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Autor Thema: Ramularia verstehen  (Gelesen 3070 mal)

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Tim

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Ramularia verstehen
« am: 27. Januar 2018, 18:06:27 »

Mit dem Wegfall vom Credo bleibt mittlerweile eigentlich nur noch Amistaropti zur Bekämpfung der Ramularia.
Gut, bzw. Besser lief bei uns im Grunde immer Abschluss mit Champion Diamant, und besser daran lief, das sich die Gerste schöner dreschen ließ.

Ich denke das hängt /hing zum einen an plötzlicher Abreife der Gerste (zum einen hitzebedingt, zum anderen evtl auch durch das plötzliche Absterben des Blattaparates?!) und dem grün/spröde bleibenden Grannen an den Körnern, was die Druschfähigkeit massiv beeinflusst.

In 2015 hatte ich das Gefühl das es die späte Behandlung mit Amistaropti in Verbindung mit der Trockenheit zur Abreife war,  die die Grannen wie festgeklebt hat.

In 2016 wollte ich daher weniger (am besten gar nicht) behandeln... Unix /Tebuconazol /Prochloraz haben halt keine/kaum Wirkung auf ramularia - scheinbar war KWS Tenor aber nicht so anfällig wie die anderen Sorten..

2017 war ich also wieder soweit,  das man ohne Chrorthalonil (in einer zweiten Behandlung) nicht auskommt,  zuviel Risiko.

Jetzt bin ich also immer noch am grübeln,  wir jagen einer Krankheit hinterher (bei Septoria ist das hier seit den letzten 4Jahren nahezu dasselbe) die eben nicht immer zu schlägt.

Bei der Ramularia kommt dazu, das auch noch die Aussagen zu Befall und Herkunft der Erreger nicht immer eindeutig sind.

Angeblich...
...ist es eine Krankheit die im Süden stärker auftritt
...durch UV Strahlung ausgelöst
...durch Frühnebel unterstützt
...keine Sortenresistenzen
...wird der Erreger vom Saatgut übertragen

Das waren jetzt mal die Strohhalme an denen ich mich versuche hochzuziehen um die Krankheit zu verstehen.

Ausgelöst hat das unter anderem der Artikel :
http://www.cpm-magazine.co.uk/2018/01/15/ramularia-much-easier-spot-thanks-new-ahdb-guidance/

Vielleicht gibt's da in Deutschland ja auch ein paar news dazu?!!

Mfg Tim
« Letzte Änderung: 27. Januar 2018, 18:18:32 von Tim »
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haners1

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Re: Ramularia verstehen
« Antwort #1 am: 27. Januar 2018, 20:59:32 »


Hab bis jetzt nicht Amistaropti oder Credo verwendet, läuft bei Ami nicht dieses Jahr die Zulassung auch aus?
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treckeripaq01

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Re: Ramularia verstehen
« Antwort #2 am: 27. Januar 2018, 21:27:59 »

Gott sei dank ist hier die Ramularia noch nicht angekommen aber was nicht ist kann ja noch werden[emoji85]


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Gruß Toni

Ruedi

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Re: Ramularia verstehen
« Antwort #3 am: 28. Januar 2018, 00:02:58 »


Jedenfalls ist in unserem Gebiet Ramularia immer mehr geworden, eigentlich durch Sonnestrahlen bzw Stark schwankenden Temperaturen.
Also hätte man sich letztes Jahr im April schön zrücklehnen können. Aber das war nicht so , als ich mir die Loreley angeschaut hatte in EC 37 war ich erschrocken, trotz dem Nasskalten Wetter und kaum Sonne kam Ramularia hoch. Hier habe ich die Abschlußbehandlung mit SiltraXpro und Credo in geteilter Menge vorgezogen, denn es waren damals noch ca 10 Tage Zeit bis zum Grannenspitzen um die Abschlußbehandlung durchzuführen.
In der Quadriga konnte ich bis zum Grannenspitzen warten.
Durch Zulassungsende habe ich mir die deutlich kürzere und von Ramularia gesündere Sorte SUEllen ausgesucht , von 100 ha ca 77 ha und Quadriga den Rest.
Schaun wir mal ob es richtig war.
Vorsichtshalber hatte ich mir im Herbst beim Handel schon die Abschlußbehandlung mit 1,0 l Credo reserviert.

Gruß
Rüdi
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Tim

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Re: Ramularia verstehen
« Antwort #4 am: 04. Dezember 2018, 18:35:56 »

https://twitter.com/scottmilne53/status/1069456755242004480?s=20

Ist die Entwicklung neuer Wirkstoffe die Lösung?
« Letzte Änderung: 04. Dezember 2018, 18:38:17 von Tim »
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Jo

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Re: Ramularia verstehen
« Antwort #5 am: 04. Dezember 2018, 21:29:31 »

Das Revisol/Revysol soll das Nachfolgeazol der BASF werden (nach dem Wegfall vom Epoxiconazol).
Ökologisch recht gute Einstufungen und Eigenschaften, sie rechnen ziemlich sicher mit einer Zulassung.

Auf meine Nachfrage nach der Wirkung auf Ramularia bei einem Vertreter der BASF meinte dieser, dass es in Versuchen ertraglich in den letzten beiden Jahren ein paar Prozent schlechter war, als die Behandlung mit Chlorthalonil-Produkten. Ob man das dauerhaft so halten kann, bezweifelte er aber.
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Tim

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Re: Ramularia verstehen
« Antwort #6 am: 04. Dezember 2018, 21:48:24 »

Interessant- war das erstemal das ich was davon gehört hab. Es bleibt doch aber grundsätzlich erstmal ein azol?!?

Ausser chlorthalonil war wohl kaum eine andere Wirkstoffgruppe dauerhaft wirklich erfolgreich.

Ramularia scheint nicht immer auszubrechen. Viele stressfaktoren die zusammentreffen scheinen den Auslöser zu geben - evtl begünstigen extremen Wetterlagen und phytotox/Stress nach psm den Befall?

Hier ist noch was zum Schmökern- die Vorträge kann man auch sehen  :)

https://cereals-blog.ahdb.org.uk/ramularia-resistance-and-ratings-rally-global-experts/

MfG Tim
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johndeere820

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Re: Ramularia verstehen
« Antwort #7 am: 04. Dezember 2018, 22:41:20 »

Heißt ja eigentlich, wenn ich Ramularia nach den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes bekämpfen möchte, ist mein Maßnahmenkatalog schon recht gering?! Gerade weil der Erreger mit dem Saatgut und über den Wind (Konidien) verbreitet wird und neben Gerste andere Gräser auch noch Wirte sind, ist die Fruchtfolge alleine kein Regulierungswerkzeug:
"Ramularia leaf spot is both a seedborne and airborne disease. As a result, reducing levels in the seed does not necessarily prevent disease after flowering."

Angesprochen wird ja noch, dass Ramularia solange keine Symptome auftreten, nicht ertragswirksam ist. Zur Ausbildung von Symptomen kommt es ja vor allem, wenn die Pflanze in Stresssituationen ist. Wenn Kulturführung ja nichts anderes heißt, als Stress zu vermeiden bzw. zu verringern, treten doch in den meisten Fällen bei Befall Symptome auf?! Interessant wäre zu wissen, welche Situation sich auf die Entwicklung von Symtomen auswirkt. Nährstoffmangel dürfte sich ja anders auswirken, als beispielsweise Trockenstress.

Wenn ich das richtig verstanden habe, sind die gefundenen Resistenzen polygen. Das heißt mMn in der Resistenzzüchtung könnte am einfachsten durch CRISPR/cas eine entsprechende Gerstensorte entwickelt werden.

Interessant finde ich, dass selbst in vglw. aktuellen Lehrbüchern der Phytomedizin relativ wenig zu dem Erreger zu finden ist. Auf jeden Fall ein spannendes Thema!

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Tim

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Re: Ramularia verstehen
« Antwort #8 am: 04. Dezember 2018, 23:11:15 »

Ja, über Schwefel als Fungiziden Wirkstoff findet man auch kaum was?!?
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Heiner

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Re: Ramularia verstehen
« Antwort #9 am: 02. Februar 2019, 07:44:17 »

Angesprochen wird ja noch, dass Ramularia solange keine Symptome auftreten, nicht ertragswirksam ist. Zur Ausbildung von Symptomen kommt es ja vor allem, wenn die Pflanze in Stresssituationen ist. Wenn Kulturführung ja nichts anderes heißt, als Stress zu vermeiden bzw. zu verringern, treten doch in den meisten Fällen bei Befall Symptome auf?! Interessant wäre zu wissen, welche Situation sich auf die Entwicklung von Symtomen auswirkt. Nährstoffmangel dürfte sich ja anders auswirken, als beispielsweise Trockenstress.

Hallo,

auf der DLG-Roadschow Düngung 4.0 hat im November 2016 Ismail Cakmak zum Thema Micronährstoffe referiert.
In seinem Referat beschrieb er, dass bei Stress (z.B. Trockenheit) Pflanzen nicht in der Lage sind CO2 zu fixieren.
" Daraus entstehen z.B bei hoher Sonneneinstrahlung O2 Radikale, die die Pflanze schädigen."
" Zn und Cu werden zur Entgiftung von txischen Radikalen der Chloroplasten benötigt."
" Der Bedarf der Pflanzen an Zn und B erhöht sich bei Stress !"

Heiner
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Ansgar

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Re: Ramularia verstehen
« Antwort #10 am: 02. Februar 2019, 10:26:50 »

Hallo,

auf der DLG-Roadschow Düngung 4.0 hat im November 2016 Ismail Cakmak zum Thema Micronährstoffe referiert.
In seinem Referat beschrieb er, dass bei Stress (z.B. Trockenheit) Pflanzen nicht in der Lage sind CO2 zu fixieren.
" Daraus entstehen z.B bei hoher Sonneneinstrahlung O2 Radikale, die die Pflanze schädigen."
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Tellubauer

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Re: Ramularia verstehen
« Antwort #11 am: 02. Februar 2019, 13:01:11 »

Ramularia wurde in meiner Gegend (Oberösterreich) von Dr. Herbert Huss als erster entdeckt, und ich war von anfang an bei seinen Untersuchungen dabei.

Resistenzen gibt es eigentlich nicht (in Lambach wurden über 2000 Stämme geprüft, bis hin zu mittelalterlichen Sorten; waren für mich sehr interessante Versuche --> ca. 1000 Jahre weltweite Gerstenzüchtung auf einem Fleck).
Es gibt aber Unterschiede wie Gersten "altern". Ramularia greift idR. ab einem gewissen Blattalter agrressiv ein. Da gibt es Sortenunterschiede, und es gibt Sorten die noch relativ junge Blätter haben und schon recht weit sind mit der Umlagerung ins Korn.

Massiver Ausbruch immer wenn die Blätter ein gewisses "Alter" haben und auf feuchtes (va. viel Tau) Pilzwetter hohe UV Strahlung folgt --> strahlungsdynamische Mykotoxine machen den Weg frei für den Pilz.

Ramularia befällt aber auch schon junge Blätter - auch oft schon im Herbst. Kann sich aber dort nicht sofort durchsetzen. Natürlich bringt ein früher Ausgangsbefall ein höheres Ausbreitungspontenzial. Bei uns sind inzwischen sämtliche Gräser (Wiesen, Feldraine etc.) massiv durchseucht, und bei entsprechender Witterung fängt man in den Sporenfallen unzähligste Ramulariasporen. Gemischte Gebiete (Ackerbau und Grünland) haben grundsätzlich ein höheres Ramulariapotenzial, wobei die leichten Sporen oft auch sehr weit verfrachtet werden.

Aufgrund dieser Situation kann man pflanzenbaulich meist recht wenig gegen Ramularia ausrichten. Außerhalb von PSM haben unzählige Versuche eigentlich nie durchschlagende Wirkung gezeigt. Manchmal waren Kaliumposphonate erfolgreich. Das ließ sich aber nicht immer wiederholen, und die Rückstandsproblematik dieser Gruppe ist ja auch nicht ohne. Schwefel, cu, etc kann man grundsätzlich vergessen.
Spurenelemente und Düngung allgemein können aber dazu beitragen, dass das Blatt nicht so schnell "altert", und dadurch den Befall hinauszögern. Hierbei gibt es aber standortspezifische Erfahrungen, die zu beachten sind, und Verallgemeinerungen sind nicht machbar.

Bei PSM ist CTN das einzige Produkt mit dauerhafter Wirkung; bei uns in A gibt es zum Glück noch ausreichend Produkte.
Das CTN räumt auch immer wieder mit resistenten Populationen auf, sodaß es immer wieder mal Jahre gibt mit überraschend guten Wirkungen von Carboxamiden oder Prothioconazol. Aber grundsätzlich gibt für beide genügend resistente Isolate, und vor allem falls das CTN verschwinden sollte, muss man sehr schnell von einer Totalresistenz der Ramularia gegenüber PSM ausgehen. Die Wirkung von Unix und anderen PSM war bei unserem Druck immer zu bescheiden.

Soviel einmal nach einem Vierteljahrhundert mit Ramularia.
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adefrank

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Ramularia - Alternativen
« Antwort #12 am: 07. April 2019, 21:56:17 »

Ja, über Schwefel als Fungiziden Wirkstoff findet man auch kaum was?!?
also bei https://www.julius-kuehn.de/ex_anwendung/downloadFatPdf.php?file=2018_0936.pdf unter 017
Dort heisst es, dass Kumulus WG (Schwefel) ähnlich gut wirken würde wie Elatus plus. Ansonsten wird dort die Überlegenheit von Chlorthalonil betont und am Schluss angemerkt, dass in erster Linie noch der Wirkstoff Folpet eine Alternative darstellen könnte. Wenn ich mir die Beschreibung von Folpet anschaue, dann halte ich bei diesen Stoff ein Verbot doch für wahrscheinlicher als eine Zulassungserweiterung auf Ramularia in Gerste. Nun nach der Arbeit scheint Schwefel schon noch eine (geringe) Wirkung zu haben. Andererseits ist ja Schwefel im Ökolandbau zugelassen und auf den Ökoseiten heißt es, dass eine direkte Bekämpfung der Ramularia nicht möglich wäre. Insofern scheint Schwefel da auch nicht die Lösung zu sein.
Nun ich vermute, dass wir im Frühjahr 2020 wahrscheinlich noch Chlorthalonil das letzte mal einsetzen können. BASF bringt ja den neunen Azolwirkstoff Revysol nun heraus, der noch gut gegen Ramularia helfen soll. Ich vermute so wie früher Prothioconazol. Dawerden dann nach zwei bis drei Jahren wahrscheinlich wider die Resistenzen dominieren und dann sieht es schlecht aus im Süden mit der WG.
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Tellubauer

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Re: Ramularia verstehen
« Antwort #13 am: 08. April 2019, 12:48:43 »

Bei der Vorstellung von Revysol in Österreich hat der dt. Basfexperte eigentlich gemeint, dass die Ramulariawirkung von dem neuem Wirkstoff unter der vollen von Prothioconazol ist. Nur weil Prothioconazol bereits geshiftet ist, gibt es Versuche wo Revysol besser ist, und falls Prothioconazolresistenzen auftreten (in Österreich rel. häufig zu finden), ist Revysol natürlich auch voll betroffen.
Die Netzschwefelwirkung ist mir rätselhaft. Haben unzählige Versuche unternohmen, ohne Wirkung. Könnte mir nur vorstellen, dass die gute Formulierung zb. der Xpros eine gewissen "Schlitteneffekt" auf Netzschwefel hat und somit eine Wirkung bringt. 8 kg Netzschwefel allein hat nie eine Wirkung gezeigt.
Folpet hat eine ca. 70 % Wirkung, aber auch ein Vertreter unserer Ages (österr. Zulassungsstelle) war der Meinung, das CTN leichter verteidigt ist als Folpet in Gerste neu zuzulassen. Aber das ist über 15 Jahre her; nun sind die Karten neu gemischt.
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Tim

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Re: Ramularia verstehen
« Antwort #14 am: 08. April 2019, 20:22:01 »

Ist Ramularia in Sommergerste genauso ein grosses Thema?
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