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Autor Thema: F1 Saatgut selber herstellen?  (Gelesen 3039 mal)
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jochen53
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« am: 21. April 2008, 12:16:02 »

Moin moin zusammen,

Ich lebe z.Z. auf den Philippinen im Heimatort meiner philippinischen Frau und führe hier nebenbei seit einiger Zeit Experimente im landwirtschaftlichen Bereich durch. Es gibt hier neuerdings Mais- und Reissorten mit extrem hohen Erträgen. Nur verwendet kaum jemand dieses Hybrid-Saatgut, weil es mehr als das zehnfache vom normalen Saatgut kostet und kaum ein Kleinbauer über dieses Startkapital verfügt.

Deshalb treibt mich die Frage um, ob man dieses Saatgut nicht selber reproduzieren kann. Also einige Kilo für teuer kaufen, aussähen und dann die Ernte als eigenes Saatgut verwenden. Ich bin Kaufmann, also kein Landwirt oder Wissenschaftler. Was ich bislang zum Thema in Erfahrung gebracht habe, ist dass eine Fremdbestäubung verhindert werden muß. Ich könnte mir vorstellen, dass man mit einer Fliegengitter-Konstruktion die Fluginsekten während der Blütephase fernhalten könnte. Aber was ist noch alles zu beachten?

Über etwaige Patentschutz-Probleme brauchen wir noch nicht reden. Wir sind hier in der tiefsten Provinz, wo jeder Polizist und Beamte noch nebenbei ein kleines Feld bewirtschaftet. Keine Ahnung wie die Monsanto-Leute hier Kontrollen durchführen könnten. Ausserdem gibt es auch Hybridsorten von der staatlichen Reisforschungsanstalt... Grinsend Cool

Wir haben 18 Hektar Land, verteilt auf 3 Farmgrundstücke zur Verfügung, davon 8 Hektar Reisland und 10 Hektar für Mais oder Gemüse. Die Lohnkosten sind extrem niedrig, etwa 2 EURO/Tag, 1 KG Hybrid-Reissaatgut kostet 5,80 EURO.

Beste Grüße aus dem Tropenbüro, Jochen
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Henriette
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« Antworten #1 am: 21. April 2008, 12:53:05 »

Schau mal nach, was die einfache Veerbungslehre von sagt Zwinkernd , speziell das 2. Mendelsche Gesetz
Wenn Hybridmais wieder ausgesäht wird, spaltet sich die Genetik wieder auf, so dass mehr untauglicher Mais wächst, als nutzbarer.
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jochen53
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« Antworten #2 am: 21. April 2008, 14:13:55 »

Schau mal nach, was die einfache Veerbungslehre von sagt Zwinkernd , speziell das 2. Mendelsche Gesetz
Wenn Hybridmais wieder ausgesäht wird, spaltet sich die Genetik wieder auf, so dass mehr untauglicher Mais wächst, als nutzbarer.
Ja, genau deswegen frage ich ja, wie es gemacht wird. Die Saatgut-Firmen produzieren doch auch das F1-Saatgut, irgendwo muß es ja herkommen.

Auf jeden Fall werden wir uns hier mal schlau machen, ob man sich als Vertrags-Farmer bei den Saatgutfirmen bewerben kann. Dann hätten wir natürlich die Technologie frei Haus.
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Georg
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« Antworten #3 am: 21. April 2008, 15:33:23 »

Hallo Jochen53

Auch auf den Philippinen haben Monsanto und Pioneer etc. Zucht und vermehrungsstationen für Mais , Reis und Gemüse!
Schua Dich doch dort mal um wie aufwändig das Ganze ist! Ich weiß nicht ob Du dann nachher noch glaubst das das saatgut überteuert ist! Auch diese Konzerne bezhalen nur diesen neidrigen Stundenlohn (eher noch weniger!) auf den Philippinen.
Schau DIch halt mal nach jemanden in Deiner Gegend um der Saatzucht gelernt hat. Notfalls auf der Landwirtschaftlichen UNI in MAnila nachfragen! Ich treffe ab und an Leute von den Philippinen auf Präzision Agriculture Konfernezen in USA oder JApan. Der Agrar Level auf den Philippines ist nicht schlecht! Hab erst im letzen Jahr an einen Bananenerzeuger dort 10 PDAs verkauft. Die brauchen das um Dokumentationsdaten für den EXPORT nach Europa und USA für EUREPGAP zu erstellen.
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PN´s werden von mir nur beantwortet, wenn darin der vollständige Name und eine E-Mail Adresse enthalten ist, da ich nur noch über E-Mail antworte!
jochen53
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« Antworten #4 am: 21. April 2008, 16:38:43 »

Hallo Georg,

es ist keine Frage, die Herstellung von Hybrid-Saatgut ist mit Aufwand verbunden und dadurch ist es teurer. Die Frage lautet, um wieviel muss es gemäß den Kosten teurer sein? Monsanto z.B. macht etwa 5 Mrd Profit im Jahr und deren Aktienkurs hat sich in den letzten 12 Monaten verdoppelt.

Ich lebe hier ja mitten unter Kleinbauern und mache mir so meine Gedanken. Was gut für Monsanto ist muß nicht zwangsläufig gut für die Farmer sein. Ich denke da nur mal an das BT-Baumwoll-Desaster in Indien und würde gerne mithelfen, dass es hier nicht zu einer derartigen Katastrophe kommt.

Im Gegensatz zu den meisten Bauern hier sind wir nicht von der Landwirtschaft abhängig und haben auch etwas Kapital, um neue Dinge auszuprobieren. Hinzu kommt dass wir durch Internet usw. auch Zugang zu vielen Informationen haben. Ich meine, wenn man schon solche Möglichkeiten hat, sollte man sie auch nutzen.

Im Verhältnis zum Mehrertrag ist das Hybrid-Saatgut ja auch nicht überteuert. Das Problem ist die Vorfinanzierung und die Verluste an Input bei Mißernten. Wenn die Saatguthersteller wirklich den kleinen Farmern helfen und die Reis- und Maisproduktion drastisch erhöhen wollten, würden sie den Preis nochmals etwas anheben und es den Bauern auf zinslosen Kredit überlassen, Rückzahlung nur bei einigermaßen guten Ernten. Damit wäre allen geholfen, wird aber aus mir unverständlichen Gründen nicht gemacht.

Beste Grüße vom Tropenbalkon, Jochen

PS: Habe eine kleine Homepage über meine Agrar-Aktivitäten:

http://www.buddel.de/kft/terra_preta.htm
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Dietrich
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« Antworten #5 am: 22. April 2008, 19:28:02 »

Hallo Jochen,

ganz kurz zu Hybridsaatgut:

Es werden (über mehrere Generationen, ich glaube es sind in der Regel mindestens sieben) Inzuchtlinien produziert, diese müssen weiterhin für die Erhaltungszüchtung gehalten werden.
Mindestens zwei dieser Inzuchtlinien werden dann miteinander gekreuzt, wobei die einen die Bestäuberpflanzen sind, die anderen entweder genetisch pollenlos, oder z.B. bei Mais manuell pollenlos (Fahne wird manuell entfernt) sind.
Evtl. wird bei einer Dreiwegehybride diese Kreuzung mit einer weiteren Inzuchtlinie gekreuzt.
Wenn du dir die F1 selber herstellen willst benötigst du also die Inzuchtlinien......
Bei einer Wiederaussaat des Erntegutes bekommst du einen sehr heterogenen Bestand.
Wieviel teurer Hybridsaatgut sein muß als konventionelles kann man natürlich so pauschal wieder nicht beantworten, interessanter ist jedoch, wird der Mehrpreis durch den höheren Ertrag mindestens kompensiert?
Ich weiß, daß hilft niemandem, der zu Beginn nicht in der Lage ist diesen höheren Preis zu zahlen....

Dietrich
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jochen53
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« Antworten #6 am: 22. April 2008, 20:57:33 »

Hallo Dietrich,

danke für die Antwort. Tja, woher die anderen Inzuchtlinien nehmen und nicht stehlen... Huch

Mal eine ganz dumme Frage: Die Leute hier haben zwar kein Geld, dafür aber viel Zeit. Könnte es Sinn machen, bei der Ernte zunächst mit einer Schere durchs Feld zu laufen und die größten Ähren abzuschneiden, um diese dann als Saatgut zu verwenden? Gäbe es da einen Unterschied zwischen normalen und Hybrid - Sorten? Bei normalen Sorten soll das ja angeblich etwas bringen. Könnte das auch bei Mais Sinn machen?

Den Leuten wäre ja im Prinzip auch schon mit der zweitbesten Lösung geholfen. Hauptsache der Ertrag lässt sich ohne großen finanziellen Aufwand etwas steigern. 5-10% würden das Nettoeinkommen fast verdoppeln.

Habe die letzten Tage intensiv an dem Reisanbau-Video gearbeitet, ist noch nicht ganz komplett, gibt aber einen ersten Eindruck:

http://www.youtube.com/watch?v=PdV--RBnTyU

PS: Mit der Tontechnik von Pinnacle 9 stehe ich noch auf Kriegsfuß, habe immer noch nicht gerafft wie man den O-Ton bei den nachträglichen Kommentaren herunterregeln kann. Bin wahrscheinlich schon zu alt für solchen Sch... Lächelnd

Beste Grüße, Jochen
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Henrik
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« Antworten #7 am: 23. April 2008, 18:43:35 »

Mal eine Grundsäztzliche Frage, warum willst du unbedingt Hybrid Saatgut haben? Ich kenne mich bei Reis leider nicht aus, aber bringt der soviel mehr als normaler Reis?
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Man sieht sich immer zweimal im Leben, außer in der Landwirtschaft da vier mal im Jahr.
jochen53
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« Antworten #8 am: 23. April 2008, 20:46:07 »

Mal eine Grundsäztzliche Frage, warum willst du unbedingt Hybrid Saatgut haben? Ich kenne mich bei Reis leider nicht aus, aber bringt der soviel mehr als normaler Reis?
Ja, je nach Sorte und Wetterbedingungen 25-80% Mehrertrag. Ein Großbauer hat hier letztes Jahr (angeblich) 10 Tonnen Rohreis geerntet, bei normalen Saatgut und optimalen Bedingungen sind max. 7 Tonnen/Hektar drin. Bei unserer durch den Dauerregen im Februar schwer beschädigten letzten Ernte waren es nur 3 Tonnen. Von dem Scheißwetter waren die halben Philippinen, Indonesien, Thailand und Vietnam auch betroffen, mit ein Grund für die derzeitige Preisexplosion. Gut für die Farmer die jetzt und in den nächsten Wochen ernten, die können mit Spitzenerträgen und hohen Ankaufspreisen (ca. 0,20 EURO/KG) rechnen, fast das Doppelte vom Vorjahr.

Man kann hier 3 x im Jahr ernten, allerdings ist die Zeit von Mitte April bis Mitte Dezember mit großem Risiko verbunden, da kann es erst Dürren (bis Juni) und danach Starkregen und Taifune geben. Der Rekordtaifun war im November 2006, das waren schlappe 320 KM/H. Da ist kein Reishalm stehengeblieben... Ärgerlich

Gruß vom nächtlichen Tropenbalkon (26 Grad), Jochen
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In den Ferien im Piemont, 2007 :-).


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« Antworten #9 am: 23. April 2008, 23:05:19 »

Hoi zusammen

Mhhh, es geht im Grunde darum, mit möglichst wenig Kosten einen möglichst hohen (höheren) Ertrag zustande zu bringen - und dies nachhaltig, d.h., längerfristig, sozial und ökologisch optimiert ? Die Selbstherstellung von F1-Saat ist dabei ein möglicher Ansatz unter vielen ? Ist das Richtig verstanden so ?

Grüsse aus der Schweiz

Christian

P.S. Lest Wikipedia für Infos über Hybridsaatgut, es braucht da nicht unbedingt zwei Inzuchtlinien dazu - zwei einander nicht verwandte, reinerbige gute Sorten reichen für die Zucht. Das Ergebniss dabei muss aber zuerst getestet werden, es gibt keine Sicherheit, dass da was besseres Entsteht: http://de.wikipedia.org/wiki/Hybride
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jochen53
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« Antworten #10 am: 24. April 2008, 09:10:31 »

Hoi zusammen

Mhhh, es geht im Grunde darum, mit möglichst wenig Kosten einen möglichst hohen (höheren) Ertrag zustande zu bringen - und dies nachhaltig, d.h., längerfristig, sozial und ökologisch optimiert ? Die Selbstherstellung von F1-Saat ist dabei ein möglicher Ansatz unter vielen ? Ist das Richtig verstanden so ?
Hallo Christian,

ja, genau so ist es. Dabei bin ich nach allen Seiten hin offen. Z.B. bereiten wir gerade ein Experiment vor, um während der Risiko-Saison in den Reisfeldern Kartoffeln zu pflanzen. Noch ist völlig ungewiss, ob das geht. Die Kartoffeln hier kommen aus einer 800 KM entfernten Bergregion und sind deutlich teurer als Reis. Wenn wir eine Methode finden, um Kartoffeln billiger als Reis herzustellen könnte das ungeahnte Möglichkeiten eröffnen.

Z.Z. haben wir einige Kartoffeln in Gefässe gepflanzt und immer mit Erde nachgefüllt, sind jetzt genau 41 Tage alt und schon ca. 80 cm hoch, aber noch keine Blüten. Es sind auch bislang, ausser ganz wenigen Blattläusen, keinerlei Schädigungen an den Blättern erkennbar, es ist auch nicht gespritzt worden. Das ist etwas für den Hinterhof und hat auf jeden Fall den Vorteil, dass bei Starkregen Staunässe weitgehend vermieden wird. Vor zwei Wochen haben wir in Komposterde-Hochbeete gepflanzt, gestern waren die ersten Keimlinge zu sehen. Nächste Woche geht es mit dem Reisfeld los.

Unser Problem is z.Z., dass es keinerlei Erfahrungen in unserer Gegend mit Kartoffelanbau gibt. Immer nach dem Motto: Hat weder mein Vater noch mein Opa gemacht, also wächst das hier nicht...

Auch wissen wir nicht, welche Sorte wir gepflanzt haben. Immerhin wissen wir bereits, dass zwingend Komposterde benötigt wird, in normaler Erde mit Volldünger war das Wachstum nur minimal. Da ist ne Menge learning by doing angesagt. Kartoffeln kosten übrigens hier um die 0,60 EURO das Kilo, also deutlich mehr als in Deutschland.

Also, wenn jemand gute Tipps hat, ich bin ein dankbarer Abnehmer...



Das Foto ist vom 15.4., also ca. 33 Tage nach der Aussaat. In den Reifen die Pflanze mit Komposterde, in der Mauerstein-Konstruktion die 3 Pflanzen in normaler Erde.
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