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Autor Thema: Landwirtschaft in den siebziger Jahren......  (Gelesen 19474 mal)

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Henrik

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Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« am: 08. November 2014, 18:54:20 »

..... des letzten Jahrhunderts  :)

Es wird ja in verschiedenen Threads immer über früher philosophiert  ;) Wie war es denn früher wirklich? Sind ja einige dabei die damals schon gewirtschaftet haben, wäre ja vielleicht mal ganz interessant sich an die Dinge von früher zu erinnern und vielleicht auch Rückschlüsse für die Zukunft zu ziehen. Habe mit absicht die siebziger Jahre gewählt, kann mich da auch an einige Dinge noch dran erinnern  :)

Was ist mir noch in Erinnerung:

Mitte der 70iger haben wir unseren ersten Allradschlepper bekommen (IHC 1046 (mal zu Stanky rüberwink  ;D )) Ende der Siebziger Jahre kam der erste MBTrac auf den Hof. War auch irgendwie eine Revolution damals, geschlossen Kabine, ordentlicher Beifahrersitz und vieles mehr.

Wir hatten einen eigenen Mähdrescher, Claas Mercator S (habe dne Typ irgendwie nicht mehr wiedergefunden  :frage: ) Raps wurde bei uns immer schon auch in den siebzieger Jahren mit einem Rapssschneidwerk bzw. Anbau gedroschen. Leider damals nur auf einer Seite. Raps wurde damals noch viel in Schwad gelegt, wahrscheinlich auch wegen der Diesteln die gefühlt damals sehr verbreitet waren.

Anfang der siebziger Jahre wurde die Flächen tiefer gepflügt als vorher. Vorher war im Betrieb nur Schälpflug vorhanden, dann wurde die Krume auf 25 cm umgedreht, wurden in den ersten Jahren ordentlich Steine rausgeholt  ;D
Kreiselegge kam bei uns erst ende der siebzieger Jahre auf den Betrieb. Ging vorher auch alles ohne! Wurde halt alles gepflügt, dann meist mit der Spatenrollegge drüber, vor der Saat wurde geeggt oder mit einer saatbettkombination gearbeitet. Drille war erst immer Solo, später als die Schlepper größer wurden dann in Kombination mit der Kreiselegge. Für die schweren Flächen hatten wir später eine Pendelegge (gibt es heute wohl nicht mehr?)
Gespritzt wurde hier früher deutlich weniger, Spritzen liefen oft im Lohn oder über Lohnunternehmer.

Alles schon lange her, vielleicht erinnert sich der eine oder andere ja auch wie es früher war?

Gruss

Henrik
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Hein

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Re:Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« Antwort #1 am: 08. November 2014, 19:12:06 »

Frueher war alles besser, es gab viel mehr Oldtimer  ;)

Anfang der siebziger wurde unser Anbindestall aus 1969 auf Schwemmentmistung umgebaut. Ausgeschachtet wurde mit einem der ersten Allradschlepper hier in der Gegend, unserem Fendt Farmer 3 s, war nie robuste tolle Maschine Baujahr 1970.
Gepfluegt wurde mit 65 PS Farmer 106 s und 4 Schar Roewer Pflug. Drillmaschine war eine 3 m Isaria am 45 PS Farmer 102 s, der auch den 6 Schar Schaelpflug, den Stoll V50 Ruebenroder, den Schatzgraeber Kartoffelroder, Spritze 600 l und Duengerstreuer bewaeltigen konnte.
Maehdrescher war ein Claas SF mit gigantischen 2,6 m Schneidwerk. Getreide wurde komplett eingelagert und fuer die Schweine geschrotet.

Gras wurde gemacht mit nem Fahr Maehwerk km22 mit 1,65 m breite, spaeter dann mit nem Claas wm185. Der Heuwender wurde an die Ackerschiene gehaengt. Wehe, wenn die Seitenstreben nicht fest waren! Als Schwader hatten wir nie Frontspinne am Hannomag R27. Gepresst wurde mit ner Welger AP50 und Ladeschurre auf angehaengte Wagen ohne Gitter mit zwei Mann gepackt, 8 bis 11 Schichten hoch. Irgendwann kam dann auch der Ladewagen Strautmann Ladeblitz mit 9(!) Messern. Damit fuhren wir fuer einen Betrieb im Nachbarort auf Lohn. Von 24 Stunden Silage keine Rede, das dauerte immer drei Tage, bis der Haufen zusammen war.

Rueben wurden per Achse zum Bahnhof mittels Kipprampe auf Eisenbahnwagons verladen.
Kartoffeln wurden eingelagert und ueber Winter sortiert. Anfangs noch in zentnersaecke, spaeter dann 25 kg-Gebinde.
« Letzte Änderung: 08. November 2014, 19:42:40 von Hein »
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charlie

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Re:Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« Antwort #2 am: 08. November 2014, 20:39:30 »

Dann will ich auch mal meine Jugenderinnerungen hier beitragen:
Fest hängengeblieben ist die Futterrübenernte: Abköpfen mit dem Stoßeisen von Hand, dann das umwerfen mit an den GT 231 angehängte und mit Ketten verbundene Hängerreifen (wir hatten zu der Zeit immer die hochsitzenden Brigadier). Der kleinste ( zu der Zeit meine Wenigkeit) durfte mit dem Schlepper (Fendt Farmer 104S) langsam mit angehängtem Miststreuer (abgebautes Streuwerk) vorfahren und die halbe Verwandschaft hat aufgegabelt. dann ab unter Stroh in die Erdmiete. Im Winter dann bei Frost die Erde mühsam zerklopft und die Dickwurz ( so nannten wir die Futterrüben hier in Hessen) wieder auf den Miststreuer, dann in den Anbindestall mit Rohrmelkanlage zu unseren 20 Mädels, zur Fütterungszeit wieder aufgegabelt und in den Rübenschnitzler und dann in die Futterkrippe. Ich glaube so fünfmal hätte man jede einzelne in der Hand...
Rüben wurden anfangs mit der Schmotzer und später mit der Stoll V 35 gerodet. oftmals bis weit in den Dezember rein und wenn es schön nass war auch mal mit 2 Schleppern davor. wir Jungs mussten immer hinterher laufen und die verlorenen Rüben wieder auf die Reihe legen und übriggebliebenes Blattgrün nachköpfen. Die Rüben wurden am Bahnhof in Waggons überladen und später am selben Ort auf LKW, dann kamen die Überladebänder für den Feldrand.
Ende der Siebziger kam der erste Maishäcksler Pöttinger Mex II, später CLAAS Jaguar 25 und die Ära der Maissilage begann. Tagelang bin ich Walzschlepper gefahren, damals ein mit Betongewichten aufballastierter Fendt Favorit 600 LS (85 PS). Gepflügt haben wir mit einem Gassner 4 Schar-Volldrehpflug mit Rautenkörper und 35 cm Arbeitsbreite, war damals der größte Pflug im Ort. Kreiselegge kam auch zu der Zeit. Rabe MKE 250 mit angebauter Hassia Drille.
Mähdrescher war ein Claas Consul mit 2,6m ohne Kabine aber mit Häcksler.
Heu und Stroh wurden insgesamt ca 5000 HD-Ballen gepresst und hauptsächlich mit einem Greifer in der Scheune eingelagert.

Wenn ich heute daran zurückdenke.... Es war einfach ein andere Zeit. aber Ende der Siebziger wurde im Kuhstall und auf dem Acker richtig Geld verdient.
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Gruß

Charlie

Nicht immer sind die, die das Gras wachsen hören, auch bereit, es zu mähen.

hanna

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Re:Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« Antwort #3 am: 08. November 2014, 21:03:23 »

Hej,
ich bin in den 70ern oft mit meinem Onkel mit dem Hanomag zum Melken gefahren. Hinten war so ein Holzkasten dran, in dem die beiden Milchkannen und der Melkeimer mit dem Filter standen. Die vier Kühe liefen an der Treene (Fluß in Schleswig-Holstein). Ich "musste" dann immer die Kuh festhalten.....ist mir erst Jahre später eingefallen, das Onkel auch ohne jemanden zum Kuhfesthalten zu haben, die Damen gemolken hat  8). Wenn Onkel mit dem Eimer und dem Melkhocker kam, blieben die Damen mal einfach stehen.
Mich macht es schon manchmal traurig, dass mein Onkel so früh verstorben ist, wie gerne hätte ich ihm nun unseren Betrieb gezeigt, und natürlich die Melkroboter.

**
Inga
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Wer nicht gegen den Strom schwimmt, erreicht die Quelle nie.

tuning Esel

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Re:Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« Antwort #4 am: 08. November 2014, 21:28:58 »

In der CH war es nicht viel anders die 20Kühe wurden mit Eimermelkanlange  gemolken  mitte 80 er kamm dan die Rohrmelkanlange, schwemmistung  war schon seit  1969 oder so drin,traktoren wahren 2 Bührer 45 und 55ps Hinterad 1980 kam dan der erste JD 1640,der erste im Ort mit Allrad.. und 2 Schar Pflug dran (Hydraulisch Non-stop ) früher noch mit dem Winkelpflug 1 Schar na gut  wurde nur 4-5 Ha .. Ladewagen kamm schon 1963(einer der ersten,alle sagte zum Vater er spinnt so ein ungetum zuzulegen..) Mähdrescher war schon im Lohn ein Class Mercador 50-55 oder 60 hatte der Lohner damals..dan kammen die Dominatoren.. die dan das Schneidwerk hinten mit zogen früher hatten die 3M vorne.. Futterüben wurden von Hand ausgemacht Auch Kartofeln mit ner Schleuder von Lanz(ja gut wahren nicht grosse flächen)  1981 wolte mein Vater  ne Kemper Rünziehmaschien anschaffen,aber leider  sind die Rüben diese Jahr nem Umwetter im Juli zum Opfer gefallen und er musste welche Kauffen,da daraus dan 11 Jahren immer bei beim gleichen Landwirt gekauft wurden bis ich dan 1991 ne BVL kaufte und Auch noch paar Jahre im Lohn..
1981 wurde nen Heubeluftung eingebaut 1977 nen Heukran(Hängt immer noch oben aber ist jetzt deffekt..)
Güllefass kamm 1963 Mistzetter 1964 Spritze war ne gemeinschaft Maschine in den  anfang 70er war es noch eine mit Holzfass...200liter glaub ich an 3 Punkt.. dan ne 400 Liter kunstoffass dan ne 500liter in den 80er wir haben selber in den ende 80er ne 600 Liter gekauft mit 12.5M .. Drille war Auch solo(Nodet) gemeinschaftsmaschine haben selber eine angeschaft anfangs 80er ich habe dan  88oder 89  die an den Rototiller  angebaut noch mit dem 1640 JD.. 89 kamm dan der 2650 das ging dan schon besser  82 haben wir ne Spatenrolegge die ne Bodenfräse 1.8m  ersetzt hat und ne 1.9M Egge.. 88 kamm dan der Rototiller 95 ne 2,5 Gebrauchte kreiselegge  98 ne 3 M amazone  Kombi 96 3 Schar Pflugg 2001 dan alle umgesetzt auf Direksaat JD NT 750gebraucht
gemäht wurde bis mitte 70er mit seitenbalken am Trecker dan ein Welger  scheibenmäher 1.6m  82 dan mähaufbereiter JD 2m  91 dan 2.4m Krone 01 dan front..3M
Kreilser war nen Fahr  4er glaube so 3.6M breite zum hochklapen von Hand,das ding ist paar mal umgefallen.. dan 81 ein 5.2M Kuhn Auch gezogen  90 dan ein Kuhn 6m(Martin hat den Heute..)11 dan ein 6M Fella und seit 14 8M Kuhn(aber seit 06 ein Krone 13M mit Kollege zusamen)

na ja was sol ich sagen,war ne andere Zeit..
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Heico

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Re:Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« Antwort #5 am: 08. November 2014, 21:57:36 »


Der Hanomag R27 Bj 53 war 1960 schon vom Kramer KL 400 abgelöst, der heute noch ein Teil des Hackens macht.
Der Mähdrescher Claas SF mit seinen 2,60m war der größte Drescher bis 1960 und machte zu "seiner Zeit - 1960 bis 62 - 100 ha p.a. in Lohn!
Die Claas waren nur 4 Jahre im Lohn brauchbar, dann waren sie verschlissen und mussten umgesetzt werden. 1963 Claas Standard mit 3 m, 1967 Claas Mercator 3 m, dann Dominator85.
Strohpresse wurde 1970 von AP12 auf AP 50 geändert, Leistung bis 900 Ballen/h auf den Boden, sonst mit 2 Leuten auf dem Wagen ca 3/4 h. Zuhause waren dann 3 Leute die das Stroh mittels Förderband auf den Boden brachten und packten. Stroh und Heu zusammen ca 4000 Ballen. Irgendwann wurden die kleinen Ballen so nach und nach durch Großballen ersetzt.
Es gab viel Rindvieh im Dorf ca  über1000 Stück pro Dorf. Es war die Zeit der Bullenmast mit Maissilage und ZR Blatt.
Spaltenboden war angesagt und alle Ställe wurden nach und nach umgebaut. Das System kam aus Schweden.
Silage wurde mit der Hand abgeschnitten und mit der Heckgabel in den Stall befördert.
Anbau von ZR war interessant, also schnell den Anbau ausweiten und Kontingente bekommen.
ZR wurden ab Ende der 70er mit einem Stoll V50 2 B, der 2 Bunker hatte, einen für Rüben und einen für Blatt. Abholung der Rüben durch LKW - selbst geladen mit Güldner G50AS mit Abschiebegabel von Baaß.
Der 1967 angeschaffte Güldner 50 AS mit Frontlader wurde 1973 mit einen Hanomag 75 PS ergänzt, um vernünftig 3-scharig pflügen zu können.
1972 löste der Lemken Opal Volldrehpflug mit Handdrehung den Röver 3-Schar ab, der dem schweren Boden nicht gewachsen war.
Das schwere Grünland, das mit kleinen Schleppern nicht bearbeitet werden konnte, wurde Anfang der 70er zu Acker. Saatbett wurde mit Eggen + Walzen hergestellt.
Die Pflugfurche wurde ab Mitte der 70er mit der 2,5 m Kreiselegge  (Lely) vorbearbeitet und separat mit der 3m Isaria gedrillt.
1978 kam dann ein Deutz 100.06 mit Industrielader auf den Hof. Große Betriebe wollten nur noch Schlüter fahren und verkauften ihr Deutz und Fendt-Gelumpe.  ;D
1979 wurde eine Tecnoma 12 m Feld-Spritze angeschafft mit geschwindikeitsunabhänger Menge pro ha - mechanisch gesteuert (Debimat)
Es wurden hauptsächlich Bodenherbizide, Hormone und Flüssigdünger ausgebracht. Fungizide ab 1973 zunehmend mehr im Einsatz, nachdem 72 starke Ertragsdepressionen durch Halmbruch eingetreten waren.
Die Spätdüngung wurde Anfang 70 eingeführt. Dazu gab es ein Zwischengestell für den Düngerstreuer.
W-Weizenerträge wurden von 1970 ca 50 dt/ha bis Ende der 70er auf über 70 dt/ha angehoben.
Mais wurde mit Nachbarschaftshilfe und 1-reiher einsiliert, ca 2 bis 2,5 ha am Tag.
Ältere Landwirte mit Betrieben von 5 bis 8 ha ackerten weiter mit Pferd und alter Ausrüstung. Wenn ein Gummischlauch über die Straße gelegt wurde, dann war der nach ein paar Stunden hin, weil wieder einer mit Pferd und Wagen drübergefahren war.  :)
Die Werkstatt war mit einer großen Flex, Bohrmaschine, Dalex Schweißtrafo, einem Satz Ring-Maul Schlüssen und Zangen nobel ausgerüstet. Provisorische Ausrüstung mit altem Küchenschrank.
Pachtflächen gab es nicht, denn es gab viele kleine Betriebe, die ihr Land selbst mit Erfolg bewirtschafteten.
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tuning Esel

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Re:Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« Antwort #6 am: 09. November 2014, 07:21:24 »

Was ich mich Heute noch wundert ist das  in den 80er hier so fast 3 mal so viel Getreide angebaut wurde, die Ernte nur mit kleinen 3 M Drescher erfolgte und man eigentlich nie gestresst war,es ging immer alles schön der reihe nach,Heute hat es fast gleich viel Drescher die aber das doppelte leisten und sobalt es 1 Tag schön ist ist die Hölle los.. und Auch beim Heu machen ist so wir haben so 30% mehr fläche,aber 4 mal ne grössere schlagkraft  und man muss alles "stehlen" wen es schön ist dan Tag und Nacht.. früher war alle ruhiger und man hat Auch immer alles reingekrigt( kann mich nicht erinnern das man Getreide oder Heu "vergessen" wurde..)
Mir hat neulich ein Landwirt erzählt  wie es doch früher um einiges ruhiger ging, da wurde  ne Woche lang Mais siliert mit dem 1 Reiher ,nach dem Melken Morgenessen los 2-3 Fuhren ,dan ruhig Mittag essen dan noch 3-4 Fuhren dan Melken und feierabend,Heute Kommt der Lohner  um 6Uhr 30 und dan hat man nicht mal die Zeit pissen zu gehen... und man wirt dauern angemacht es so doch schneller gehen er werde weiter erwartet.. von schnell mal ne Pause zum  was kanbern gibt es nicht..
Das wirt denke ich die probleme werden in Zukumft,sage nur Burnout, depression, minderwertikeitsgefühl usw..
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kitkat1975

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Re:Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« Antwort #7 am: 09. November 2014, 07:29:25 »

ich denke das problem ist das es immer MEHR sein muss in den einzelnen betrieben, sei es um zu überleben oder einfach mehr zu haben wie der nachbar!!

an die siebziger kann ich mich nicht erinnern BJ 1975 ;)

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Ede

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Re:Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« Antwort #8 am: 09. November 2014, 07:57:57 »

Was ich mich Heute noch wundert ist das  in den 80er hier so fast 3 mal so viel Getreide angebaut wurde, die Ernte nur mit kleinen 3 M Drescher erfolgte und man eigentlich nie gestresst war,es ging immer alles schön der reihe nach,Heute hat es fast gleich viel Drescher die aber das doppelte leisten und sobalt es 1 Tag schön ist ist die Hölle los..

Mein Vater hat immer erzählt, daß es früher so ablief:
Da kam einer, um dreschen zu bestellen. Dem haste gesagt, diese Woche wirs nix mehr, Mitte nächster Woche vielleicht. Und dann biste da hingefahren und hast in der Mitte der nächsten Woche halt gedroschen. Heute ist das Zeug am nächsten Tag schon von nem anderen gedroschen...

Gruß
Ede
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Georg

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Re:Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« Antwort #9 am: 09. November 2014, 09:13:15 »

Ede, das wundert mich auch immer!
wir hatten Ende 60 er einen Claas Cosmos
Das war der Nachfolger des Europa und der erste in Saatengruen. Den Drescher hatten wir mit 3 anderen Landwirten in einer Maschinengemeinschaft.
Angebaut wurde von Winterverste bis Pferdebohnen-Hafergemenge.
Die ganze Ernte war damals fast 4 Wochen spaeter. Klimaaenderung?
Die Wintergerste wurde Ende Juli getdroschen, das Hafergemenge Ende September.
Insgesamt wurden ca 17 ha gedroschen.
Alles ohne Stress! Wenn da mal mehr wie 1 Ha am Tag gedroschen wurde wars schon ne Superleistung!
Es wurde nach der Mittagssiesta vom Vater rausgefahren, und um 5 Uhr war schluss weil die Viecher gefuettert werden mussten.
Sonntags wurde nie gedroschen!
Ich kann mich deshalb so gut erinnern, weil Ende Juli die Schulferien begannen.Und nach den Ferien mitte September war die Ernte nie fertig!
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Heico

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Re:Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« Antwort #10 am: 09. November 2014, 09:50:13 »

Kinderarbeit war noch sehr beliebt, sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern, die nun endlich mal eine Möglickeit hatten, an etwas Geld zu kommen.
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BNT

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Re:Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« Antwort #11 am: 09. November 2014, 10:54:19 »

Ihr schreibt hier immer von früher, von den 70er Jahren, aber hat sich denn so viel geändert? In den fortschrittlichen Regionen vermutlich schon, aber so im mitteleuropäischen Durchschnitt?
Dass einer für 10 ha Mais 14 tage unterwegs ist, gibt es hier noch immer, ebenso, dass händisch ausgemistet wird. Auch die Eimermelkanlage ist noch nicht ausgestorben, die Bios wehren sich vehement gegen die Laufstallhaltung und die Kids müssen auch heute noch als Spitzenbrecher herhalten.

Letztlich driftet das ganze halt massiv auseinander. Man kann schon mal sehen, dass der eine noch händisch Mais schneidet, während am Nachbarfeld ein BigX läuft.
Die Landwirtschaft bringt das Kunststück zusammen, einerseits zu jenen Branchen zu zählen, die am stärksten unter dem Einfluss des Fortschritts stehen und gleichzeitig das Althergebrachte sehr deutlich zu konservieren. 
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Jonny B.Goode

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Re:Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« Antwort #12 am: 09. November 2014, 11:45:19 »

  In den 70ern hab ich angefangen zu arbeiten..  ;D ...und in den 9oern wieder drangegeben..

Futterrüben ziehen hab ich gehasst....   Strohpressen war mit 6 Leuten Akkord,wo wir richtig was ausgerichtet haben und was dann auch Spaß machte.
Wir hatten so mit den ersten MF Drescher (186er) bekommen...muss 1970 rum gewesen sein. Hat immer supersauber gedroschen,aber mit Lager-
getreide kam der gar nicht klar.(halt ein US Drescher) der war so einfach aufgebaut,das unser Dorfmechaniker den im dunkeln repariert hat.
Mit Akkulampen im Feld war da noch nix.

Unsere Werkstatt bestand aus ner Kneifzange.nen Hammer ,n paar Schraubenschlüssel und ner groben Feile....
Unsere MF Werkstatt war 50m weit weg.  :daumen:

Der beste Schlepper der Zeit bei uns war ein 165er MF und ein 188er mit Stahlgussfelgen....der zog wie sau,Reifenwechseln war aber lebensgefährlich.

Das absolute Heiligtum wo keiner dran durfte war eine Schmotzer Fronthacke....das war hier in der Gegend ein Wettbewerb,wer am exaktesten
"schuffeln" konnte.

Rübenblattfahren war action...mit 2 Schleppern und Frost Silolift auf nem Samstag das "Wochenblatt"zusammengefahren
In den 60er/ 70er hatten wir als Rübenroder in Folge ne Kleine,dann ne Schmotzer BK schlachmichtot,dann ne Rustica RKS35 und dann ne 45er.
Den Sprung zum einreiher Kleine hatten wir nicht gemacht,haben ein aufgelöstes 6reihiges System von Moreau/Gilles und nen Kleine Bandlader im Einsatz gehabt,sind dann Mitte 90er  aufn Zweireiher.

Bis 77 hat hier ne Spedition die Rüben geladen und weggefahren.Die hatten zwei Atlas Mobilbagger mit entsprechend grossem Rübenkorb.
Wenn die kamen ,gabs für die Baggerfahren erstmal nen 5er und n Päckchen Kippen...war ganz wichtig.Die haben die Rüben besser und sauberer
weggeladen als heutzutage manche Lademaus.Der Korb war in nem Drehüberträger,womit die die Rüben immer was "saubergeschüttelt" haben.
Da wos keine Kohle und Kippen gab ,wurde ohne zu "reinigen" verladen.


Ach ja...von wegen Feldhygiene war damals besser,durch das schuffeln und die Handhacke hast du nie(!!!) Kultur oder Wildschosser in den Rüben
gehabt.
Das Rübenblatt wurde penibel sauber zusammengesammelt.
Stroh was zuviel war oder Lagerstoppel wurden einfach abgefackelt...derAcker war ratzeblank,einmal gegrubbert und Stoppelfutter eingesät.
War dank fehlender Strohreste gewachsen wie blöd.
« Letzte Änderung: 09. November 2014, 11:53:40 von Jonny B.Goode »
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Thomas

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Re:Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« Antwort #13 am: 09. November 2014, 13:55:54 »

70er Jahre... das war ja noch meine Kindheit... ;D

Aber so aus der Erinnerung wurden da auch noch die Rüben mit der Hand gehackt und die Kartoffeln von Hand gesammelt (Lanz Vorratsroder...). Da kam ich dann zum Einsatz.. :(

Rüben wurden mit dem Brillant 600 mit dem Frontlader mit Verlängerung auf die LKW verladen. War damals einer der größten Schlepper im Ort, hinten Wasser in den Reifen. Zog sehr ordentlich.

Futter war immer irgendwie knapp, besonders 1977 (?), da hat die Bundeswehr Stroh gefahren, weil die Bauern auf der Geest nichts fürs Vieh hatten. Wir haben aus dem Ort Barmissen damals Stroh geholt. Für mich damals unvorstellbare Berge und mein Vater hat mich dann auf den Hanomag gesetzt zum Weiterfahren auf dem Feld (das hab ich zu Hause auch schon gemacht), aber da hatte ich voll Angst.. ;) :o  solche Hügel gibt´s bei uns nicht...

30 Kühe in der Anbindung, 30 Schweine so in etwa, Hühner und Enten. Getreide wurde (teilweise?) selbst eingelagert und zum Schroten zur Mühle gefahren und als Schrot halt wieder mitgenommen.

Schlachttag war immer ein Ereignis, geradezu ein Spektakel. Alles wurde selbst verarbeitet und die Erwachsenen hatten auch ziemlich Spaß daran. Vermutlich gab es zumindest hinterher reichlich Schnaps. Und einem Erwachsenen wurde immer versucht, den Schweineschwanz hinten an der Hose zu befestigen, alle haben sich sehr amüsiert. Omas Geschwister kamen dann aus Ostholstein dazu, war schon lustig.

Die "Werkstatt" war mit in der Autogarage, da stand vor dem Auto eine Werkbank, ein Schleifstein, Flex, etwas Werkzeug. Heute geht da gerade mein Auto rein, nachdem alles ausgeräumt wurde...

Gruß
Thomas
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Heico

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Re:Landwirtschaft in den siebziger Jahren......
« Antwort #14 am: 09. November 2014, 13:59:58 »

Als Ergänzung > zum Stroh, dass nun langsam wegen Spaltenboden nicht mehr gebraucht wurde:
Thormann/Golisch hatten uns im Buch: "Erfolg in Förste" beigebracht, dass ein guter Ackerbauer mit Stroh kurzen Prozess macht> anzünden und fertig (Feldhygiene). Die Stoppelarbeit war damit zur Hälfte erledigt.
Wie man das anzündete war Jedem selber überlassen. Ich hatte bei 30°Hitze und schönem Südostwind mit Wind angezündet. Zum Glück gab es kein reifes Getreide in 200 m Umkreis. :-[
In exakt 5 min waren die 5 ha fertig abgebrannt - das Feuer flog über das Feld, man brauchte nur noch einmal quer zu laufen. Später gab es Order nur noch gegen Wind anzuzünden.

Wer zu der Zeit Getreidebauer war, musste einfach die Namen Thormann/Golisch kennen, die sich als Nachfahren von Görbing, Sekera und Nieschlag verstanden. (Bodenkunde, lebendverbauung von Krümeln, Humus - Gare)
Aus dieser Zeit stammt auch eine tiefe Sommerfurche zu ZF, die ich seit der Zeit nutze.


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