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Autor Thema: Re: Fettgehalt der Kuhmilch  (Gelesen 15015 mal)

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lilly

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Re: Fettgehalt der Kuhmilch
« am: 01. Juni 2007, 20:21:17 »

Da meine Expertin gerade nicht da ist und isch selber keine Ahnung von Milch habe stelle ich doch einfach mal hier meine Frage.

Diese allseits bekannten 3,5 % Fettgehalt in unserer Vollmilch - handelt es sich dabei um einen "Schätzwert" bzw. um einen irgendwann mal ermittelten Wert oder müssen Milcherzeuger in welcher Form auch immer einen Nachweis über den Fettgehalt ihrer Milch erbringen.
Ich komme darauf, weil ich vor zwei Tagen im Fernsehen einen Bericht über Kühe (allerdings nicht in Deutschland) gesehen haben die wohl Milch mit nur sehr geringem Fettanteil liefern - da frage ich mich wieso wird das jetzt erst bekannt ? Oder ist das in Fachkreisen schon länger bekannt ?
ist denn hier kein Kuhexperte  :frage:

« Letzte Änderung: 27. Juni 2008, 07:29:47 von Klaus »
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cara

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Re: Fettgehalt der Kuhmilch
« Antwort #1 am: 02. Juni 2007, 10:55:07 »

Ich bin zwar kein Experte, aber ich versuch mal mein noch vorhandenes Wissen aus der Ausbildung zusammen zu kramen...


Der Fettgehalt der Kuhmilch ist stark von der Rasse, der Fütterung, den Haltungsbedingungen und der Laktationsphase abhängig, liegt aber meist zwischen 3,5% bis 4%...
So hat Braunvieh in den Alpenregionen mit Freilandhaltung einen wesentlich höheren Fettgehalt als z.B. Holsteins aus Stallhaltung und Silage-/Fertigfuttermischung.
Der Fettgehalt wird regelmässig in der Molkerei bei Anlieferung kontrolliert und abhängig davon wird der Milchpreis errechnet.. einen Einfluss darauf hat aber auch noch der Eiweissgehalt, der aber genauso schwanken kann..
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LiGrüss cara

Die Kunst zu Leben besteht darin, zu lernen im Regen zu tanzen, anstatt auf Sonne zu warten.

Jochen

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Re: Fettgehalt der Kuhmilch
« Antwort #2 am: 02. Juni 2007, 11:33:29 »

hi

Nein die 3,5% sind kein schätzwert - Milch wird homogenisiert das heißt alles fett kommt aus der milch raus und wird wieder fein verteilt eingesprüht - damit rahmt "gekaufte" milch ja auch nicht auf wenn man  sie stehen läst wie milch direkt vom bauern an der keine Technische verfeinerung gemacht wurde
wird dann auch auf 3,5% eingestellt - der Rest vom fett geht in die Butter etc. bzw. je nach lieferung gleichts sich dann aus

Das mit den Rasen stimmt - eine Jersy Kuh (wenn man sie neben die großen Hohlsteins stellt lieber Kalbin  :rolleyes:) bringt meines wissens um einiges mehr Fett Eiweiß etc.

Mfg
jochen
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Matthias

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Re: Fettgehalt der Kuhmilch
« Antwort #3 am: 02. Juni 2007, 12:07:57 »

Hallo,

wir liefern im Jahresverlauf Milch mit Fettwerten zwischen 4,2 und 4,5 % ab, Der Schnitt in Deutschland wird wohl bei 3,9 - 4,1 % liegen.
Fettprozente weit unter 4 sind meiner Meinung nur mit einer nicht Wiederkäuergerechten Fütterung möglich (Azitose).

Ich glaube die Homogenisierung hat nichts mit den Fettgehalten zu tun, da werden die großen Fettkügelchen aufgesprengt so das sie nicht mehr aufschwimmen können.

So wie ich das mal mitbekommen habe wird die Milch, nach der Anlieferung auf ein bestimmtes Fettniveau eingestellt und dann Weiterverarbeitet, später wird dann je nach Verwendungszweck wieder Fett dazugegeben oder weggenommen

MfG
Matthias
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ct

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Re: Fettgehalt der Kuhmilch
« Antwort #4 am: 02. Juni 2007, 15:52:46 »

 Hallo rick,
Du meinst bestimmt dieses Thema hier :

Kühe produzieren fettarme Milch
http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/natur/wissenschaft_aid_57527.html

Völliger Nonsens, meiner Meinung nach, hier geht es nur um Patente und Patentgebühren für die Biotechfirma ViaLactica.
In der Milchproduktion geht es vornehmlich gerade um die Inhaltsstoffe und nicht ums Wasser, das kann man aus der Erde pumpen und dann der Milch zuführen wenn es weniger Fett sein soll.

ich kopier hier noch mal was rein

Gruß Christian

*****Klugscheißmodus an : :klugscheiss:

Zusammensetzung der Milch
Die Milch setzt sich aus 87-88 % Wasser und 12-13 % Trockenmasse zusammen. Diese Trockenmasse besteht aus dem Fettanteil (3-5 %) und der fettfreien Trockenmasse. Diese wiederum besteht aus dem Milchzucker (Laktose), dem Eiweißanteil (Kasein und Molkenproteine) und Salzen. Die prozentuale Zusammensetzung hängt von der Rasse, der Fütterung, dem Laktationsstand und der Tiergesundheit der Kuh ab.

Was ist Milchfett?
Die Zusammensetzung des Milchfettes hat ernährungsphysiologisch eine besondere Stellung. Fett dient als Energiequelle und ist gegenüber anderen Fetten leichter verdaulich. Der ernährungsphysiologische Wert resultiert aus dem Gehalt an kurz- und mittelkettigen sowie essentiellen Fettsäuren. Außerdem ist es Träger der fettlöslichen Vitamine A, D und E.

Milchfett verleiht Milchprodukten milde und volle Geschmackseigenschaften. Der Fettgehalt von Rohmilch liegt bei ca. 4 %. Die Lipide der Milch liegen zu 96-99 % als Triglyceride vor. Diese sind Ester des dreiwertigen Alkohols Glycerin. An den 3 Hydroxylgruppen des Glycerins sind dabei unterschiedliche Fettsäuren (Monokarbonsäuren) verestert. Typisch für das Milchfett ist der hohe Gehalt an kurzkettigen Fettsäuren. Das reine Milchfett ist ein Gemisch aus gesättigten und ungesättigten Triglyzeriden.

Der Anteil an Fettsäuren liegt bei ca. 85 % des Milchfettes. Im Milchfett werden über 90 Fettsäuren nachgewiesen. 14 davon werden als Hauptfettsäuren bezeichnet, da sie mit über 1 % am Gesamtanteil der Fettsäuren beteiligt sind. Die Ölsäure stellt den Hauptbestandteil (20-40 %) der ungesättigten Fettsäuren im Milchfett dar.

Das Milchfett liegt in der Milch nicht frei vor, sondern ist von einer Membran (Fettkügelchenhülle) umgeben, die für die stabile Emulsion des Milchfettes sorgt. Um die Emulsion zu stabilisieren, sind die Tröpfchen von einer kompliziert zusammengesetzten Hülle umgeben, die vor allem dazu dient, die Kügelchen in der Schwebe zu halten, womit ein Aufrahmen verhindert wird.

Der Durchmesser der Fettkügelchen beträgt zwischen 2,5 und 5 (10) µm. In einem Milliliter Milch finden sich zwischen zwei und sechs Millionen Fettkügelchen, deren Membrane zusammengereiht etwa 0,8 m2 ausmachen.
Aufgrund der Feinverteilung wird den fettspaltenden Verdauungsenzymen eine große Oberfläche "zur Verfügung gestellt", so dass das Milchfett im menschlichen Darm schnell abgebaut werden kann

Bildung von Milchfett:
Bei Wiederkäuern werden die kurzkettigen Fettsäuren des Milchfettes aus Essigsäure und Betahydroxibuttersäure synthetisiert. Diese Säuren stammen aus dem Pansen. Ausgangsprodukte der langkettigen Fettsäuren des Milchfettes sind aus dem Blut übernommene Lipide. Das für den Aufbau notwendige Glycerin wird entweder in der Milchdrüse selbst aus Glucose gebildet, oder es wird durch Spaltung der aus dem Blut stammenden langkettigen Fettsäuren bereitgestellt.

Das Transportmittel Blut ist von entscheidender Bedeutung. Für die Bildung von 1 l Milch müssen etwa 500 l Blut durch das Euter strömen. Für 15 l Milch in der Zwischenmelkzeit von 12 Stunden muss die gesamte Blutmenge der Kuh (ca. 50 l) etwa 150 mal durch das Euter gepumpt werden.

Die in den Alveolarzellen im Euter synthetisierten Fette bilden kleine Fetttröpfchen, die sich zu größeren Fettkügelchen zusammenlagern und von einer Membran umgeben werden. Eingehüllt in diese Membran bewegen sich die Fettkügelchen durch das Zytoplasma der Alveolarzelle und durchdringen die Zellmembrane, wobei der innere Teil sich um das in den Alveolarraum übertretende Fettkügelchen legt und zur äußeren Schicht der Fettkügelchenhülle wird. Diese Sekretion von Fett ist nur möglich, wenn der Innendruck der Milch im Alveolarraum niedrig ist. Mit steigendem Alveolardruck vor der Melkzeit wird immer weniger Fett in den Alveolarraum abgegeben, während vermehrt wasserlösliche Bestandteile durch die Zellwand hindurchtreten. Wird Milch entzogen, dann sinkt der Alveolardruck. Damit ist ein erneuter Übertritt von Fettkügelchen möglich. Dies erklärt den Anstieg des Fettgehaltes während des Melkvorganges und den besonders hohen Fettgehalt des Nachgemelkes.

Fütterungseinflüsse :
Der Fettgehalt der Milch wird durch die Zusammensetzung der Kohlenhydrate in den Futtermitteln und über die Art und Menge des Futterfettes erheblich beeinflusst. Hohe Kraftfutteranteile an der Ration führen infolge der in größeren Mengen zugeführten Kohlenhydraten zu einem Rückgang des Milchfettgehaltes.

Im Hinblick auf die Sicherung des Milchfettgehaltes ist von großer Wichtigkeit, dass im Pansen ausgeglichene Verhältnisse vorherrschen. Dieses setzt eine ausreichende Raufuttergabe voraus. Auch hohe Futterfettgaben senken den Fettgehalt. Die Umstellung von Winterfütterung auf Grünlandfütterung führt zu einer Abnahme des Anteils der kurz- und mittelkettigen Fettsäuren bei gleichzeitiger Zunahme des Anteils an Ölsäure und Stearinsäure, was zu einem weichen Butterfett führt.
« Letzte Änderung: 02. Juni 2007, 15:55:49 von ct »
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Gruß ct

Matthias

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Re: Fettgehalt der Kuhmilch
« Antwort #5 am: 02. Juni 2007, 21:15:55 »

Hallo,

Um Fett zu produzieren braucht die Kuh ja viel Energie, also stellt der Fettgehalt einen begrenzenden Faktor bei der möglichen Milchleistung dar.
 
Das bedeutet eine Kuh mit niedrigem Fett gibt mehr Milch

Das dumme bisher ist wenn man versucht   den  Fettgehalt zu senken, sinkt das Eiweiß mit.

Auf der anderen Seite frage ich mich manchmal was Manche für Milch abliefern 3,2 % Fett und 2,8 % Eiweiß ich weiß nicht ob man das noch als Milch bezeichnen kann ?

MfG
Matthias
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ct

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Re: Fettgehalt der Kuhmilch
« Antwort #6 am: 03. Juni 2007, 09:36:18 »

Der Artikel bei Focus läßt tatsächlich die Frage offen wo der Sinn in dem geringen Fettgehalt liegt, wenn man die herkömliche Milch ja auch einfach verdünnen kann.
Hat es mit günstigeren Profuktionskosten zu tun ?

Nein, hier geht es nur um Patente und Patentgebühren und somit viel Geld für die Biotechfirma ViaLactica ! :o
« Letzte Änderung: 03. Juni 2007, 09:38:37 von ct »
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Hans

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Re: Fettgehalt der Kuhmilch
« Antwort #7 am: 03. Juni 2007, 17:39:33 »

Und bitte die Art und Weise der Haltung und Fütterung nicht vergessen.

Darüber kann man streiten. Ist Milch = Milch

Hans


http://www.muva.de/muva/web.nsf/gfx/CE29741B4A4C6558C12572DD004EC514/$file/Omega-3-Fettsaeuren.pdf
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Re: Fettgehalt der Kuhmilch
« Antwort #8 am: 26. Juni 2007, 07:37:08 »

Meiner Meinung nach liegt das Problem im "System"!  ;D
In Mitteleuropa gibt es halt leider immer noch zu viele Milchabnehmer die nach KILOGRAMM PRODUZIERTER MILCH zahlen... Dabei arbeiten die ja mit dem was in der Milch drin ist, anders rum gesagt, Wasser kann man auch aus dem Wasserhahn laufen lassen, das muss nicht erst durch eine Kuh durch sein!  ;D

In vielen anderen Ländern besteht die Quota des Milchproduzenten aus KILOGRAMM INHALTSSTOFFEN. Das heisst Fett, Eiweiss und Kohlenhydrate (Lactose, Galactose, Glucose). Wieviel Wasser es da in der Milch hat interessiert keine Sau! (aber auch keine Kuh!  ;D) Wasser rumkarren kostet und bringt nix!

Wenn also irgendwelche "bauernschlaue" Produzenten meinen, sie könnten was verdienen wenn sie "dünne" Milch produzieren, darüber lachen sich andere nur krumm...
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Matthias

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Re: Fettgehalt der Kuhmilch
« Antwort #9 am: 26. Juni 2007, 12:13:21 »

Das ist aber überall in der Welt so,

Ich hab mal einen Vortrag eines Amrikaners gehört der hat 1200 Kühe mitv 15000 kg Herdenleistung bei 3,0 %Fett und 2,75 % Eiweiß, und tat über die hohen Transportkosten stöhnen weil das Milchwasser durch den halben Kontinent gekarrt wird.

Bei ordentlichen inhaltstoffen bräuchte er nur 11000 kg Herdenleistung, aber es ist wahrscheinlich für ihn immer noch rentabler Menge zu produzieren.
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Jochen

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Re: Fettgehalt der Kuhmilch
« Antwort #10 am: 26. Juni 2007, 14:47:10 »


Meiner Meinung nach liegt das Problem im "System"!  ;D
In Mitteleuropa gibt es halt leider immer noch zu viele Milchabnehmer die nach KILOGRAMM PRODUZIERTER MILCH zahlen...


Dafür haste ja den einen oder anderen bauern mit direktvermarktung und Hofkäserei dabei die Jersy haben  :rolleyes: 6 bis 8% fett sprechen für sich - gut sehen aus wie kalbinnen die kleinen...

mfg
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Re: Fettgehalt der Kuhmilch
« Antwort #11 am: 26. Juni 2007, 21:15:17 »

Dafür haste ja den einen oder anderen bauern mit direktvermarktung und Hofkäserei dabei die Jersy haben  :rolleyes: 6 bis 8% fett sprechen für sich - gut sehen aus wie kalbinnen die kleinen...
mfg

Bei der Rasse Jersey sind leider "nur" die Inhaltsstoffe hoch, nicht aber die Gesamtleistung. Obwohl Schwarzbunte, Rotbunte, Fleckvieh und Braunvieh viel "dünnere" Milch produzieren mit weniger Inhaltsstoffen, ist deren Gesamtproduktionsleistung von Fett und Eiweiss über die gleiche Lebensdauer höher als die von reinen Jersey-Rindern mit ihrer "dicken" Milch.

Darum sind auch reine Jersey-Bestände in der intensiven Milchproduktion z.B. in Ozeanien und Südamerika nicht sehr verbreitet. Die Rasse Kiwicross (Holstein-Jersey-Kreuzungen) ist nach Holstein die am häufigsten verbreitete Rasse.

MfG Markus
(der davon überzeugt ist, dass es sich nicht lohnt das letzte 0.01% Inhaltsstoff aus einer Kuh rauszukitzeln oder die Fütterung speziell darauf auszulegen möglichst "dünne" Milch zu produzieren um damit angeblich Kosten zu sparen... :-\)
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