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Autor Thema: Landwirtschaft in Kanada  (Gelesen 230760 mal)

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Der_Oberfranke

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #780 am: 09. Juli 2019, 06:35:34 »

Servus Georg!

Zitat
Augescheinlich ist die ja neu, weil Du ja schreibst: "Die kam so mit der Direkteinseisung..."

Relativ neu auf dem Hof, aber gebraucht. Kam wie so viele Maschinen von einer Auktion und hat das verbaut. Letztlich ist das ne 50.000 CAD Dollar Option, sprich wenn man das Geld in die Hand nimmt sollte man schon 100% davon überzeugt sein und die Möglichkeit dann auch wahrnehmen.

Zitat
Interesanter wäre zu wissen ob die auch mit den neuen elektrisch pulsierenden Düsen und dadurch auch mit Einzeldüsen Abschaltung ausgestattet ist?

Nein. Denke generell gab es die technische Möglichkeit dazu erst bei der neueren Serie, denke das war für die 40er Serie noch nicht verfügbar.

Zitat
Zu Deiner Anmerkung "Fliegeschiss Deutschland". ja ist vieleicht richtig so.
Und ganz nebenbei, Deutschland entwickelt udn produziert derzeit (Im Wert) fast 12% der weltweiten Landmaschinen.
So klein ist der "Fliegenschiss" dann gar nicht..... ;D

Mir ist klar von was du redest...und ich stimmt dir da auch zu 110% zu. Ich provoziere nur ab und zu etwas gerne in Diskussionen..., provozieren nicht im "aggressiven" Sinn, sondern eher im Sinne von die Diskussion bissl ankitzeln und schauen wo es hinführt.... ;D

Zitat
Ja, Du arbeitest sicherlich auf einer sehr schönen Farm (zumindest an 100 Tagen im Jahr)

Denke die Farm ist auch an den anderen 265 Tagen des Jahres schön. Und an den 100 Tagen des Jahres in denen ich nicht hier bin verpasst man wahrlich nichts...außer man will seinen Ar*** tieffrieren.... ;) :)...und zum Beladen von paar LKWs während der Wintermonate bin ich etwas zu teuer. Hat glaub ich schon seinen Grund warum die meisten Farmer hier ihren Winter in den Staaten unter Palmen verbringen.

Zitat
Wie lange wird auf diesem Betreib schon so intensiv mit Glypho gearbeitet?

Letztlich "überschaubar". 1996 wurde die Farm gekauft mit damals 200 Hektar. Innerhalb der letzten gut 20 Jahre auf nun 2.500 Hektar vergrößert. Und die ersten Jahre nur im Nebenerwerb geführt mit Grassamenvermehrung. Also sagen wir mal 15 bis maximal 20 Jahre. Irgendwas um den dreh.

Zitat
1. Die Problematik des Masidurchwuchses im Soja. Man muss im Soja trotzdem ein Herbizid einsetzen um den Mais abzutöten da ja Glypho nich twirkt, also kann man gleich auf GMO verzichten.

Jupp...., davon konnte ich mir letztes Jahr selbst schon ein Bild machen.

Zitat
3. Und das ist scheinbar das größere Problem, sind die Glypho resistenzen die nun nahc ca 30 JAhren bei vielen Unkräutern auftreten. Für mich eine Sch :frage:lussfolgerung: Man kan machen was man will, die Natur regelt es von selbst oder "schlägt zurück".....

Mir sind die Schattenseiten durchaus bewusst. Und deine Argumente sind nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Letztlich geht es bei der ganzen Diskussion auch nicht nur um Resistenzen sondern auch um die Frage "was kommt nach Glyphosat"? Die Direktsaat, wie man sie bisher in der Region kennt wird ohne das günstige Totalherbizid Glyphosat nicht mehr in der Form existieren können fürchte ich.

Zitat
Man muss sich ja nur die Ackerfuschschwanzproblematik in Mitteleuropa anschauen.

Das lässt sich in etwas mit der Flughafer problematik vergleichen. Das sind Problemstellungen an denen die konventionelle Denkweise zunehmend an ihre Grenzen stößt. Ich versuche zwar seit Jahren das Bewusstsein für den integrierten Pflanzenschutz etwas zu verstärken..., aber das braucht Zeit. Und ehrlicherweise muss man sagen, das sehr häufig einen auch das harte Klima hier einem einen Strich durch die Rechnung macht. Prinzipiell könnte man mechanisch (z.B. durch Striegeln nach der Ernte) einen ganzen Schwung von dem Flughafer zum Auflaufen bringen..., nur in vielen Jahren bekommen wir nichtmal die Bedingungen dazu.


Zitat
Du schreibst das Ihr nahezu die komplette letzte Ernte noch in den Silos habt weil der Preis bisher nicht gepasst hat.

Jo. Aber daran sollte man jetzt nicht die Argumentation aufbauen..., ist nicht so, dass das die Regel wäre.

Zitat
Im kaufmännischen Bereich gibt es das Schlagwort: "Nach Marktbedürfnissen produzieren"!

Glaube der Grundsatz sollte jedem bewusst sein, der irgendwie im produzierenden Business tätig ist... ;)


Zitat
Ich kann Dir eine ganze Reihe Nordamerikanische Betriebe nennen, die aeit sie "Glyphofrei" produtzieren, in den letzten Jahren richtig gutes Geld zusätzlich verdient haben. Produkte aus Glyphofreien Anbau sind in verschiedenen Teilen der Welt (Japan, Europa etc.)derzeit gesucht und haben gute Preise.

Jo. Nur ist es immer schwierig Vergleiche zu ziehen und ein Szenario das für Betrieb A funktioniert versuchen 1:1 auf Betrieb B zu projizieren. Dafür gibt es in der Landwirtschaft einfach viel zu viele Variablen respektive Produktionsfaktoren die sich von Betrieb zu Betrieb, von Region zu Region massivst unterscheiden können.
Wie gesagt, ein Faktor ist schonmal der, der Direktsaat. Direktsaat steht oder fällt nicht zwingend mit Glyphosat - aber die Durchführung ohne Glyphosat wird definitiv anspruchsvoller. Und klar, als gute Geschäftsleute sollte man immer auf der Suche nach Alternativen sein, wir haben uns auch die letzten Jahre mit Alternativen beschäftigt. Die bessere und vermutlich langfristig rentablere Nische würde ich dabei dann tatsächlich im ökologischen Anbau sehen, was aber nochmal enorm größere Hürden bereit halten würde (aber definitiv machbar ist), vorallem in der viehlosen Landwirtschaft...und dann müsste man sich definitiv vom NoTill-Gedanken komplett verabschieden. Wobei davon auzugehen ist, das ohne Glyphosat wahrscheinlich nicht generell, aber definitiv situationsbedingt wieder mehr Bodenbearbeitung nötig wird. Nur gleichzeitig erkauft man sich auch mit so einer Betriebsstrategie wieder nen ganzen Sack voll anderer Nachteile, die du ja z.T. schon aufgezählt hast. Wenn gleich es einen Betrieb in der Nähe gibt, der beweist, dass das ganze betriebswirtschaftlich und ackerbaulich sinnvoll und auch halbwegs nachhaltig machbar ist.

Tatsächlich ist es aber der Weg, den scheinbar der größte Prozentsatz der wenigen Betriebe die von Schema F abweichen einschlagen. Denn tatsächlich ist es so, dass man mit dem Verzicht auf Glyphosat, den extrem größeren Absatzwegen (denn auch Non-GMO kann ich nichtmal eben beim Landhandel um die Ecke vermarkten) und der Notwendigkeit von mehr Bodenbearbeitung schon knapp den halben Weg dorthin gegangen ist. Also bedarf es wirklich der Überlegung nicht komplett in den sauren Apfel zu beißen, die Zahl der Nachteile noch etwas zu erhöhen, aber dafür auch gänzlich alle Vorteile zu genießen.


Zitat
Bitte versteh mich richtig. Der Eigentümmer der Farm auf der Du derzeit arbeitets macht anscheinend derzeit alle richtig, sonst könnte er ja Deinen Monatslohn nicht zahlen.

Natürlich. Die Zahlen lügen nicht. Finanziell steht der Betrieb bombenfest da.
Aber ich versteh was du sagen willst. Und wie gesagt, ich sehe durchaus die Probleme in der Vorgehensweise und denke auch, dass bedingt durch diverse Faktoren (Verbraucher, Politik,....) ab nem gewissen Punkt ein Umdenken nötig werden wird. Wie das aussehen wird, weiß vermutlich noch niemand. Letztlich trifft das von mir geschilderte Schema ja auf 99,5% der Betriebe in Westkanada zu. Ich denke, dass in einigen Jahr(zehnt)en definitiv mehr Individualtitä in den Betriebsstrategien zu sehen sein wird.

Meine Zeit in Kanada wird mit dieser Saison zu Ende gehen. Hätte ich mich für eine Zukunft in Kanada oder evtl. für die Übernahme des Betriebs in irgendeiner Form entschieden hätte ich mit Sicherheit versucht meine Fühler in diverse Richtungen auszustrecken. Denn momentan gibt es hier viel Potential sich von der Mainstream-Produktion abzulösen, nur braucht es dafür auch Mut...und man muss auch die Gründe sehen und verstehen warum der Mainstream so ist wie er ist, anders wird man kein erfolgreiches Alternativkonzept erarbeiten können. Es hat schon seine guten Gründe warum Dinge hier so laufen wie sie laufen. Z.B. würden sich mit der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft/Non-GMO/Glyphofrei (nur mal ein Beispiel der alternativen Betriebsführung) die Vermarktungswege in etwa VERZEHNFACHEN!!!. Weiterhin würde ich definitiv davon ausgehen, dass die Umstellung auf Bio zwangsläufig mit dem Verlust von Pachtflächen einhergehen würde, denke einige Verpächter wären von dem Gedanken nur geringfügig beeindruckt. Unser wichtigster und größter Verpächter würde vermutlich nichtmal von der glyphosatfreien Produktionsidee begeistert sein. Aber um diese ganzen Dinge zu verstehen muss man die Eigenheiten der Region und der dortigen Produktion kennen..., sowas von Europa oder Deutschland beurteilen zu wollen ist unmöglich. Und auch kann man unsere Lage hier keineswegs mit den USA vergleichen..., dafür hab ich schon zuviel von der Welt gesehen. Alleine die Infrastruktur ist hier nochmal auf nem ganz anderen Level als vielerorts in den USA.
« Letzte Änderung: 09. Juli 2019, 07:13:54 von Der_Oberfranke »
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wollomo

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #781 am: 09. Juli 2019, 08:00:57 »

Kommen denn noch europäische Auswanderer in Kanada an und übernehmen einen Betrieb? Inserierte Betriebe, mit relativ guter Gebäude- und Flächenausstattung, gibt es ja genug in diversen Portalen. Die Preise für einen "schönen" Betrieb sind ja teilweise auch relativ verlockend.
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