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Alles rund um den Betrieb => Betriebsmittel => Thema gestartet von: Gameorg am 04. März 2019, 14:56:23

Titel: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: Gameorg am 04. März 2019, 14:56:23
Liebe Kollegen!

Wir haben über einen deutschen Händler heuer Maissaatgut bestellt (Sorte DKC 3939), in der Erwartung gute deutsche Qualität zu bekommen. Das Angebot war sehr interessant, weil die Sorte direkt von Dekalb kommt und wir uns so ca 9 € Pro Packung ersparen im Vergleich zu Ware aus Linz (82 € anstatt 91). Bei mehreren Paletten durchaus einiges an Geld.

Die Ware ist mittlerweile angekommen:

Ursprungsland Ungarn
Packung (50000 Korn) 11,2KG - 12KG
Abgepackt August 18 bzw Oktober 18.

2 Dinge die mich direkt stören. Ziemlich niedriges TKG oder? Das muss sich am unteren Limit von zulässiger Ware bewegen? Mittlerweile habe ich auch Werte von der österreichischen Ware erhalten, 14-16KG pro Packung, also die Qualität die ich eigentlich erwartet habe. Weiters stutzig macht mich der Abpacktermin. Die erste Charge ist garantiert Ware vom Vorjahr, auch wenn heuer Ende August gedroschen wurde, zweifle ich daran, dass so schnell abgepackt werden kann.

Ich habe mittlerweile 2 Proben zum Kalttest zur AGES geschickt und sollte diese Woche die Ergebnisse erhalten.

Generell würden mich aber eure Erfahrungen interessieren und was ihr zur gelieferten Qualität sagt.

Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: wernerzwo am 04. März 2019, 16:57:10
Meist bekommt man die Ware, die den Preis wert ist den man bezahlt hat...

Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: Thomas am 04. März 2019, 20:04:40
Moin,

Ursprung Ungarn ist absolut nichts gegen zu sagen. Das Erzeugerland hat auf die Qualität keinen Einfluss, denn die Saat muss den Zulassungsbedingungen entsprechen.

82 € ist nun nicht der Knaller dieses Planeten, das ist hier ein ganz normaler Preis (jedenfalls für mich). Für den Wettbewerber mag das günstig sein.

Welches Kaliber ist dort angegeben? Das Packungsgewicht ist in der Tat niedrig. Ob sich daraus nun eine schlechtere Qualität herleiten lässt, halte ich zumindest für fragwürdig. Ich hatte schon mal gelesen, dass das TKG ohne EInfluss auf den Feldaufgang ist. Überjährige Ware ist abhängig von der Beize und von der Lagerung. Mesurol ist da nicht so der Knaller, bei uns wurde Mesurol nie überlagert.

Gruß
Thomas
Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: ct am 04. März 2019, 20:12:24
Überjährige Ware ist abhängig von der Beize und von der Lagerung. Mesurol ist da nicht so der Knaller, bei uns wurde Mesurol nie überlagert.

Mache ich jedes Jahr (Mal eine Tüte, mal auch fünf..), bisher auch immer mit Mesurol. Hab keine Lust bei der Aussaat trocken zu laufen. Noch nie Schwierigkeiten damit gehabt.
Was nicht bedeuten soll, dass man sich überlagerte Ware andrehen lassen muss.
Die ganze Problematik mit dem Verkäufer jetzt gleich ansprechen, alles dokumentieren und dann mal sehen ....
Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: Thomas am 04. März 2019, 20:16:21
Es ist nicht so, dass es nicht geht. Aber die KF leidet mehr oder weniger. Beize (und besonders Mesurol) ist nunmal Gift. Ich habe hier Betriebe, die drillen fast nur überlagerte Ware (vom Wettbewerb) und ernten auch was. Da kriegst du dann aber halt 2 Paletten gemischte Partie irgendwas. Muss jeder selbst wissen.

Gruß
Thomas
Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: Foerdi am 04. März 2019, 21:35:34
Es ist nicht so, dass es nicht geht. Aber die KF leidet mehr oder weniger. Beize (und besonders Mesurol) ist nunmal Gift. Ich habe hier Betriebe, die drillen fast nur überlagerte Ware (vom Wettbewerb) und ernten auch was. Da kriegst du dann aber halt 2 Paletten gemischte Partie irgendwas. Muss jeder selbst wissen.

Gruß
Thomas

Da fällt mir ein: es gab mal einen Kunden von meinem Chef, der hatte oft schon offene Maissaatsäcke mit "bunten" Körnern stehen. Immer sehr kurios. Ich möchte nicht wissen wo das her kam ...  :police:
Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: Gameorg am 05. März 2019, 10:15:19
Moin,

Ursprung Ungarn ist absolut nichts gegen zu sagen. Das Erzeugerland hat auf die Qualität keinen Einfluss, denn die Saat muss den Zulassungsbedingungen entsprechen.

82 € ist nun nicht der Knaller dieses Planeten, das ist hier ein ganz normaler Preis (jedenfalls für mich). Für den Wettbewerber mag das günstig sein.

Welches Kaliber ist dort angegeben? Das Packungsgewicht ist in der Tat niedrig. Ob sich daraus nun eine schlechtere Qualität herleiten lässt, halte ich zumindest für fragwürdig. Ich hatte schon mal gelesen, dass das TKG ohne EInfluss auf den Feldaufgang ist. Überjährige Ware ist abhängig von der Beize und von der Lagerung. Mesurol ist da nicht so der Knaller, bei uns wurde Mesurol nie überlagert.

Gruß
Thomas

Danke mal schon für eure Antworten. Vorweg, ich bin mir relativ sicher, dass es kein überlagertes Saatgut ist, sondern überlagerte Rohware die dann eben 08-10/2018 abgepackt wurde. Ich finde keine Hinweise auf Neuversiegelung usw. Das altes Saatgut neu abgepackt wird, glaube und hoffe ich ja doch nicht ;). Überlagerte Ware müsste auch wesentlich günstiger sein, dafür bezahlt man bei uns so um die 65 €.

Gebe ich dir Recht, dass gegen das Ursprungsland absolut nichts zu sagen ist. Viele Hersteller lassen europaweit produzieren. Allerdings ist das Saatgut auch in Ungarn zugelassen worden und jetzt aus Deutschland geliefert, das macht mich in Kombination mit den niedrigen Eigenschaften eben stutzig. Die Zulassungsstandards sind sicher nicht ganz einheitlich europaweit.

Mit Kaliber meinst du die Standardkorngröße oder? Soweit ersichtlich wurde die nicht angegeben. Allerdings ist das Korn sehr klein, siehe TKG.

Die Hauptinformationen sind Datum der Verschließung (08-10/2018) und Packungsgewicht 11,2-12 KG. Was eben einem TKG von 240-224 entspricht. Ansonsten sind Herstellernummer, Sorte usw gelistet.

@Preis: Ich habe von 3 Händlern Angebote einholen lassen. DKC3939 in Österreich jeweils 91-92 Euro. Von Dekalb direkt kam eben dieses Angebot um 82 € (inkl. Transport). Bei der Menge die ich nehme macht das einiges aus. Nur hoffe ich hald, wegen der 9 €/PKG jetzt nicht Minderqualität erhalten zu haben, was Keim & Triebkraft angeht. Da wollte ich eben eure Meinungen hören.

In der Literatur ist tatsächlich wenig zu TKG und Triebkraft zu finden. Was geschrieben wurde ist, dass kleineres Korn weniger Wasser braucht zum ankeimen, aber dann eben auch insgesamt weniger Start-Wachstumspotential hat wenn dann kein Wasser nachkommt.

Freitag erfahre ich die Ergebnisse der Kalttests. Dann werden wir sehen ob die Überlagerung bzw. niedriges TKG Einfluss hat auf die Triebkraft.
Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: Thomas am 05. März 2019, 15:23:58
Normalerweise wird das Kaliber angegeben (S oder M oder sowas).

Mais als Rohware lässt sich bedenkenlos über Jahre (!!!!!) lagern (sachgerecht setze ich voraus). Das ist auch absolut normal und das macht JEDE Saatgutfirma. Aber eben Rohware und kein gebeiztes Saatgut. Faustzahl lautet: 10 % als Rohware im Lager haben.

Gruß
Thomas
Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: Gameorg am 08. März 2019, 11:46:52
Update

Die Charge von 08/18 (240TKG) hat eine Triebkraft von 66% (Kalttest)

Die Charge von 10/18 (224 TKG) hat eine Triebkraft von 88% (Kalttest)


Meine Vermutung ist, dass eine Beize im August einfach zu früh ist und in Kombination mit dem niedrigen TKG und der Tatsache dass es 2017er Rohware ist zu so einem Ergebnis führt?
Was denkt ihr über die Werte der 2. Charge? Bis zur Saat sind es noch knappe 1 1/2 Monate.

Ich tendiere eher dazu, dass ganze komplett zu stornieren. Wer mir solche Ware liefert, dem möchte ich eigentlich nichts mehr abnehmen und allerbeste Qualität ist 88% auch nicht.

Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: Bauer100 am 08. März 2019, 12:09:52
Bei der Triebkraft würde ich alles wieder stornieren.... 66 % geht gar nicht, 88 % ist grenzwertig.
Ich würde mal sagen, da haben die einen Dummen gesucht.....
Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: Thomas am 08. März 2019, 13:08:09
Bei der Triebkraft würde ich alles wieder stornieren.... 66 % geht gar nicht, 88 % ist grenzwertig.
Ich würde mal sagen, da haben die einen Dummen gesucht.....

Wäre auch meine Meinung. Das geht nicht und du hast schlechte Ware. Es gibt ja noch Saatgut.

Gruß
Thomas
Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: Meisteringenieur am 08. März 2019, 14:22:06
Ich habe heute auch einen Teil Maissaatgut erhalten.
Dekalb aus Frankreich 12/2018 und Ragt aus Frankreich 01/2019.
TKG, Gewicht und Kaliber steht nirgends drauf.

Wir haben aber letztes Jahr sogar 5 Jahre altes Mesurol Saatgut gelegt und es gab keinen augenscheinlich schlechten Feldaufgang.
Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: Gameorg am 12. März 2019, 17:19:01
Update:

Nach dem Testergebnis hat sich der Sortenvertreter von Dekalb relativ einsichtig gezeigt und eine Abholung versprochen. Ich habe mich dann für eine Abholung der gesamten Ware eingesetzt, da ich mir wohl eigens kleinere Sähscheiben holen müsste für die 11,2KG Ware.

Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: Schorsch am 13. März 2019, 08:13:38
Vor der Aussaat von überlagerten Mais-Saatgutresten (bei mir alles mit Mesurol), setze ich immer eine Keimprobe an. Gelegentlich gab es schon Partien, die ich wegen schwacher Keimung entsorgt habe. In 9 von 10 Fällen ist alles in Ordnung. Die Triebkraft von so getestetem Saatgut war im Feld bisher immer unauffällig.
Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: wernerzwo am 15. März 2019, 09:10:01
Im aktuellen Versuchsbericht 2018 der HLS Rotthalmünster ist ein Versuch über gute / schlechte Partien mit / ohne Mesurol bei vier verschiedenen Saatzeitpunkten.

Ganz grob:
Minderertrag bis zu 9 dt/ha Körnermais möglich bei schlechten Kaltestwerten
Minderertrag bis zu 5 dt/ha Körnermais bei Verzicht auf Mesurol

Werte beziehen sich auf trockene Ware!
Da 2018 beim Auflaufen des Maises vermutlich ein nahezu perfektes Jahr war, sollte es bei schwierigen Bedingungen noch größere Streuungen geben...

Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: Meisteringenieur am 15. März 2019, 18:09:39
Was ist ein Kalttestwert?
Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: wernerzwo am 15. März 2019, 18:41:28
https://www.maiskomitee.de/Produktion/Saatgut/Qualität

Kurz gesagt, Keimfähigkeitstest unter verschärften Bedingungen.
Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: Gameorg am 16. Mai 2019, 13:37:35
Update:

Nach dem Testergebnis hat sich der Sortenvertreter von Dekalb relativ einsichtig gezeigt und eine Abholung versprochen. Ich habe mich dann für eine Abholung der gesamten Ware eingesetzt, da ich mir wohl eigens kleinere Sähscheiben holen müsste für die 11,2KG Ware.


Abschließend nochmal zum Fall:

Die Rücknahme war nochmals eine sehr schwere Geburt da sich Dekalb nicht so kooperationsbereit zeigte und erfolgte hauptsächlich aufgrund des Drucks meines Zwischenhändlers die Rücknahme akzeptiert hat. Der direkte Verkaufsansprechspartner hatte sich kooperationsbereit gezeigt, dessen Chef wollte die Ware aber absolut nicht zurücknehmen, trotz der angesprochenen Testergebnisse - Und wollte mir die Erlaubnis, die Ware zu prüfen absprechen (die ich vom Verkaufspartner erhalten habe).

Die Ware hatte definitiv schonmal einen Betrieb vor mir gesehen, weil viele Säcke zugeklebt waren. Wir haben jetzt auch absolute Kalttestbedingungen auf den Feldern, insofern bin ich nur froh, dass es geklappt hat.


Mein Fazit: Zukünftig lieber ein paar Euro mehr zahlen und auf langjährige Partner, die in der Nähe sind vertrauen. Dort ging ein Umtausch bisher immer sehr unproblematisch. Auch eine Restware (immerhin 19 Säcke) wurde zurückgenommen.
Titel: Re: Problemfall: Maissaatgut Qualität
Beitrag von: wernerzwo am 16. Mai 2019, 13:43:08
Billig ist nicht immer preiswert!