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Autor Thema: Landwirtschaft in Kanada  (Gelesen 207137 mal)

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derKarsten

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #705 am: 06. November 2018, 21:47:07 »

Hallo Oberfranke, ihr schadet bei euch nicht, oder? Ich kenne das so das in Gegenden wo viel Geschwadet wird zugesehen wird das man vor Schnee viel ins Schwad bekommt, wenn es dann abtrocknet halten sich die Verluste in Grenzen. Wenn es dann spät ihm Jahr mit viel Wind trocken friert hat man unter minus 15 Grad auch keine Probleme mehr mit vereisen der Siebe etc.  Problematisch wird es ehr in der Mittagssonne..
Vor 11 Jahren gab es neben Betrieben die einen geschickten Mix von günstiger Alttechnik und zu der Zeit aktuellem Equipment gefahren sind auch welche die ausschließlich mit sehr alten Klamotten gewirtschaftet haben. Fallen diese Betriebe immer noch ins Auge oder ist das z.B. altersbedingt ehr reduziert?  In 2007 zog es selbst aus Manitoba viele junge Leute in die Ölsandgegenden, damals war das Öl von 40 auf 80 Dollar hochgeschossen. Wie ist das heute nach einigen schwachen Jahren und dem Brand dort oben, bekommen die Betriebe einfacher Hilfen für Aussaat und Ernte?
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Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #706 am: 07. November 2018, 19:16:42 »

Wie teuer ist so eine Versicherung denn so circa in % des Umsatzes zb?

Wenn ich mich mal auf nen durchschnittlichen Rapsertrag bei halbwegs durchschnittlichen Preisen beziehe macht die Versicherungsaufwendung pro Acre gut 4% des Umsatzes aus. In diesem konkreten Fall ist die Versicherung für  ein Erreichen von 80% des langjährigen Durchschnittertrages ausgelegt - sprich erreichen wir diese ca. 33 bu/ac nicht greift die Versicherung. Gleichzeitig ist die Auszahlungssumme dann ca. hoch genug um den break-even-point zu erreichen.

Zitat
Hallo Oberfranke, ihr schadet bei euch nicht, oder? Ich kenne das so das in Gegenden wo viel Geschwadet wird zugesehen wird das man vor Schnee viel ins Schwad bekommt, wenn es dann abtrocknet halten sich die Verluste in Grenzen. Wenn es dann spät ihm Jahr mit viel Wind trocken friert hat man unter minus 15 Grad auch keine Probleme mehr mit vereisen der Siebe etc.  Problematisch wird es ehr in der Mittagssonne..

Wir schwaden kaum noch. Ist ein Auslaufmodell, auch in Kanada. Viele Betriebe haben ihren Schwader schon verkauft. Es vereint wenige Vorteile mit etlichen Nachteilen.
Vor dem Schnee haben die meisten Betriebe ihre Drescher aus dem Straight-Cut-Raps abgezogen, und versucht die Schwade weg zu bekommen. Klar, die Schwade bieten einen gewissen Schutz, allerdings brauchen sie viel viel länger zum durchtrocknen. Ein normaler Rapsbestand, auch wenn er durch den Schnee teilweise richtung Boden gedrückt ist trocknet mit etwas Windunterstützung in kürzester Zeit wieder durch.
Wenn es um Schneerisiko geht, sind die meisten Farmern also mit ihren Straight-Cut-Beständen nicht unglücklicher als die Schwadkollegen. Und auch beim Frost haben die Schwade keinen Vorteil erbracht.

Dieses Jahr war wahrscheinlich eines der worst-case Szenarien, dass man sich hier für den Direktdrusch von Raps vorstellen kann...und dennoch waren wir persönlich mit dem Straightcut glücklicher wie mit den Schwaden.

Zitat
Vor 11 Jahren gab es neben Betrieben die einen geschickten Mix von günstiger Alttechnik und zu der Zeit aktuellem Equipment gefahren sind auch welche die ausschließlich mit sehr alten Klamotten gewirtschaftet haben.

Hier in der Gegend ist so ziemlich alles gegeben. Von großen Farmen die jährlich ihren kompletten Fuhrpark austauschen (sämtliche Drescher, Schlepper, Drillen etc.), über Farmen wie wir, die keine Neumaschinen kaufen, aber trotzdem nur aktuelles Equipment fahren (junge Gebrauchte) und dann eben wie gesagt Farmen, bei denen keine Maschine neuer wie 15, 20 Jahre ist.


Zitat
In 2007 zog es selbst aus Manitoba viele junge Leute in die Ölsandgegenden, damals war das Öl von 40 auf 80 Dollar hochgeschossen. Wie ist das heute nach einigen schwachen Jahren und dem Brand dort oben, bekommen die Betriebe einfacher Hilfen für Aussaat und Ernte?

Ölsand ist das eine, aber Oilfield-Business im Allgemeinen ist definitiv der Motor der Wirtschaft, vorallem hier in Alberta. Selbst für verhältnismäßig unqualifiziertes Personal ist es realistisch 100.000 CAD $ oder mehr im Jahr zu machen solange man hart im Nehmen ist (Arbeiten im Busch bei minus 40 grad). Wenn man dann noch bissl was im Kopf hat, oder handwerklich sehr geschickt (z.B. Schweißer) dann winkt wirklich gutes Geld. Viele machen sich dann auch mit kleinen Firmen selbstständig. Dadurch geht vielen Farmen auch der Nachfolger verloren..., z.B. der Sohn einer unserer Verpächter hat eine eigene kleine Firma..., der wirtschaftet damit im Jahr spielend 200-300.000 CAD $ in seine eigene Tasche. Da wird die Farm seines Vaters uninteressant.
Und wie du schon andeutest, GUTE lokale Angestellte zu finden ist fast unmöglich..., wer was drauf hat Arbeitet wirklich i.d.R. im Oilfield-Gewerbe.
« Letzte Änderung: 07. November 2018, 19:18:53 von Der_Oberfranke »
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Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #707 am: 21. Dezember 2018, 15:40:41 »

Servus,

Die letzten Tage mal genutzt und unsere diesjährige Erntesaison in einem kleinen Video zusammengefasst:

https://youtu.be/GZtV02DLkSw

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EWD

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #708 am: 21. Dezember 2018, 22:07:17 »

Danke, das verlangt nach mehr und weckt Sehnsucht. ;)

Gruß  Ernst
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nofear

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #709 am: 22. Dezember 2018, 12:13:25 »

Danke.
Was sind den das für Pendelstrohverteiler an den John Deere Dreschern?
Gibt's die hier in Europa auch?
Ist mir noch nie aufgefallen...
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Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #710 am: 22. Dezember 2018, 12:51:01 »

Servus,

Die John Deere S Drescher gibt es mit dem "Powercast Tailboard", das sind die Verteiler mit der Plastikhaube. Dieser Verteiler hat nur die Drehverteiler. Das "Advanced Powercast Tailboard" ist die zweite Option von Verteiler, mit denen die Drescher zu haben sind. Zusätzlich verfügt dieser Verteiler eben noch über dieses Pendel und über diverse andere Unterschiede in der Konzeption (einfach mal googlen). Abgesehen von den Einstellmöglichkeiten, Verteilqualität etc. haben die verbauten Verteiler erheblichen Einfluss auf den Wiederverkaufswert der Drescher. Drescher mit dem Advcanced Powercast Tailboard sind deutlich wertstabiler. Gehe aber mal davon aus, dass man beide Optionen auch in Europa bekommt... :)
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charlie

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #711 am: 22. Dezember 2018, 13:54:18 »

Danke für die tollen Bilder :daumen:

Echtes „Trecker-Porno“  ;D
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Gruß

Charlie

Nicht immer sind die, die das Gras wachsen hören, auch bereit, es zu mähen.

Kai-Uwe

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #712 am: 22. Dezember 2018, 14:50:29 »

Sehr gut gemachtes Video! Gerne mehr davon

Vielleicht klappt es mal in Zukunft mit einer AW Tour zu Dir  ;)
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Mathias

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #713 am: 22. Dezember 2018, 15:51:47 »

Die ersten Sekunden zum Einstieg, ist das Raps? So klein? :frage:
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Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #714 am: 22. Dezember 2018, 17:30:51 »

Die ersten Sekunden zum Einstieg, ist das Raps? So klein? :frage:

Jawoll..., das ist Raps!... ;D

Gut, die Stelle im speziellen war im Frühling unsere Befüllstelle für den Airseeder mit entsprechender Bodenverdichtung und etwas Wachstumsdepression...., aber dennoch, soviel größer wird der trotzdem nicht, v.a. nicht die InVigor (Bayer) Sorten.

Eher im Gegenteil, dieses Jahr konnten wir vergleichsweise relativ hohe Stoppeln stehen lassen, letztes Jahr mussten wir die Schneidwerke komplett auf den Boden legen und bodennah schneiden, weil die Schotenansätze sehr sehr tief saßen, da es ziemlich an Wasser gefehlt hat.

An alle anderen, vielen Dank für das Lob, freut mich... :)
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Kai-Uwe

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #715 am: 22. Dezember 2018, 17:32:28 »

Sind die Erträge im Schwaddrusch höher? also habt Ihr da weiniger Verluste?
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Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #716 am: 22. Dezember 2018, 17:43:04 »

Sind die Erträge im Schwaddrusch höher? also habt Ihr da weiniger Verluste?

Gibt diverse Faktoren. Aber grundsätzlich würde ich sagen eher umgekehrt.

Grundsätzlich muss man sagen, dass wir inzwischen zu 90% auf Direktdrusch setzen...nächstes Jahr u.U. zu 100%.

Die ganzen Straightcut-Raps Sorten kommen aus dem Süden von Kanada. Deren Klima kann man mit unseren schlecht vergleichen. Aber die Zucht von frühreifen direktdrusch Sorten, die auch für uns gut taugen, macht zunehmend Fortschritte und die Sorten werden immer besser.

Auf dem Papier haben nachwievor die Schwadsorten die Nase vorne. Allerdings schwadet man immer einen Teil des Ertrages aus den Beständen, ob man will oder nicht. Kollegen die viel zu Schwaden haben müssen meist früh anfangen, schwaden viel zu grün, die Schwaden dann nicht nur etwas, sondern einiges an Ertrag aus dem Raps. Die Direktdrusch-Sorten hingegen können ihre Genetik besser ausspielen, da sie bis zum Schluss am Halm stehen. Und so übertrumpfen die vermeindlich schlechteren Direktdrusch-Sorten meist die bezüglich Ertrag besser eingestuften Schwadrapse. Davon abgesehen hab ich beim Schwadraps natürlich zweimal Schneidwerksverluste verschiedener Art - einmal beim Schwaden, und einmal beim Aufnehmen mit der PickUp. Arbeitswirtschaftlich ist das Schwaden auch unangenehm, da meist parallel der Weizendrusch läuft. Und zudem hat man ne sehr teure Maschine am Hof stehen, die selbst auf großen Betrieben kaum Stunden macht, die man aber dennoch nicht kleiner, oder günstiger kaufen kann, weil man die enorme Schlagkraft braucht.

Unterm Strich spricht eigentlich (fast) alles für den Direktdrusch. Gibt auch sehr viele Betriebe die ihren Schwader mittlerweile verkauft haben.
« Letzte Änderung: 22. Dezember 2018, 17:49:48 von Der_Oberfranke »
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ct

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #717 am: 22. Dezember 2018, 18:33:17 »

Wie ist das beim Unterschied Direktdrusch / Schwad mit Ausschlagen der Körner durch Wind? Sind da die heutigen SOrten besser?
Kenne das vom Erzählen von einem Bekannten, der öfter von früher (1990-1995) von seinem Bruder in Canada berichtet, der meinte, dass deswegen der Schwaddrusch sicherer wäre, weil durch den Wind zuviel von dem stehenden Raps ausgeschlagen wird. In den Schwaden liegt der kompakter / sicherer.
Könnte aber auch an dem damaligen Standort (iwo Dreieck Saskatchewan/Manitoba/USA) gelegen haben, keine Ahnung.
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Gruß ct

Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #718 am: 22. Dezember 2018, 19:20:16 »

Servus,

Die "Windwertung" gewinnt eigentlich auch der Direktdrusch.... ;D

Bei uns ist es ziemlich windig, von dem her kann ich das denke ich schon ziemlich objektiv beurteilen.
Die heutigen Direktdrusch-Sorten sind alle "pot shatter resistant". Sprich sorten mit sehr festen, sehr zähen Schoten. Die Straight-Cut Sorten muss man im Vergleich zum Schwadraps sehr viel aggressiver dreschen. Auch kann man beruhigt mal die Haspel einsetzen falls nötig, ohne das Verluste zu berfürchten sind. Wind stellt also eigentlich keine Verlustgefahr mehr dar.

Beim Schwadraps hat man ein Verlustrisiko durch Wind, wenn auch anderer Art. Bei stark windigen bzw. stürmischen Verhältnisse dreht der Wind gerne mal die Schwade oder trägt sie auch etwas davon, was unweigerlich zu Verlusten führt. Zwar schwadet man mit möglichst hohen Stoppeln und drückt die Schwade dann mit einer Art Walze in die Stoppel..., aber das hilft auch nur bedingt.

Auch die Bären nehmen die Schwaden ganz gerne mal außeinander..., dafür hat man in den stehenden Beständen etwas erhöhten Verlust durch Elch- oder Hirschspuren... ;D

« Letzte Änderung: 22. Dezember 2018, 19:26:28 von Der_Oberfranke »
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