus,

Mittlerweile sind wir komplett mit der Aussaat fertig. Auch das Gras ist im Boden. Zwischendurch haben wir mal je nach Standort 5 mm Regen bekommen, auf manchen Feldern aber auch gar nix. Ein paar hundert Kilometer östlich von uns brennen gut 90.000 Hektar Wald, die Jungs sind definitiv dringend auf Regen angewiesen, anders wird man dieses Feuer nicht in den Griff bekommen.

Hier noch zwei Bilder. Der Grassamen wurde mit "JumpStart" gebeizt....der Spaß Gras zu beizen hält sich stark in Grenzen... ;D. Anschließend haben wir das gebeizte Saatgut zu einem Landhändler gebracht, der uns den Samen mit Phosphordünger vermengt hat. Letzteres hat hauptsächlich praktische Gründe im Hinblick auf die Aussaat mit dem Airseeder, damit sich die "Brückenbildung" des Grassamens im Tank etwas reduziert.

Ebenfalls hab ich auch noch ein abschließendes Aussaatvideo erstellt, das fast alle Facetten der  Frühjahrsarbeit darstellt.



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kronawirt78

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #745 am: 26. Mai 2019, 23:04:11 »

Faszinierend, wie immer.
Das Stroh ab 1:30 sieht ja aus als wäre gestern gedroschen worden, gar nicht angewittert. Ist das normales Getreidestroh?
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Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #746 am: 27. Mai 2019, 03:29:40 »

Servus,

Ja, ist ganz normales Weizenstroh. Der Unterschied dürfte halt sein, dass die Winter hier nicht die typischen "Gammel-Bedingungen" bieten, sprich diese wechselhafte Wetter wie wir es von unseren Wintern kennen. Letztlich war das Stroh den ganzen Winter über tiefgefroren...  :)
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Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #747 am: 24. Juni 2019, 04:43:43 »

Tach auch!

Momentan warten wir hier auf Regen, den vorallem Weizen und Erbsen nötig haben, aber auch für den Raps wäre es förderlich - obwohl der momentan am besten aussieht von allen unseren Druschfrüchten. Für nächste Woche schaut der Wetterbericht ganz OK aus, schau mer mal.

Ansonsten ist hier nicht viel los momentan. Die letztjährige Ernte schlummert weiterhin in den Silos, und das wird sich auch so schnell nicht ändern fürchte ich. Die Erntevorbereitung fangen langsam an, morgen werden wir wohl mal die Drescher, Schwadmäher usw. aus der Halle ziehen und schauen das alles soweit OK und einsatzbereit ist.

Ansonsten bin ich die Tage mal wieder über diverses Filmmaterial von unserer katastrophalen Ernte in 2016 gestolpert. Ab Ende August/Anfang September hat es damals quasi nur noch geregnet und die Ernte hat sich zu einer wahren Schlamm- und Materialschlacht entwickelt. Nochmal würden wir (und viele andere Farmer) nicht so vorgehen, sondern einfach die Ernte am Feld verrotten lassen. Aber damals war die Situation neu für uns, an Dürren ist man gewöhnt, aber nicht an die Sintflut. Deshalb wurde damals versucht die Ernte irgendwie vom Feld zu holen. War absolut zermürbend für Mensch, Maschine und Boden....aber definitiv recht beeindruckend anzusehen im nachhinein:

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Euro-T

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #748 am: 24. Juni 2019, 06:52:48 »

Ansonsten ist hier nicht viel los momentan. Die letztjährige Ernte schlummert weiterhin in den Silos, und das wird sich auch so schnell nicht ändern fürchte ich.

Nochmal würden wir (und viele andere Farmer) nicht so vorgehen, sondern einfach die Ernte am Feld verrotten lassen.

Ja...wie? Ist denn die letztjährige Ernte schon zumindest vermarktet und per Abschlagszahlungen teilverrechnet? Und gibt es in Kanada Versicherungsmöglichkeiten gegen Ernteausfälle aufgrund Überschwemmungen?

Denn jede Aussage für sich klingt nach hervorragender Liquidität, bzw. dementsprechend hervorragender Betriebsführung - beide Aussagen zusammen addiert befinden sich ausserhalb meiner Vorstellungskraft  :rolleyes:
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Gruß

~~ Olli

Jonas

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #749 am: 24. Juni 2019, 09:17:01 »

Na dann hoffen wir mal auf ein bisschen Regen jetzt und nicht alles auf einmal zur Ernte...

Die letztjährige Ernte schlummert weiterhin in den Silos, und das wird sich auch so schnell nicht ändern fürchte ich.
Würde mich mal interessieren wann das Getreide von letztem Jahre dann raus soll? Für die diesjährige Ernte muss ja auch Platz sein!?


Ach ja: Wie immer - super Video!
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