www.agrowissen.de  
www.agrowissen.de
 
Bitte loggen sie sich ein oder registrieren sie sich.

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge

Autor Thema: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?  (Gelesen 6476 mal)

Henrik, CB56 und 3 Gäste betrachten dieses Thema.

canuck

  • Hero Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 833
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #30 am: 10. August 2018, 21:37:39 »

Das ist zum lachen .
Solche Onkologie  Flaechen gab es hier Haufenweise.
Hoechstens einmal gemaeht oder Jahrzehnte lang geweidet. Ohne jeglichen Hof oder Kunst Duenger .
Wenn solche Flaechen ackerbaulich genutzt werden haben sie sehr schlechte Testwerte.
Jeder Naehrstoff meist PH Spurenelemente und auch org. Matter sehr niedrig.
Das waren dann die schoenen blumenwiesen mit der Artenvielfalt und dem hohen ökologischen Nutzen.
Vielleicht waren sie gut fuer Bienenhonig und andere Insekten, Kroeten und Bodennester.
Aber der landwirtschaftliche  Nutzen war sehr klein.
Gespeichert

Cyberlui

  • Vereinsmitglied
  • ***
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 1 131
  • Beruf: Landwirtschaftsmeister
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #31 am: 11. August 2018, 09:44:14 »

das was Desperado geschrieben hat fällt uns hier in unsrer Gemarkung grad wieder vor die Füße. Wiesen jahrelang nicht gedüngt , nur extensiv genutzt wurden bei der Flurneuordnung als Flachland Magerwiesen kartiert. Es gilt dort Umbruchs- und Verschlechterungsverbot, d.h. Wird die Wiese mal gedüngt (egal ob org. oder min.) weil ein anderer Bewirtschafter den Aufwuchs benötigt werden dort die Zeigerpflanzen verschwinden, was letzendlich sogar mit Geldstrafe geahndet werden kann.
Gespeichert

BNT

  • Hero Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 6 493
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #32 am: 11. August 2018, 10:14:18 »

Man sieht dann aber auch, was so richtiges Öko werden.
Wir haben auch solche Flächen, die sind quasi historisch so gewachsen, weil seit 20 Jahre nicht mehr gedüngt. Nicht mal mit Mist.
Was dort wächst, ist so wenig, dass es nicht mal mehr zu mähen lohnt. Die einzigen, die das toll finden, sind unsere Pferdehalter, die das dann als Kräuterheu für ihre Pferde kaufen. Haftung für das, was da drin ist, übernehme ich aber keine.
Rinder kann man damit nicht füttern; außer richtig extensive Rassen. Hochlandrinder vielleicht.
Gespeichert

derhauderer

  • Full Member
  • ***
  • Offline Offline
  • Beiträge: 182
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #33 am: 11. August 2018, 12:17:18 »

es ist jetzt denke ich genug auf grünlandausbeutung hingewiesen worden, also bei uns gibt es kein problem wenn man eine moderate organische düngung auf ausgemagerte wiesen machen will, einfach vorher mit dem amt/umweltschutzbeauftragten abklären.

zurück zum thema...

was interessant für mich ist wäre eine möglichkeit  konvi gülle/hühnerkot zu verwenden.

(was mich oft tierisch ärgert ist das viele ihre gülle mehr entsorgen als nutzen) liegt daran das auserhalb der biobetriebe stickstoff einfach zu billig ist.

wobei da eben ds problem mit medikamentenrückständen sein kann, und eine wertsteigerung von gülle die konzentrierte tierhaltung unterstützen würde.

ich denke das ich da mit wenig gülle relativ viel mehrertrag generieren könnte.



eine weitere sache ist: kleegras als unumgängliches fruchtfolgeglied => für viehhaltende betriebe die das gut verwerten können ists ok. aber für alle anderen betriebe siehts mau aus, kleegras als transferdünger??? wiederstrebt mir. da muss noch einiges kommen. verbesserungen beim körnerleguminosenanbau, verlockend wären auch n-fixierende bakterien für andere nutzpflanzen... wenns denn funktionieren würde.

Gespeichert

charlie

  • Moderator
  • *****
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 6 714
  • Beruf: Agrarflächendesigner
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #34 am: 11. August 2018, 12:24:06 »

Deswegen wäre ja der Kreislaufgedanke und seine möglichst geschlossene Gestaltung für alle Bewirtschaftungsformen eine enorme Effizienz- und Nachhaltigkeitssteigerung.
Leider werden bewusst oder auch aus Unkenntnis unbewusst Teile daraus herausgebrochen.
Gespeichert
Gruß

Charlie

Nicht immer sind die, die das Gras wachsen hören, auch bereit, es zu mähen.

derhauderer

  • Full Member
  • ***
  • Offline Offline
  • Beiträge: 182
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #35 am: 11. August 2018, 12:42:25 »

ja... was mich eben beschäftigt ist das eben beim N der kreislauf im biobereich ja relativ geschlossen ist/ bzw über  noch was von ausen dazu kommt.

also bei uns im betrieb haben wir was N angeht fast 30 eine tiefrote nähstoffbilanz zwischen -50 bis 0 kg pro jahr und ha.

also dürfte bei uns doch längst nichts mehr wachsen, aber die erträge sind ähnlich der auf recht frisch umgestellten flächen.

also die frage... was passiert dann auf flächen die über die jahre immer an der überschussobergrenze fahren... stimmen die fauszahlen nicht? oder geht da jede menge n in wasser und luft?

für mich ist aktuel soja die interessanteste möglichkeit N in den betrieb zu bringen.

die frage ist wie das anbautechnisch über die jahre geht, und wie eng die fruchtfolge da sein kann (humusverlust/fruchtfolgekrankheiten/unkraut)

Gespeichert

farming.ch

  • Vereinsmitglied
  • ***
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 948
  • In den Ferien im Piemont, 2007 :-).
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #36 am: 11. August 2018, 12:57:11 »

Deswegen wäre ja der Kreislaufgedanke und seine möglichst geschlossene Gestaltung für alle Bewirtschaftungsformen eine enorme Effizienz- und Nachhaltigkeitssteigerung.
Leider werden bewusst oder auch aus Unkenntnis unbewusst Teile daraus herausgebrochen.

Kreislaufwirtschaft, Recycling ist ja immer wie mehr im Kommen, hier in CH will der Staat in Zukunft auch den Klärschlamm wiederverwerten- auf welche Art und Weise ist allerdings noch unklar. Forschungsprojekte laufen.

Hingegen sind für mich "geschlossene" Kreisläufe auf jedem einzelnen Hof eher ein Wunschtraum. Realistisch und machbarer ist da die Region als Systemgrenze. Und auch das nicht immer, fehlt es an Kalk in den Böden und in der Region ist kein Kalkwerk, soll natürlich der fehlende Kalk von weiter her transportiert werden. Sonst leidet, um beim Beispiel Kalk zu bleiben, die ganze Biomasseproduktion pro ha mit allen Folgen und Konsequenzen.
Gespeichert
Trump hilft Dir! Populismus ist out ;-).

charlie

  • Moderator
  • *****
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 6 714
  • Beruf: Agrarflächendesigner
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #37 am: 11. August 2018, 12:58:49 »

Die ganzen Rechensysteme hinken, weil sie die Faktoren Boden und Bodenlebewesen über Nitrifikation, Denitrifikation usw viel zu ungenau im gesamten Nährstoffkreislauf abbilden.
Ein guter Ackerboden enthält in der durchwurzelbaren Zone bis zu 8000 kg N.
Und selbst wenn wir Nitrat düngen, kommt dieses nicht unbedingt direkt in der Pflanze an oder wird mit Sickerwasser direkt ausgewaschen. Auch dort wandern Teile in die organische Bindung im Boden, während gleichzeitig organische Bindungen wieder zu pflanzenverfügbarem Stickstoff gewandelt werden.
Doch wie hoch der jeweilige Anteil dann genau ist, hängt von vielen sich verzahnenden variablen Umweltbedingungen ab und eine Berechnung oder gar Messung ist hoch komplex.
Also rechnen wir immer mit irgendwelchen Annäherungswerten...
Gespeichert
Gruß

Charlie

Nicht immer sind die, die das Gras wachsen hören, auch bereit, es zu mähen.

Wade

  • Hero Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 1 317
  • Beruf: Landwirt
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #38 am: 11. August 2018, 13:07:55 »

ja... was mich eben beschäftigt ist das eben beim N der kreislauf im biobereich ja relativ geschlossen ist/ bzw über  noch was von ausen dazu kommt.

also bei uns im betrieb haben wir was N angeht fast 30 eine tiefrote nähstoffbilanz zwischen -50 bis 0 kg pro jahr und ha.

also dürfte bei uns doch längst nichts mehr wachsen, aber die erträge sind ähnlich der auf recht frisch umgestellten flächen.

also die frage... was passiert dann auf flächen die über die jahre immer an der überschussobergrenze fahren... stimmen die fauszahlen nicht? oder geht da jede menge n in wasser und luft?

für mich ist aktuel soja die interessanteste möglichkeit N in den betrieb zu bringen.

die frage ist wie das anbautechnisch über die jahre geht, und wie eng die fruchtfolge da sein kann (humusverlust/fruchtfolgekrankheiten/unkraut)


N ist im Bio doch langfristig das kleinste Problem, gibt es in der Luft doch genügend Stickstoff. Aber vor allem Phosphor wird in einigen Jahrzehnten auch bei konventionell ziemlich zur Neige gehen da die Vorkommen erschöpft sind. Aber auf der anderen Seite wird Phosphor über die Abwässer ins Meer abgeführt und Klärschlamm mit viel Phosphor verbrannt...
Gespeichert
Bioland Landwirt seit 2012

derhauderer

  • Full Member
  • ***
  • Offline Offline
  • Beiträge: 182
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #39 am: 11. August 2018, 13:08:56 »

und die frage für mich ist: wieviel stickstoff ist vertretbar(wegen der verluste) und sollte da sein(weil sonst der ertrag stark abfällt)

im geschlossen wirtschaftenden biobetrieb stellt sich die frage ja eigentlich nicht ;-)

und wade, erzähl mal bitte wie du auf ausreichen stickstoff kommst? für mich  ist das eine riesenaufgabe.
« Letzte Änderung: 11. August 2018, 13:13:39 von derhauderer »
Gespeichert

charlie

  • Moderator
  • *****
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 6 714
  • Beruf: Agrarflächendesigner
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #40 am: 11. August 2018, 13:21:17 »

N ist im Bio doch langfristig das kleinste Problem, gibt es in der Luft doch genügend Stickstoff. Aber vor allem Phosphor wird in einigen Jahrzehnten auch bei konventionell ziemlich zur Neige gehen da die Vorkommen erschöpft sind. Aber auf der anderen Seite wird Phosphor über die Abwässer ins Meer abgeführt und Klärschlamm mit viel Phosphor verbrannt...

N aus der Luft ist bei keiner Bewirtschaftungsform der begrenzende Faktor.
Eher die Energie dazu: Konvi per externer Energie über das Haber-Bosch-Verfahren. In Bio über photosynthetische Energie per Leguminosen. Für die Bereitstellung in anderen Kulturen wird aber dann der Faktor Zeit für das Wachstum und die Einstrahlung der Sonnenenergie benötigt, d.h. letztendlich Fläche die vorgehalten werden muss um Stickstoff pflanzenverfügbar in den Boden zu binden.
Gespeichert
Gruß

Charlie

Nicht immer sind die, die das Gras wachsen hören, auch bereit, es zu mähen.

charlie

  • Moderator
  • *****
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 6 714
  • Beruf: Agrarflächendesigner
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #41 am: 11. August 2018, 13:28:25 »

Und zu den endlich P-Vorräten aus den natürlichen Lagerstätten:
Da sind wir wieder bei den nicht geschlossenen Kreisläufen, die dann allen Bewirtschaftungsformen dienen könnten

Also wieder nix mit besser oder schlechter...
Gespeichert
Gruß

Charlie

Nicht immer sind die, die das Gras wachsen hören, auch bereit, es zu mähen.

canuck

  • Hero Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 833
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #42 am: 11. August 2018, 13:31:48 »

Deswegen wäre ja der Kreislaufgedanke und seine möglichst geschlossene Gestaltung für alle Bewirtschaftungsformen eine enorme Effizienz- und Nachhaltigkeitssteigerung.
Leider werden bewusst oder auch aus Unkenntnis unbewusst Teile daraus herausgebrochen.

Kreislaufwirtschaft, Recycling ist ja immer wie mehr im Kommen, hier in CH will der Staat in Zukunft auch den Klärschlamm wiederverwerten- auf welche Art und Weise ist allerdings noch unklar.
Hingegen sind für mich "geschlossene" Kreisläufe auf jedem einzelnen Hof eher ein Wunschtraum. Realistisch und machbarer ist da die Region als Systemgrenze. Und auch das nicht immer, fehlt es an Kalk in den Böden und in der Region ist kein Kalkwerk, soll natürlich der fehlende Kalk von weiter her transportiert werden. Sonst leidet, um beim Beispiel Kalk zu bleiben, die ganze Biomasseproduktion pro ha mit allen Folgen und Konsequenzen.
Ja Recycling wird so hochgespielt das man die ersten zwei R vergisst.
Zuerst kommt Reduce was kaum passiert.
Zweitens kommt Reuse was nur beschränkt gemacht wird.
Als drittes kommt Recycling was allen Leuten ein gutes Feeling gibt weil sie glauben der Umwelt zu helfen.
Gespeichert

Wade

  • Hero Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 1 317
  • Beruf: Landwirt
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #43 am: 11. August 2018, 13:34:32 »

und die frage für mich ist: wieviel stickstoff ist vertretbar(wegen der verluste) und sollte da sein(weil sonst der ertrag stark abfällt)

im geschlossen wirtschaftenden biobetrieb stellt sich die frage ja eigentlich nicht ;-)

und wade, erzähl mal bitte wie du auf ausreichen stickstoff kommst? für mich  ist das eine riesenaufgabe.

Soll heißen: Stickstoff bekomme ich undendlich viel aus der Luft. Bei Phosphor und Kali ist die Versorgung nicht so einfach aus der Luft zu schaffen.

Und ja, in meinem Fall hab ich kein Problem mit der Versorgung, hab ich doch sehr viel Grünland das meine Äcker indirekt versorgt. Und das Grünland liefert immernoch, trotzdem dass es schon Jahrzehntelang nicht gedüngt wurde... Aber schön dass man hier immer wieder erklärt bekommt dass extensives Grünland nicht funktioniert  :rolleyes:


Und zu den endlich P-Vorräten aus den natürlichen Lagerstätten:
Da sind wir wieder bei den nicht geschlossenen Kreisläufen, die dann allen Bewirtschaftungsformen dienen könnten

Also wieder nix mit besser oder schlechter...
ja, völlig unabhängig ob bio oder konvi. Es wird höchste Zeit vor allem den Phosphor zurück zu gewinnen. Eigentlich sollte man da mal ne Firma gründen und den gewonnen Phosphor auf Halde legen, das wird irgendwann mal ein Vermögen wert sein...
Gespeichert
Bioland Landwirt seit 2012

derhauderer

  • Full Member
  • ***
  • Offline Offline
  • Beiträge: 182
Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #44 am: 11. August 2018, 18:24:26 »

@wade: das genug stickstoff in der atmosphäre ist das weiß ich auch, aber wie bekomme ich davon ordentlich was in den boden? ohne zb 30% klee in die fruchtfolge aufzunehmen. und dein extensivgrünlandmodell ist auf dauer auch nicht nachhaltig!
Gespeichert
 

Desktop Hintergrund