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Autor Thema: ökologische Landwirtschaft  (Gelesen 14495 mal)

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angusy

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ökologische Landwirtschaft
« am: 22. Februar 2016, 13:41:20 »

Hier schreibe es mal hierhin, obwohl eine "Bio"-Board wäre ja vielleicht auch kein Fehler!

Wir haben unter uns ja scheinbar einige erfolgreiche und kompetente ökologisch wirtschaftende Ackerbauern - also "bio".

Als ich vor über 10 Jahren noch für einige Bios als Dienstleister tätig war, war die allgemeine Aussage "halber Ertrag bei dreifachen Preisen". Gilt diese Aussage noch? Galt sie jemals? Kann man Marktpreise für bio-Marktfrüchte (Getreide, Raps, Rüben) irgendwo nachsehen oder könnt ihr mal etwas dazu sagen?

Ich möchte einfach mal ein Gefühl dafür bekommen!
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farming.ch

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Re: ökologische Landwirtschaft
« Antwort #1 am: 22. Februar 2016, 13:46:46 »

Soviel ich weiss, ist die Nachfrage nach Bio in D hoch und steigend, aber die Ware kommt sehr oft aus Osteuropa, zu relativ tiefen Preisen...

Die CH ist ein Sonderfall, da eigene Agrarpolitik (nicht in der EU) und recht hohe Schutzzölle, Direktzahlungen und Produzentenpreise.

Für mich kann ich sagen, als Pflanzenbauer ohne Bio müsste ich einem Nebenerwerb nachgehen, mit Bio kann ich voll vom Hof leben. Andererseits mit Bio kann man weniger gut einen Nebenerwerb haben, die Zeitfenster für Massnahmen auf dem Feld sind kleiner- sprich, mit der Chemie-Keule arbeitet es sich leichter....

LG Christian

P.S.
Ein Bio- Board hier auf AW ist auch mein Wunsch...
« Letzte Änderung: 22. Februar 2016, 13:49:34 von farming.ch »
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NobbyNobbs

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Re: ökologische Landwirtschaft
« Antwort #2 am: 22. Februar 2016, 13:48:29 »

Ich höre immer nur die Umstellung rechne sich betriebswirtschaftlich nicht. Da die Sache aus Überzeugung für mich kein Thema ist, habe ich noch gar keine Überlegungen in diese Richtung angestellt, mal zu rechnen. Ich wäre der letzte Mensch auf Erden, der umstellen würde.
Vielleicht haben wir Umsteller, die mal was zur Kostensache berichten können?
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Schorsch

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Re: ökologische Landwirtschaft
« Antwort #3 am: 22. Februar 2016, 14:44:41 »

Da die Sache aus Überzeugung für mich kein Thema ist [...] Ich wäre der letzte Mensch auf Erden, der umstellen würde. ...

Ganz genau! Mich interessiert das Thema brennend, aber eben nur, weil man für den integrierten Anbau sicherlich hier und dort was lernen kann. Die Ethische Grundeinstellung, die der Biolandwirtschaft zugrundeliegt, ist mir völlig fremd.
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kakvogl

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Re: ökologische Landwirtschaft
« Antwort #4 am: 22. Februar 2016, 18:48:05 »

Tja Leute wer die Champions Legaue (wird die so gschriem) ;D im Ackerbau sich antun will soll es ruhig probieren.
Ich meine halbe Erträge wie Konvi. Preise eventuell doppelt so hoch.
Mein Fazit: Egal wie sich die Preise in Bio bewegen. Man muss die Erträge fahren um erfolgreich zu sein.
Druschfrüchte wie Getreide rechnen sich wie hier schon oft geschrieben nicht, weil Osteuropa uns versorgt mit
billigen Getreide. Trotzdem kann ich der Chemie nichts mehr abgewinnen.
Für mich ist der vernünftigste Bio entweder Sonderkulturen oder Tierhaltung mit Ackerbau.
Ich könnte schon ein Buch füllen mit meinen Erfahrungen. Leider fehlt mir A die Zeit und B das Papier. ;D ;D ;D
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NobbyNobbs

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Re: ökologische Landwirtschaft
« Antwort #5 am: 22. Februar 2016, 18:56:13 »

Die Champions League im Ackerbau ist sicher nicht (nur) der Ackerbau, sondern die Einstellung, die Ideen, das unternehmerische, moderne Wissen und Geschick sowie die Mentalität. Ich kann 10 dt/ha schlechter sein als mein Nachbar und trotzdem den besseren Betrieb führen weil ich es unternehmerisch raus habe und z.B. dadurch die 5-fache Fläche besitze.
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kakvogl

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Re: ökologische Landwirtschaft
« Antwort #6 am: 22. Februar 2016, 19:03:11 »

NN da geb ich Dir voll recht. Aber Dein hang ist immer zur Größe. Mich imponiert der 4 ha Familienbetrieb der davon lebt zB bei Linz.
Es gibt sehr sehr sehr viele Wege nach Rom und genauso auch in der Ldw. :o
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NobbyNobbs

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Re: ökologische Landwirtschaft
« Antwort #7 am: 22. Februar 2016, 19:05:45 »

NN da geb ich Dir voll recht. Aber Dein hang ist immer zur Größe. Mich imponiert der 4 ha Betrieb der davon lebt zB bei Linz.
Es gibt sehr sehr sehr viele Wege nach Rom und genauso auch in der Ldw. :o

Ich hätte jetzt auch zisch andere Beispiele aufführen können. Z.B. vielleicht auch deines. Es ging um den Inhalt. Ich denke, das Drumrum macht locker 70, 80 % aus. Es ist in jedem Fall genauso wichtig wie die Feldarbeit.
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hanns

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Re: ökologische Landwirtschaft
« Antwort #8 am: 22. Februar 2016, 19:26:05 »


Druschfrüchte wie Getreide rechnen sich wie hier schon oft geschrieben nicht, weil Osteuropa uns versorgt mit billigen Getreide.
die erfolgreichen hier sind die,die das getreide aufbereiten und z.b. dem bäcker direkt anbieten.....und ein ehemaliger abgeordneter,der vor lauter frust,weil er nix pachten konnte,vor 45 jahren zur uni,dann in die politik und dann nach brüssel ging und heute hier nen ordentlichen biobetrieb am laufen hat....
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jotesen

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Re: ökologische Landwirtschaft
« Antwort #9 am: 22. Februar 2016, 19:33:23 »

Hier schreibe es mal hierhin, obwohl eine "Bio"-Board wäre ja vielleicht auch kein Fehler!

Wir haben unter uns ja scheinbar einige erfolgreiche und kompetente ökologisch wirtschaftende Ackerbauern - also "bio".

Als ich vor über 10 Jahren noch für einige Bios als Dienstleister tätig war, war die allgemeine Aussage "halber Ertrag bei dreifachen Preisen". Gilt diese Aussage noch? Galt sie jemals? Kann man Marktpreise für bio-Marktfrüchte (Getreide, Raps, Rüben) irgendwo nachsehen oder könnt ihr mal etwas dazu sagen?

Ich möchte einfach mal ein Gefühl dafür bekommen!

Also halber Ertrag und dreifacher Preis kommt mir etwas optimistisch vor.

Real denke ich etwas mehr als den doppelten Preis zu bekommen. Allerdings gehe ich auch von ca. 2/3 Ertrag aus. Ich habe mehr Aufwand bei Bodenbearbeitung und Personal und gleichzeitig weniger beim Pflanzenschutz und den Düngemitteln. Dreschen geht bei mir schneller und ist damit eigentlich immer trocken und bei guten Qualitäten möglich. Verschiedene Früchte streuen Risiko und Arbeitsspitzen.

Da dieser Betrieb seit 1990 biologisch geführt wird, kann ich das nicht direkt vergleichen. Hier ist alles seit 26 Jahren auf Bioanbau angepasst. Umstellern fehlt zum einen einiges an Technik und viel Erfahrung. Das kann man also nict vergleichen mit Betrieben, die gerade erst umstellen. Ich bin der Meinung konventionell auch sehr gut leben zu können, biologisch aber etwas besser da zu stehen. Dazu kommt das bessere Gewissen.
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Euro-T

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Re: ökologische Landwirtschaft
« Antwort #10 am: 22. Februar 2016, 19:35:07 »

Druschfrüchte wie Getreide rechnen sich wie hier schon oft geschrieben nicht, weil Osteuropa uns versorgt mit
billigen Getreide.

Kannst du diese Aussage mal verifizieren? Nur oft geschrieben macht es nicht richtiger...

Wer kann denn die Tonne wesentlich günstiger produzieren und zuverlässig hierher schippern?

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Gruß

~~ Olli

jotesen

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Re: ökologische Landwirtschaft
« Antwort #11 am: 22. Februar 2016, 19:44:42 »

Druschfrüchte wie Getreide rechnen sich wie hier schon oft geschrieben nicht, weil Osteuropa uns versorgt mit
billigen Getreide.

Kannst du diese Aussage mal verifizieren? Nur oft geschrieben macht es nicht richtiger...

Wer kann denn die Tonne wesentlich günstiger produzieren und zuverlässig hierher schippern?

Durch die geringeren Personalkosten geht das schon noch. Polen ist schon billiger als hier, ABER das gilt für EU-Bio-Ware. Verbandsbio geht im Ausland noch nciht
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angusy

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Re: ökologische Landwirtschaft
« Antwort #12 am: 22. Februar 2016, 19:46:17 »

Das heißt, die Preise sind auch nochmal unterschiedlich je nach Verband (und ob)?
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jotesen

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Re: ökologische Landwirtschaft
« Antwort #13 am: 22. Februar 2016, 19:49:39 »

Das heißt, die Preise sind auch nochmal unterschiedlich je nach Verband (und ob)?

von verband zu verband tut sich da nur selten was. außer vielleicht bei demeter. aber wir als biolandbetrieb bekommen meist 1-2€ mehr als eu-bio
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Re: ökologische Landwirtschaft
« Antwort #14 am: 22. Februar 2016, 20:17:34 »

Druschfrüchte wie Getreide rechnen sich wie hier schon oft geschrieben nicht, weil Osteuropa uns versorgt mit
billigen Getreide.

Kannst du diese Aussage mal verifizieren? Nur oft geschrieben macht es nicht richtiger...

Wer kann denn die Tonne wesentlich günstiger produzieren und zuverlässig hierher schippern?

Durch die geringeren Personalkosten geht das schon noch. Polen ist schon billiger als hier, ABER das gilt für EU-Bio-Ware. Verbandsbio geht im Ausland noch nciht

Ah OK - hatte mich eigentlich auf Konvi- Ware bezogen, aber Bio ist ja nicht minder interessant:

Wie könnte man denn die Ertragssituation im Ausland bei Bio beschreiben?

Also, ich meine folgendes: Im Konvi Bereich sind ja jene Regionen, die so unsagbar günstig produzieren können, leider (zum Glück...) oftmals mit schlechten Böden und/oder Klima, oder fehlendem Kapital "gesegnet", so das die Produktionskosten pro Tonne dann ja am Ende doch nicht mehr so günstig sind.

Wie sieht das bei Bio aus? Sind da im Ausland, im Vergleich zu D die Erträge, bzw. die Kosten pro Tonne ähnlich analog wie im Konvi Bereich, oder egalisiert sich das, aufgrund des allgemeinen, niedrigeren Ertrages dann wieder?

Bin mir nicht sicher, ob man mich versteht, irgendwie schwierig zu erklären grad..
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Gruß

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