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Autor Thema: Zukünftig Bio ?  (Gelesen 12790 mal)

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Henrik

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Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #30 am: 17. Juli 2019, 08:55:43 »

Bio hin oder her.....

nicht alles im Bioanbau ist schlecht....durch den Bioanbau ist mit Sicherheit auch manches Querdenken in die Landwirtschaft als solches hineingetragen worden, was durchaus sinnvoll ist...immer nur den vorgegebenen Weg weiter gehen, das führt auch in eine Sackgasse.

Problematischer wird es, wenn wir uns mit dem Markt beschäftigen....dieser gibt in D einfach nicht die 30% Absatz her, da ist die Abstimmung an der Ladentheke eindeutiger als an der Wahlurne.

Darüber hinaus haben wir da noch ein Problem....die "Pfiffigen" im Ausland haben schon länger entdeckt, dass wir in DE eben einen Biotrend haben. Wenn der Bioweizen hier 40 Euro (Beispiel) kostet, dann sind 2 Euro Fracht je dt halt nur 5 % des Warenwertes. Bei Konvi. Weizen mit 16 Euro sind es halt dann gleich 12,5 %.
Noch krasser ist es bei Produkten wie Milch.....da ist der Transportkostenaufwand im Vergleich zum Warenwert noch geringer....
Somit ist der Hebel Bio-Ware hier her zu exportieren immer ein recht hoher, da es genug Regionen in Osteuropa gibt, die aufgrund ihrer natürlichen Rahmenbedingungen und Strukturen (und Nutzungkosten Boden) billiger produzieren können als wir es. Die großen Verlierer des "Biobooms" sind letztlich die Biobauern, die schon lange (aus "Überzeugung") ihre Betriebe umgestellt haben.....Wenn die nicht Nieschen (Spezialitäten und Direktvermarktung) haben, dann gehen die genauso unter, wie der Rest der dt. Landwirtschaft.

Bio und Regionalität wäre noch ein Option dagegen zu steuern, aber wieviel Verbraucher interessiert wirklich konkret wo das schön verpackte Produkt mit Biosiegel denn wirklich her kommt?

Umstellung auf Bio (habe ich auch lange durchgespielt für meinen Betrieb)...bedeutet für mich
+ ich bin wieder ein GUTER!
+ ich habe eine besondere Herausforderung (das hat schon irgendwie einen Reiz...)

- erhebliche Investitionen (Änderung Drilltechnik, Hacken, "Pflegeschlepper"...) ---- das freut vorallem die Industrie (warum schwenkt z .B. Horsch da auch um?....da kommt ein großer Markt...)
- sehr große Unsicherheit am Markt (meiner Meinung nach werden die Preise für Ware mit guten Qualitäten als "Leuchtturmpreise" bleiben, nur wird es keiner schaffen diese LeuchtturmWerte zu erreichen....da ein bisschen DON, dort ein bisschen Besatz, da zu wenig Protein, dort zuviel Mutterkorn.....die Ware wird gehandelt werden.....nur nicht zu den Preisen wie es uns die Bioland-Standartdeckungsbeiträge als Verkaufspreis suggerieren)

Wir brauchen uns nichts vormachen, die meisten Betriebe die sich nun wie wild auf Bio schmeißen...die werden in ein paar Jahren vor einem Scherbenhaufen stehen....Vor dem Scherbenhaufen stehen wir (Landwirtschaft) aber schon länger.....es wird halt irgendwie mit Hilfe von noch mehr Kapitalvernichtung versucht die Katastrophe hinauszuzögern...

Die DE-Landwirtschaft hängt am Tropf....und wird davon auch nicht mehr wegkommen. Ein Teufelskreis.

Ja sehe ich ähnlich. Nur wird der tropf demächst eher leerer als voller werden, und das wird am Ende alle treffen. Den Strukturwandel wird es nur beschleunigen, so traurig wie das ist!
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wollomo

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Re: zukünftig Bauer! Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #31 am: 17. Juli 2019, 09:17:29 »

@ stubbendiek: volle Zustimmung, wer Dich kennt weiss das Du das aus erfErfahrung und nicht vom warmen Sofaplatz herunter schreibst!

Nach dem Besuch bei unserem Freund farming.ch im Anschluss an einen von der abnehmenden Hand finanzierten Bioackerbautag in der Schweiz habe ich mich gefragt wohin dieser Weg führt. Mittlerweile sind zwei Jahre vergangen, und was mir von den Schweizer Kollegen berichtet wurde ist genau der Weg den hier viele beschreiten. Immer mehr Abhängigkeit von staaatlichen Zahlungen und Vorgaben, immer weniger Produkte der Gesellschaft anbieten und die angeblich geschlossenen Kreisläufe erhalten Inputs die jeder Insider schon lange kennt.
Schlimm für Bauern die aus Überzeugung und mit Ehrlichkeit schon lange Ökolandbau produzieren, denen die Märkte und Fördermittel von Kollegen mit Negativmotivation strittig gemacht werden.
Bio als Notnagel, Betriepsperspektive aus Negativprognosen heraus? Sorry, ich bin nicht "auf der Flucht"!
Sehr hilfreich war für mich das Buch "Die Ignoranten" . Da ist einer in die selbe uralte landwirtschaftrliche Kultur eingestiegen in die ich gerade Zeit und Geld investiere, er betreibt es sogar Bio aber er verwendet weder Siegel noch Zertifikate.
Und versucht mal eine Flasche von Richard Leroux zu kaufen....
Macht Euch nicht abhängig von Halm, Ku-schlapp und wie die Prämien alle heissen mögen; last euch nicht von coop und Lidl erzählen wie Ihr produzieren sollt.
Du schreibst sehr viel Richtiges! Bio war früher eben etwas für "Pioniere", mussten sich um den Anbau aber auch um die Vermarktung kümmern. Damals gab es eben noch keine Biosupermärkte oder Biomarken im Supermarkt. Beides hat sich bereits geändert. Für die biologische Landwirtschaft gibt´s heute Maschinen, KnowHow, und Vermarktungslösungen. Wenn man möchte sogar alles aus einer Hand. Dadurch springen eben immer mehr auf den Zug auf und aus einer Nische ist eben ein Massenprodukt geworden. Das Massenprodukt "Bio"  unterliegt aber eben den gleichen Zwängen wie konventionelle Produkte. Der Preis wird in den nächsten Jahren sicher abschmieren. Fraglich ist eben ob sich das durch bessere Technik und dadurch steigende Erträge kompensieren lässt?!
Meiner Meinung nach sind zu viele (Bio und Konvi) Schafe, gehen den Weg des geringsten Widerstands. Hier im Forum aber auch am "Stammtisch" geht es nur um Steigerung der Effizienz, also mehr Fläche mit weniger Aufwand bewirtschaften bzw. noch ein wenig Ertrag heraus zu kitzeln. Wenn ich in de realen Welt sehe mit wie viel Kapitaleinsatz nur minimale Verbesserungen erreicht werden, dann komme ich wirklich ins Grübeln. Warum nicht die Seite der Vermarktung angehen? Die Vermarktung spielt in allen Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsbetrieben die zentralste Rolle. Warum nicht in der Landwirtschaft?
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DerJo

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Re: zukünftig Bauer! Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #32 am: 17. Juli 2019, 10:35:58 »

last euch nicht von coop und Lidl erzählen wie Ihr produzieren sollt.

Darum wird leider kein Weg herum führen.

Wir können nicht auf Dauer gegen die gesellschaftliche Stimmung produzieren.
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Euro-T

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Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #33 am: 17. Juli 2019, 10:43:02 »

Wurde imho viel richtiges geschrieben hier.

Warum ich nicht umstellen will/würde?

Weil es mir einfach zu riskant ist - noch riskanter, als Konvi zu bleiben.

Ich würde mich in völlig neues, unbekanntes Fahrwasser begeben, müsste Investitionen in unbekannte Technik tätigen, Vermarktung neu aufbauen und organisieren und das alles in einen Markt, dem in Kürze das gleiche blüht wie dem, in dem ich mich wenigstens auskenne? Und last but not least hätte ich einfach keinen Spaß daran - das alleine (wobei genau das eigentlich einer der wichtigsten Faktoren zum Erfolg ist!) wird vielen anderen schon das Genick brechen, die den Wechsel zu Bio als letzten Anker gewählt haben.

Nene, lass man gut sein...

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~~ Olli

Ansgar

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Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #34 am: 17. Juli 2019, 11:11:27 »

Wurde imho viel richtiges geschrieben hier.

Warum ich nicht umstellen will/würde?

Weil es mir einfach zu riskant ist - noch riskanter, als Konvi zu bleiben.

Ich würde mich in völlig neues, unbekanntes Fahrwasser begeben, müsste Investitionen in unbekannte Technik tätigen, Vermarktung neu aufbauen und organisieren und das alles in einen Markt, dem in Kürze das gleiche blüht wie dem, in dem ich mich wenigstens auskenne? Und last but not least hätte ich einfach keinen Spaß daran - das alleine (wobei genau das eigentlich einer der wichtigsten Faktoren zum Erfolg ist!) wird vielen anderen schon das Genick brechen, die den Wechsel zu Bio als letzten Anker gewählt haben.

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Deswegen tätige ich auch immer die Aussage: "Bio ist der Einstieg in den Ausstieg! "
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NobbyNobbs

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Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #35 am: 17. Juli 2019, 11:29:06 »

Ich meine, das ist auch alles ein Chance. Ich würde es letztendlich irgendwann nicht aus Überzeugung tun, sondern weil ich einfach "gelb" bin und die Fahne in den Wind hänge, wenn ich daraus Kapital schlagen kann. Dann mache ich den ganzen Zirkus eben irgendwann mit und bin nur noch auf dem Papier Landwirt. Das ist zwar DIE Abzocke am Steuerzahler schlechthin, aber es ist ja so gewollt.
Wenn ich einfach nur nichts machen, außer alle Programme mitmachen, würde, dann könnte ich davon leben. Ohne:

- Risiko
- Stress
- Sorgen
- Mühen

Je nach dem wie sich bei mir alles andere entwickelt, kann das irgendwann Realität werden.
Rein wirtschaftlich wäre es vielleicht sogar fast sinnvoll. Der Grund ist einfach nur: Ich mache gerne richtigen Ackerbau und bin mit Herz dabei. Ruhiger hätte ich es aber wahrscheinlich anders.
Was ich definitiv niemals machen würde, wäre sowas wie Bioackerbau. Also entweder "richtig" wie bisher oder eben alles maximal arbeitsextensiviert und prämienoptimiert.
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NobbyNobbs

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Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #36 am: 17. Juli 2019, 11:33:06 »

Vor allem: Man kann alle Maschinen verkloppen, muss nichts investieren oder riskieren. Man braucht keine Leute mehr beschäftigen, nichts...ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt noch ein Gebäude oder eine Klamotte darumstehen hätte. Einfach alles verballern, den Aufwuchs ab Feld verkaufen, das sollte die Pachten decken. Ansonsten nur schauen, dass man von der Prämie nichts betrieblich ausgibt. Steuern abziehen und fertig. Beste Leben.  ;D Geht schon.
Ab jetzt unterstütze ich einfach die Grünen an allen Fronten, dass sie noch mehr Schwachsinnsprogramme aus dem Boden stampfen und mich für's Nichts-Tun fürstlich entlohnen.
« Letzte Änderung: 17. Juli 2019, 11:35:16 von NobbyNobbs »
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Georg

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Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #37 am: 17. Juli 2019, 11:44:28 »

Eigentlich vieles richtig wie genauso falsch was zu diesem Thema hier geschrieben wird.

Ich hab genau zu diesem Thema 1982 meine Meisterarbeit geschrieben. Einfach weils mich damals brennend interessiert hat.

Thema war: Die Wirtschftlichkeit der Umstellung eines Fränkischen Vollerwerbsbetreibes auf Bio.

Ich hab mir letzten Sonntag die Arbeit wieder mal durchgelesen....

Wenn man ein paar Zahlen auf den heutigen Stand anpassen würde, gilt die Arbeit noch heute zu 100%

Um es kurz zu machen hier mein Schlusssatz der Arbeit:

Ein Betrieb, der am Rande des Existenzminimums steht, wird mit der Umstellung auf Bio wird mit großer Wahrscheinlichkeit noch schneller am Ende sein.
Ein gut laufender Betrieb, wird mit der Umstellung auf Bio mit großer Wahrscheinlichkeit noch wirtschaftlicher sein.

Ich hatte in der Arbeit sehr viele Faktoren mit einfließen lassen. Bodenqualität des Betreibes, Infrstruktur, kaumännisches Verständis der Betreibsleiter etc. etc.

Fakt ist halt, in den letzen ca 30 Jahren konnte man mit einem guten Chmieindustrieberater und entsprechender Landtechnik sehr viele "Unzulänglichkeiten" kompensieren..... Wichtig war halt das man das Variogetriebe richtig bedienen konnte und die richtige Menge Chemischer Mittel so gut wie möglich gut auf dem Feld verteilt hat.

Im Moment, und das war mein Eindruck auf den Ökofeldtagen, wird vielen Landiwrten von der Industrie versucht glaubhaft zu machen, wenn man 50 000 Euro für eine Hackmaschine und nochmals 20 000 EUro für ein RTK Lenksystem investiert, dann ist man für die Zukunft ein Biolandwirt....
Naja, wer´s denn glaubt kommt eventuell auch in den Himmel.....?!?!?
Fest steht: Organische Biolandiwrtschft ist oder erfordert halt ein bisschen mehr wie Felgenfarben und irgend ein "Bodenkratzgerät"....
Und weil nun Firmen wie Lemken, Amazone, Horsch und wie sie alle heisen auch "Bodenkratzer", optimiert für die "organische Biopflanzenproduktion" anbieten, heißt das noch lange nicht, das damit dann auch der organische Pflanzenbau für jeden passt und auch wirtschaftlich funktioniert.

Mein Rat: Wenn jemand in erster Linie daran spass hat, das der nächste Shclepper noch schönere Felgen und noch mehr PS, eine noch höher technisierte Kabine, noch dickere Reifen hat, das neu Anbaugerät noch breiter ist, der soll sich das mit der Umstellung auf organischen Biopflanzenproduktion gut überlegen!

BioäPflanzen udn Tierproduktion ist zu mindestens 50% Vermarktung der Produkte, und mindestens 40% planzliche und tierische Produktionskenntnisse. Landtechnik und "Variokentnisse" sind nur 10 % oder besser gesagt ein leider notwendiges "Übel"!
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johndeere820

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Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #38 am: 17. Juli 2019, 11:47:59 »

Wie vernünftig ist es auf biologische Landwirtschaft umzustellen, wenn doch die konventionelle Landwirtschaft eh in Richtung Bio gelenkt wird? Oder jetzt schon umstellen und mit einigermaßen brauchbaren Preisen und der Förderung bzw. Prämie jetzt schon Erfahrung sammeln bevor die breite Masse quasi Bio produziert. Die Frage ist ja, wo liegt der Wert von Bioprodukten, wenn tatsächlich 30 % oder mehr Bio produzieren?! Scheinbar sind ja jetzt schon wenige Konsumenten bereit, einen Mehrpreis für Bioprodukte zu zahlen.

Eigentlich wäre es ja mal interessant zu wissen, welche Landwirte konventionelle oder Bioprodukte kaufen und vor allem welche Produkte das sind. Also kauft ihr Bioprodukte, wenn ja welche und warum?

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NobbyNobbs

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Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #39 am: 17. Juli 2019, 11:52:02 »

Also kauft ihr Bioprodukte, wenn ja welche und warum?

dein Ernst? "Bio ist für mich Abfall"
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wollomo

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Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #40 am: 17. Juli 2019, 11:59:04 »



Eigentlich wäre es ja mal interessant zu wissen, welche Landwirte konventionelle oder Bioprodukte kaufen und vor allem welche Produkte das sind. Also kauft ihr Bioprodukte, wenn ja welche und warum?
Spielt das eine Rolle? Bio kann genauso gut/schlecht sein wie konventionelle Produkte. Das kann man pauschal nicht am System fest machen sondern eher wie es verarbeitet wurde. Natürlich sollte man hinter "seinem" System stehen. Wenn ich mich als konventioneller Landwirt nicht traue konventionelle Produkte zu kaufen weil ich Angst vor Pflanzenschutzmitteln habe, dann sollte ich mich auch fragen warum ich das noch so produziere. Anders herum sollte auch jeder Biolandwirt, der hinter dem System steht, auch Bioprodukte vorziehen ;-). Ich esse beides.
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johndeere820

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Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #41 am: 17. Juli 2019, 12:00:57 »

Fakt ist halt, in den letzen ca 30 Jahren konnte man mit einem guten Chmieindustrieberater und entsprechender Landtechnik sehr viele "Unzulänglichkeiten" kompensieren..... Wichtig war halt das man das Variogetriebe richtig bedienen konnte und die richtige Menge Chemischer Mittel so gut wie möglich gut auf dem Feld verteilt hat.

Im Moment, und das war mein Eindruck auf den Ökofeldtagen, wird vielen Landiwrten von der Industrie versucht glaubhaft zu machen, wenn man 50 000 Euro für eine Hackmaschine und nochmals 20 000 EUro für ein RTK Lenksystem investiert, dann ist man für die Zukunft ein Biolandwirt....
Naja, wer´s denn glaubt kommt eventuell auch in den Himmel.....?!?!?
Fest steht: Organische Biolandiwrtschft ist oder erfordert halt ein bisschen mehr wie Felgenfarben und irgend ein "Bodenkratzgerät"....
Und weil nun Firmen wie Lemken, Amazone, Horsch und wie sie alle heisen auch "Bodenkratzer", optimiert für die "organische Biopflanzenproduktion" anbieten, heißt das noch lange nicht, das damit dann auch der organische Pflanzenbau für jeden passt und auch wirtschaftlich funktioniert.

Sehr interessantes Statement! Vor allem der letzte Absatz gibt mir zu denken: Technik wird nur in geringem Umfang dazu beitragen, vorhandene Probleme zu lösen. Die Precision Farming oder Landirtschaft 4.0 Diskussion zeigt ja momentan recht umfangreich, das wir im Bereich Digitalisierung gefühlt einen Wendepunkt erreicht haben. Nicht alles, was möglich ist, wird auch in der Praxis umgesetzt, akzeptiert und sinnvoll in Mehrertrag oder Mehrerlös umgewandelt.

Viele Probleme sind doch -wenn man ehrlich ist- hausgemacht. Und zwar nicht alleine von den Landwirten, sondern auch von allen Akteuren in der Branche, egal ob vor- oder nachgelagerte Industrie, Beratung oder Politik. Du schreibst ja selber, dass mit entsprechender Landtechnik und gutem Berater viele Betriebe die letzten Jahre gut wirtschaften konnten. Nur zur biologischen Landwirtschaft und mittlerweile auch konventionellen Landwirtschaft gehört mehr als ein guter Berater und ein Haufen intelligentes Blech. Für mich stellt sich weniger die Frage "bio oder konventionell", sondern eher, wie kann ich innerhalb der politischen Rahmenbedingungen den Ackerbau zukünftsfähig gestalten. Also Fokus auf den Boden mit allen Möglichkeiten und Konsequenzen. Ob das unter einem Bio-Label passiert, wird sich zeigen.
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johndeere820

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Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #42 am: 17. Juli 2019, 12:14:02 »

Spielt das eine Rolle? Bio kann genauso gut/schlecht sein wie konventionelle Produkte. Das kann man pauschal nicht am System fest machen sondern eher wie es verarbeitet wurde. Natürlich sollte man hinter "seinem" System stehen. Wenn ich mich als konventioneller Landwirt nicht traue konventionelle Produkte zu kaufen weil ich Angst vor Pflanzenschutzmitteln habe, dann sollte ich mich auch fragen warum ich das noch so produziere. Anders herum sollte auch jeder Biolandwirt, der hinter dem System steht, auch Bioprodukte vorziehen ;-). Ich esse beides.

Naja, ich finde die Frage hat durchaus ihre Berechtigung! Wir wirtschaften selber konventionell und ich kaufe konventionelle und biologisch produzierte Lebensmittel. Pauschal bestimmte Produkte vorziehen, weil sie ökologisch oder konventionell produziert werden, finde ich schwierig. Beide Produktionsrichtungen stellen gute und weniger gute Lebensmittel her (inklusive Prozessqualität). Die Biotomate aus Spanien ist doch vom ökologischen Fußabdruck nicht besser, als die konventionelle Tomate aus den Niederlanden, oder? Ist der ökologisch produzierte Wein wirklich besser oder schlechter als der konventionell produzierte Wein, wenn beide mit PSM -einmal Cu und einmal chemisch-synthetisch- behandelt werden? Es kommt doch immer darauf an, woran ich ein Produkt messe. Kauft der Konsument Bio aufgrund der vermeintlichen Prozessqualität oder weil er weniger PSM-Rückstände befürchtet? Oder weil er hinter dem Biolabel eine romantisierte Landwirtschaft wie vor 100 Jahren sieht? Ich denke, dass wir uns in Richtung Hybrid-Landwirtschaft entwickeln werden. Dazu gehört aber auch, dass wir -unabhängig ob bio oder konventionell- vermitteln müssen, wie und warum unsere Lebensmittel so produziert werden. Mercosur und Co. machen es uns allerdings auch nicht leichter...

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Tellubauer

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Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #43 am: 17. Juli 2019, 13:14:18 »

Habe mich in den letzten zwei Wintern intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt. Bio ist für mich sehr interessant, weil ich wieder alte Pfade verlassen muss und weil man, wenn man es richtig macht, sehr (kosten)unabhängig ist -relisient wie man heute sagt. Im Ackerbau fallen nur ein Bruchteil der Düngerkosten und keine Pflanzenschutzkosten an, und somit nur ein Bruchteil der Ausgaben.
Schwieriger wird es in der Tierhaltung. Mein Betrieb (bisher Schweinemast) kann nicht vom Ackerbau alleine leben, aber im Biobereich scheinen alle Teirhaltungssparten ziemlich gesättigt, außer die Schweinezucht. Will aber eigentlich von der Schweinehaltung weg. 
Erschreckend war, dass die Konzerne nun den Biobereich als Markt entdeckt haben; habe den Eindruck, dass von der Seite der Druck auf den Biobereich wächst, um hier ähnliche Geschäfte, wie bei den Konvis machen zu können.

Vor kurzem konnte ich Dieter Zetsche zuhören. Dabei machte er Werbung für ua. Mercosur mit der Aussage, dass der europäische Bürger eine ökologisierte Landbewirtschaftung möchten, und so die landwirtschaftlichen Märkte für Importe aufnahmefähig werden. Daher weht eine steife Brise.

Es kommt eine spannende Zeit und jede Veränderung bringt Chancen und Verlierer. Ich wäre schon bereit für die Hybridlandwirtschaft a la Michael Horsch.
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Ansgar

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Re: Zukünftig Bio ?
« Antwort #44 am: 17. Juli 2019, 15:03:23 »

Also werden wir doch alle von der Politik vor den  Altar geführt und für Mercosur geopfert. Erinnere mich dabei an Szenen aus dem Kinofilm "King Kong", wo's blutrünstiger nicht ablaufen konnte. Hier in Deutschland wird's wahrscheinlich micht annähermd so symbolträchtig ablaufen, sondern das Bauermsterben wird eher still und heimlich und ohne jegliches Aufsehen erfolgen.
Vielleicht sollte man auch zukünftig Produkte aus dem Hause Daimler-Benz meiden...
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