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Autor Thema: Komposttee  (Gelesen 30245 mal)

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tomiq

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Re: Komposttee
« Antwort #120 am: 04. Mai 2019, 22:06:16 »

Zitat
Frei nach Spiderman: aus großen Wurzeln entstehen große Körner  :klugscheiss:  ;)

Die vom Heiner gezeigt Kultur ist Sommergerste!

Bei dieser Kultur ist die schnelle Jugendentwicklung für höchste Erträge von immenser
Bedeutung... der Spagat zwischen früher, aber dennoch bodenschonender Aussaat ist
bei dieser Kultur der Schlüssel zum Erfolg.

Von daher gebe ich dir bei allen Getreidearten recht, aber bei der Sommergerste ist die
Jugendentwicklung der Schlüssel zum Erfolg, auch auf flachgründigen Standorten ohne großen
Wurzelvolumen 

Deshalb habe ich beim Heiner seiner Sommergeste, welche mit Komposttee behandelt wurde,
nicht nur die Wurzel sonder auch den Aufwuchs betrachtet  ;)

Und falls du dich fragst, woher dieses Wissen stammt?

Wir waren, bevor wir ins Biogasgeschäft eingestiegen sind, sehr spezialisierte Sommergesten Anbauer.
Unser Standort mit braunen, schnell erwärmbaren Lössboden im Weinklima waren bzw. sind für Sommergeste
prädestiniert.

ade
tomiq
« Letzte Änderung: 04. Mai 2019, 22:23:17 von tomiq »
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Henrik

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Re: Komposttee
« Antwort #121 am: 04. Mai 2019, 22:36:36 »

Das ganze mache ich wie Tütensuppe nach Österreichischem Rezept (Weishäupel) mit einer Vortexmaschine :
600 l Wasser + 75 g BioAktiv Salz + 250 g Gesteinsmehl + 500g Malzkeimdünger(vorgeweicht)+ 0,5 l Melasse(vorgelöst)
Ausgebracht wurden in dem Fall je ha ca. 35 l + 190 l Wasser + 30 g Bor + 2 kg Spritzkalk.
Heiner
Hallo Heiner,
mal eine ganz banale Frage: Wo ist in dieser Mischung der Kompost enthalten?
Hallo Markus,
da war ich gestern abend wohl nicht mehr ganz wach  8) und habe den entscheidenden Bestandteil nicht aufgeführt : 
dazu gehören natürlich noch 2,5 kg Kompost
Für mich war bisher Komposttee ein Beutel Kompost, der in gewärmten Wasser hängt und die daraus entstehende Brühe (Tee) wird zum Spritzen abgesaugt. Danach wird wieder mit Wasser aufgefüllt...  Habe ich das falsch verstanden?

Es gibt verschiedene Wege der Zubereitung, entweder den Kompost im Gazebeutel ins Wasser hängen, dann entfällt hinterher das absieben, oder aber die Variante wie ich es praktiziere bei der der Kompost lose im Wasser schwimmt.
In beiden Fällen ist alles nach der Leerung gut zu reinigen, damit sich nicht unerwünschte Bakterien stark vermehren und dann dominieren.
Wie lange muss Deine Mischung denn vorbereitet werden, bis der gewünschte biolog. Zustand erreicht ist?

Der Ablauf sieht bei mir folgendermaßen aus :
nach dem Leeren und Säubern wird die Maschine mit klarem Wasser aufgefüllt und dieses auf 24 bis 27 Grad aufgewärmt. Dann gebe ich die Komponenten hinzu und lasse das dann ca. 36 Stunden blubbern.
Die Verweildauer ist je nach Behältergröße und Temperatur unterschiedlich. Bei kleineren Behältern reichen oftmals auch schon 24 h.
Wenn die Schaumkrone auf der Wasseroberfläche zusammenfällt, dann ist's fertig.
Geht es bei der Spritzung eher um den Boden oder die Pflanze. Für mich als Pflugbetrieb macht das schon einen Unterschied, wenn man Alle zwei Jahre wieder alles vermischt....

Die Wirkungsweise dieser kleinen Mengen ist folgende : die Pflanze wird animiert mehr Zucker zu bilden. Dadurch dass sie mehr Zucker bildet gibt sie hiervon auch mehr über die Wurzel ab, womit das Bodenleben (ibs. Mykorrhiza) in Ihrem Wurzelbereich profitiert. Wenn die Pflanze viel Zucker abgibt, gibt auch das Bodenleben mehr Nährstoffe in gut verfügbarer Form an die Pflanze ab. Daher der Wachstumsvorsprung.

Ob die Anwendung für die Pflanze jetzt schön angenehm ist, weiß ich nicht, ich glaube eher dass man das mit dem kalten Duschen bei uns Menschen vergleichen kann: die Durchblutung wird angeregt und die Abwehr gestärkt, aber es gibt auch schöneres …  ;)

Wie lange der Effekt anhält kann ich nicht sagen, aber er wird wohl durch nachfolgende Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen wieder gestoppt, bzw. verwächst sich.

Bei Pflugfurche mag es sein, dass der Effekt geringer ist, da die Besiedlungsdichte des heraufgepflügten Bodens mit Pilzen und Bakterien geringer ist.

Ein weiterer Effekt ist der, dass mit dem Komposttee der Boden auch mit Bakterien und Pilzen "geimpft" wird. Hierzu sind dann aber deutlich größere Aufwandmengen erforderlich.


Heiner

Danke für die gute Erklärungen  :D
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Euro-T

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Re: Komposttee
« Antwort #122 am: 04. Mai 2019, 23:04:58 »


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tomiq

War denn seinerzeit die Trockenheit bei euch auch schon so ein großes Thema wie heute?
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Gruß

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johndeere820

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Re: Komposttee
« Antwort #123 am: 05. Mai 2019, 10:33:25 »


Hallo Heiner,
wenn ich die Wurzeln anschauen, bin ich schon dabei, dass der Komposttee was bringt.

Falls man bei deinem Foto aber die Wurzeln gedanklich abschneidet, würde ich sagen, dass
mir die SG vom Aufwuchs ohne Komposttee besser gefällt...


Ich kann es mir nicht verkneifen  ;): die Augen einer Kuh waren dem Ackerbauern noch nie ein guter Ratgeber  ;D


Finde das auch imposant, aber wo ich da Zucker lese: war es nicht so, das wir gelernt haben, das übermässige Zuckerproduktion z.B. auch ein wie ein Magnet auf Schädlinge wirkt? Auch dem Mehltau sagt man das doch nach..
Wie beurteilen das die Experten auf dem Gebiet?

Habe das hier vor ein paar Wochen mal entdeckt:
https://www.advancingecoag.com/plant-health-pyramid

Habe das mal kurz zusammengefasst und um ein paar Gedanken ergänzt:

Es gibt 4 aufeinander aufbauende Level oder Stadien der Pflanzengesundheit. Die vollständige/komplette Photosynthese führt zu komplexeren Kohlenhydraten, erfordert aber die richtigen Nährstoffmengen. Interessant finde ich die zweite Stufe, in der es um den Proteinstoffwechsel geht. Hier wird beschrieben, dass die Pflanze Ammonium und Nitrat innerhalb kurzer Zeit in Aminosäuren und Proteine umwandelt. Der Zusammenhang zwischen Stickstoffdüngung und Anfälligkeit für Pflanzenkrankheiten ist ja schon lange bekannt. Level 3 umfasst die Lipidbiosynthese und deren Einfluss auf die Boden- bzw. Rhizosphärenbiologie. Lipide werden i.d.R. von Pilzen (Mykorrhiza!) abgebaut und verstoffwechselt. Eigentlich ist es daher nur logisch, dass über Wurzelexsudate abgegebene Lipide eben genau diese stärken. Sekundär Metabolite werden im letzten Stadium verstärkt gebildet. Systemic aqcuired resistance (SAR) und induced systemic resistance (ISR) werden da genutzt, wobei letztere nicht nur durch Pathogene, sondern auch durch andere Mikroorganismen hervorgerufen werden kann. Dadurch erkläre ich mir teilweise die Effekte einer Komposttee- oder EM-Maßnahme auf die Pflanzengesundheit.

Ich bin ja nach wie vor der Überzeugung, dass dieses komplexe Themengebiet rund um Komposttee, Mikroorganismen und die Zusammenhänge zwischen Bodenbiologie und Pflanzengesundheit noch ordentlich Potential bietet. Höhere Zuckergehalte kommen ja von höherer Assimilationsleistung. Spricht ja eigentlich dafür, tatsächlich mal ein Refraktometer anzuschaffen und Brix-Werte zu bestimmen.
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tomiq

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Re: Komposttee
« Antwort #124 am: 05. Mai 2019, 12:41:47 »

Zitat
Zitat von: tomiq am Gestern um 22:06:16

Wir waren, bevor wir ins Biogasgeschäft eingestiegen sind, sehr spezialisierte Sommergesten Anbauer.
Unser Standort mit braunen, schnell erwärmbaren Lössboden im Weinklima waren bzw. sind für Sommergeste
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tomiq

War denn seinerzeit die Trockenheit bei euch auch schon so ein großes Thema wie heute?


Hallo Oli,
wir waren schon immer eine sehr hitzige Lage, lange bevor die Wetterextreme ins Bewusstsein der
Kollegen kam.

Die am Maintal angrenzenden Ortschaften sind temperaturmäßig enorm durch den Main beeinflußt.
Dieser wirkt hier wie eine Wärmepumpe. Der für heute gemeldete Nachtfrost blieb aus und wir sind mit
+ 2 Grad durch die Nacht gekommen.

Unsere Nachbarortschaft, auch am Main angrenzend, heißt Darstadt. Das Wort Darstadt leitet sich aus dem
althochdeutschen darren ab, was mit "ausdörren, austrocknen, dörren, rösten" gleichzusetzen ist.

Und gerade im Sommergerstenanbau war dies ein enormer Vorteil, da wir hier sehr schnell im FJ befahrbare
Lössböden haben, welche dadurch in der Vegetation immer einen uneinholbaren Vorsprung hatten. Ofmals
war das Stadium EC 31 durchschritten, bevor die Trockenheit zuschlagen konnte. Dies sicherte dann
die nötigen Bestandesdichten ab, die für hohe SG Erträge notwendig sind.

Im Jahr 1995 ernteten wir hier am Betrieb erstmalig im Schnitt 80 dt Sommergersten Verkaufsware pro ha.



ade
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charlie

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Re: Komposttee
« Antwort #125 am: 05. Mai 2019, 13:02:10 »

@tomiq

Im Sommergerstenanbau (insbesondere Braugerste) in Wärmelagen auf milderen Böden bin ich ja auch nicht ganz unerfahren  ;)

Im Grundsatz hast du Recht, dass eine frühzeitige Aussaat zur optimalen vegetativen Entwicklung und damit die Absicherung der Bestandesdichte der Schlüssel zu Toperträgen mit vermarktbaren Qualitäten ist.
Jedoch ist nach meiner Erfahrung hier nicht nur die oberirdische Entwicklung sondern ebenso die Wurzelentwicklung im Auge zu behalten. Alles was hier Möglichkeiten schafft die Pflanze etwas länger über Trockenperioden zu bringen, schlägt sich meist in geringerer Trieb- bzw Ährenreduktion oder in besserer Kornausbildung nieder.
Wir haben länger mit reduzierten Bodenbearbeitungsvarianten zur SG experimentiert und wurden aber oft von der schlechteren Wurzelausbildung spätestens auf dem Drescher oder in der Mälzerei eingeholt.
Die Sommergerste verfügt von Natur aus über ein relativ schwaches Wurzelwerk, was sie besonders anfällig für Störungen im Boden bzw für mangelnde Bodenwasserausnutzung und Nährstoffaneignung macht. Fehler werden hier gnadenlos bestraft.

Ich möchte Heiner bitten uns doch gerade über die weitere Entwicklung der Gerste, das Krankheitsgeschehen und auch im Abschluss über die erzielten Erträge und Qualitäten in beiden Varianten auf dem Laufenden zu halten.
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Gruß

Charlie

Nicht immer sind die, die das Gras wachsen hören, auch bereit, es zu mähen.

nofear

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Re: Komposttee
« Antwort #126 am: 05. Mai 2019, 15:28:52 »


Wir waren, bevor wir ins Biogasgeschäft eingestiegen sind, sehr spezialisierte Sommergesten Anbauer.
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ade
tomiq

War denn seinerzeit die Trockenheit bei euch auch schon so ein großes Thema wie heute?

Ich denke ich weiß worauf Du anspielst. Aber:

Lehre aus dem Vorjahr: Die Sommergerste (Mulchsaat nach Mais mit (schwacher) Weidelgrasuntersaat und Glyphosateinsatz nach deren Überwinterung im Frühjahr) war bei mir von allen Getreidearten die, die am wenigsten im Ertrag eingebrochen ist. Obwohl die spätere  Entwicklung (anders als bei WG z.B.) genau in die große Trockenheit fiel.
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„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ (M. Gandhi)

„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.” (R. Niebuhr)