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Autor Thema: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?  (Gelesen 14010 mal)

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farming.ch

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #15 am: 10. August 2018, 06:51:31 »

Was soll die Frage überhaubt? "Biobodenbewirtschaftung" ???

Hierzulande gibts Biolandbau nur für den gesamten Hof, und der einzelne Bauer muss ich entscheiden, entweder oder, einzige Ausnahme ist Bundesbio für Dauerkulturen, die länger als 5 Jahre auf der selben Parzelle stehen bleiben. Dies bringt aber wirtschaftlich kaum was, so ein verwässertes Bio. Fast kein Markt, und kein Verband nimmt einem auf.

Objektive Vergleiche untersuchen am Besten verschiedene Höfe in der selben Region.

Die Arbeitsproduktivität übers Jahr gesehen ist für mich der Königsweg, einen Hof zu analysieren. Speziell, weil ja tüchtige Bauern nicht nur arbeitsextensive, austauschbare Massenprodukte mit geringer Wertschöpfung herstellen wollen. Oder können.

Ansonsten gibt es natürlich auch qualitative Vor- und Nachteile: Z.B. Von Hand Disteln und andere Problemunkräuter regulieren, aber nicht mehr mit PSM hantieren müssen. Und generell, man ist gefordert als Berufsperson- und nicht "Zuarbeiter" der Agrarchemie-Konzerne und deren Verkaufsberater mit Dünge- und PSM-Plänen. Die Herausforderungen selber packen, die selbst gesteckten Ziele erreichen und Probleme lösen- das macht zufrieden. Mehr Management also, mehr eigenes Hirn, und weniger irgend einer Standart-Lösung hinterherrennen.
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Trump hilft Dir! Populismus ist out ;-).

Gutbrod1032

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #16 am: 10. August 2018, 07:14:25 »

Zitat
Die Herausforderungen selber packen, die selbst gesteckten Ziele erreichen und Probleme lösen- das macht zufrieden. Mehr Management also, mehr eigenes Hirn
Das hat man bei der konventionellen Wirtschaftsweise mindestens genauso!
Nicht umsonst gibt es auch hier im Forum Ellenlange Themen, denn eine immer funktionierende Standartlösung gibt es nicht:
http://www.agrowissen.de/de/forum/index.php?topic=11803.0
http://www.agrowissen.de/de/forum/index.php?topic=11739.0
http://www.agrowissen.de/de/forum/index.php?topic=1027.0
http://www.agrowissen.de/de/forum/index.php?topic=22322.0

usw eigentlich kennst du sie ja alle.

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Immer diese Werbung für rot-gelben Stahl...

BNT

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #17 am: 10. August 2018, 07:16:36 »

Der Titel des Threads ist doch eigentlich ein anderer.

Wenn man sich die Untersuchungen der letzten Jahrzehnte ansieht und deren gibt es wirklich sehr sehr viele, sind in jederlei Hinsicht die Unterschiede zwischen dem, wie ein Betriebsleiter seinen Betrieb führt viel größer als jene zwischen den Bewirtschaftungsformen.
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charlie

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #18 am: 10. August 2018, 08:10:31 »

Der Titel des Threads ist doch eigentlich ein anderer.

Wenn man sich die Untersuchungen der letzten Jahrzehnte ansieht und deren gibt es wirklich sehr sehr viele, sind in jederlei Hinsicht die Unterschiede zwischen dem, wie ein Betriebsleiter seinen Betrieb führt viel größer als jene zwischen den Bewirtschaftungsformen.

Ja, die Frage ist eigentlich: wo wird das Talent und die Möglichkeiten des Betriebsleiters durch neu zu überdenkende Auflagen begrenzt. Wo kommt es durch das Korsett der Bewirtschaftungsform zu Zielkonflikten?
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Gruß

Charlie

Nicht immer sind die, die das Gras wachsen hören, auch bereit, es zu mähen.

Desperado

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #19 am: 10. August 2018, 08:41:18 »


Probleme:

Zu intensive Bodenbearbeitung. (da muss an neuen(Alternativen) anbau systemen gearbeitet und geforscht werden.

Zu wenig Ertrag. auch da ist noch viel verbesserungspotetial, wird aber etwas länger dauern da ertragliche verbesserungen nicht so einfach zu bewerkstelligen sind wie im konvi system.

frohes diskutieren, aber bitte bleibt sachlich ;-)

Sachlich bleiben, das funktioniert schon mal gar nicht.  ;)
Ob die Bodenbearbeitung zu intensiv ist steht im Raum. Wir hatten in den ersten 10 Jahren nach der Umstellung trotz der Bodenbearbeitung einen Zuwachs an Humus. Ein sehr komplizierter Punkt, wo jeder etwas behauptet, dass er nicht genau beweisen kann. Vielfach wird auch Gare mit Humus verwechselt.

Zu wenig Ertrag?
Je nach Klima und Boden 50 bis 70% der konventionellen Erträge sind normal und bürgen dafür, dass die Bestände stabile Halme haben damit weniger Insekten und Pilze die Pflanzen angreifen. Bin der Meinung, dass wir nicht die hohen Erträge anpeilen sollten. Die Sorten die dafür geeinget sind haben viele Nachteile bez. Gesundheit. Die Züchter müssen immer Eigenschaften opfern, wenn sie den Ertrag erhöhen.
Eine neue Generation von Züchtern wird sich dieser Probleme offen annehmen. Also noch mal 30 Jahre warten dann wird es schon etwas bringen. Nebenbei gesagt haben wir doch jetzt in Bioanbau schon Erträge, die 1970 im konv. Anbau üblich waren.


Einen Relativertrag von 50-70% gegenüber einem gut geführten überwiegend konservierend arbeitenden konventionellen Betrieb wäre ja schön. Hier liegen die Vergleichserträge bei 30-35%.
Und beim cleversten Biobauern hier in unserer Gegend findet halt eine Umverteilung der Nährstoffe statt - von der Wiese über die Rinder zur Biogasanlage und von da auf den Acker. Und weil es nicht mehr viel viehhaltende Betriebe gibt und man die Wiesen schon fast nachgeschmissen bekommt, kann man die auch aushungern lassen. Und auf den ausgehungerten Wiesen macht sich dann auch allerhand an Unkräutern breit, für die, wenn sie denn als katalogisierte Wiesenkräuter geschützt sind, man nochmal ordentlich was extra vom Land Baden-Württemberg bekommt.

Der baut aber auch nur noch Dinkel an, den er in der Teigreife als Grünkern drischt. Den kann er als lokale Spezialität gut vermarkten. Ansonsten werden nur Exoten angebaut, die nur wenig Stickstoff brauchen oder vertragen (Kümmel, Linsen, Leinsamen). Dafür lässt er den Boden auch schon mal mehrere Monate brach liegen, um jedes bisschen Unkraut bereits im Vorfeld mechanisch bekämpfen zu können.

Er bedient, wenn man so will, eine Nische, aber nachhaltig und massentauglich ist das natürlich nicht.
Ich hab mal nach einem kräftigen Regen, wenn die Regenwürmer hochkommen, ne Spatenprobe bei ihm gemacht, weil ich sehen wollte, wie es um das Bodenleben bei Bio bestellt ist, aber da war deutlich weniger zu sehen als auf meinen Äckern, wo jedes Jahr im Herbst die Wildschweine einfallen.
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Flori

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #20 am: 10. August 2018, 09:34:29 »


 Ich begrüße die Aussage von Thomas und sehe es genauso: der Betriebsleiter ist entscheidender als die Bewirtschaftungsform.

 Desweiteren kann ich den Frust vieler konventioneller Kollegen teilen, dass Bio sehr oft als der Heilbringer vermarktet wird. Wenn ich auf die
 Bioveranstaltungen gehe, dann wirds mir manchmal ganz gruselig um das fachliche Niveau dort. Man hat sich irgendwie auf dass herrschende Niveau,
 sowohl fachlich als auch betriebswirtschaftlich, eingependelt und verwaltet lediglich den Status Quo. Ich hoffe und wünsche mir für die Zukunft dass durch
 die umstellenden Betriebe zum Teil die Ansprüche gehoben werden, und mit der zunehmenden Aufnahme von Steuergeldern über Subventionen im Biosektor auch ein
 eher kritischerer Blick angesetzt wird. Ich für meinen Teil kann sagen dass ich mit guten Konventionellen Kollegen tendeziell eher einen intensiveren fachlichen
 Austausch habe als mit den Biokollegen. Man muss hier die Diskusion um Hasen striegeln etc. nicht auf die Spitze treiben, denn eines ist fakt: egal ob Bio oder
 Konventionell , wenn man nichts aktiv dafür tut ist die Diversität bzw. die Leistung für die Umwelt limitiert. Das hat nichts mit Bio oder nicht Bio zu tun.
 Für unseren Betrieb empfange ich die Öko-Subvention gerne mit der Einstellung dass diese als Beitrag dazu dient die Bodenfruchtbarkeit zu regenerieren und effiziente
 Anbauverfahren zu nutzen bzw. weiter zu entwickeln um mit wenig Input einen vernünftigen Ertrag zu generieren. Denn eine Beobachtung sollten sich viele
 Kollegen auch mal auf der Zunge zergehen lassen: wenn trotz Mulchsaat und Regenwürmern und pi pa po jedes Jahr aufs neue die Bestände in den Ecken
 wo kein N-Dünger hinfliegt dermaßen zusammebrechen dass von einem Ertrag keine Reden mehr sein kann, dann sind da aufjedenfall noch einige Stellschrauben
 offen was das Thema Bodenfruchtbarkeit angeht. Das hat meiner Meinung nach etwas mit der Fragestellung zu tun ( die man sich erstmal gefallen lassen muss ) ,
 ob man Landwirtschaft betreibt ( die wichtigste Aufgabe des Landwirtes: Nutzung und Verwaltung der Ressourcen um mittels Nachhaltiger Methoden möglichst
 effektiv qualitative Produkte aus der Photosynthse der Pflanzen zu gewinnen ) oder ob mann einen Industriebetrieb führt der mit der Gleichung Arbeit + Input =
 Output arbeitet. Die Übergänge sind fliessend und ich möchte als Öko auch nicht ohne Input arbeiten. Die Frage ist nur bis zu welchem Grad man diesen Betriebsfremden Input

 
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Flori

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #21 am: 10. August 2018, 09:35:13 »

 sorry...

 Die Frage ist nur wie weit man sich diesem betriebsfremden Input hingibt und damit Tür und Tor für Abhängigkeiten öffnet ...
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Heico

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #22 am: 10. August 2018, 09:37:11 »


Probleme:

Zu intensive Bodenbearbeitung. (da muss an neuen(Alternativen) anbau systemen gearbeitet und geforscht werden.

Zu wenig Ertrag. auch da ist noch viel verbesserungspotetial, wird aber etwas länger dauern da ertragliche verbesserungen nicht so einfach zu bewerkstelligen sind wie im konvi system.

frohes diskutieren, aber bitte bleibt sachlich ;-)

Sachlich bleiben, das funktioniert schon mal gar nicht.  ;)
Ob die Bodenbearbeitung zu intensiv ist steht im Raum. Wir hatten in den ersten 10 Jahren nach der Umstellung trotz der Bodenbearbeitung einen Zuwachs an Humus. Ein sehr komplizierter Punkt, wo jeder etwas behauptet, dass er nicht genau beweisen kann. Vielfach wird auch Gare mit Humus verwechselt.

Zu wenig Ertrag?
Je nach Klima und Boden 50 bis 70% der konventionellen Erträge sind normal und bürgen dafür, dass die Bestände stabile Halme haben damit weniger Insekten und Pilze die Pflanzen angreifen. Bin der Meinung, dass wir nicht die hohen Erträge anpeilen sollten. Die Sorten die dafür geeinget sind haben viele Nachteile bez. Gesundheit. Die Züchter müssen immer Eigenschaften opfern, wenn sie den Ertrag erhöhen.
Eine neue Generation von Züchtern wird sich dieser Probleme offen annehmen. Also noch mal 30 Jahre warten dann wird es schon etwas bringen. Nebenbei gesagt haben wir doch jetzt in Bioanbau schon Erträge, die 1970 im konv. Anbau üblich waren.


Einen Relativertrag von 50-70% gegenüber einem gut geführten überwiegend konservierend arbeitenden konventionellen Betrieb wäre ja schön. Hier liegen die Vergleichserträge bei 30-35%.
Und beim cleversten Biobauern hier in unserer Gegend findet halt eine Umverteilung der Nährstoffe statt - von der Wiese über die Rinder zur Biogasanlage und von da auf den Acker. Und weil es nicht mehr viel viehhaltende Betriebe gibt und man die Wiesen schon fast nachgeschmissen bekommt, kann man die auch aushungern lassen. Und auf den ausgehungerten Wiesen macht sich dann auch allerhand an Unkräutern breit, für die, wenn sie denn als katalogisierte Wiesenkräuter geschützt sind, man nochmal ordentlich was extra vom Land Baden-Württemberg bekommt.

Der baut aber auch nur noch Dinkel an, den er in der Teigreife als Grünkern drischt. Den kann er als lokale Spezialität gut vermarkten. Ansonsten werden nur Exoten angebaut, die nur wenig Stickstoff brauchen oder vertragen (Kümmel, Linsen, Leinsamen). Dafür lässt er den Boden auch schon mal mehrere Monate brach liegen, um jedes bisschen Unkraut bereits im Vorfeld mechanisch bekämpfen zu können.

Er bedient, wenn man so will, eine Nische, aber nachhaltig und massentauglich ist das natürlich nicht.
Ich hab mal nach einem kräftigen Regen, wenn die Regenwürmer hochkommen, ne Spatenprobe bei ihm gemacht, weil ich sehen wollte, wie es um das Bodenleben bei Bio bestellt ist, aber da war deutlich weniger zu sehen als auf meinen Äckern, wo jedes Jahr im Herbst die Wildschweine einfallen.

Deinem Text nach, ist zu vermuten, dasst du eine Spatenprobe beim Nachbarn gemacht hast, um zu beweisen, dass Bio schlechter ist.

Wie weißt du eigentlich,dass das Grünland ausgehungert ist. Hat er dir die Bodenanalyse gezeigt?
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charlie

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #23 am: 10. August 2018, 09:52:52 »

@Flori

Danke für deinen Beitrag :daumen:
Auf diesem Niveau würde ich gerne weiter Vor- und Nachteile der Bewirtschaftungsform und die Knackpunkte diskutieren, gerade im Hinblick auf: wieviel Input und/oder Arbeit ist nötig um einen effizienten Output zu bekommen, der auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten einen ausreichenden Beitrag liefert. Dabei darf auch die vielbeschworene Nachhaltigkeit nicht aus den Augen verloren werden. Oft kommt es ja schon darauf an, welche Dinge man im Sinne einer nachhaltigen Bewirtschaftung stärker gewichtet.
Und in diesem Sinne sollte man sich auf beiden Seiten (schon schlimm genug, dass man sich da in zwei Lager spaltet) auch mal kritische Fragen gefallen lassen, um gemeinsam Probleme durch Lösungen zu ersetzen.
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Gruß

Charlie

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Desperado

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #24 am: 10. August 2018, 10:32:02 »


Probleme:

Zu intensive Bodenbearbeitung. (da muss an neuen(Alternativen) anbau systemen gearbeitet und geforscht werden.

Zu wenig Ertrag. auch da ist noch viel verbesserungspotetial, wird aber etwas länger dauern da ertragliche verbesserungen nicht so einfach zu bewerkstelligen sind wie im konvi system.

frohes diskutieren, aber bitte bleibt sachlich ;-)

Sachlich bleiben, das funktioniert schon mal gar nicht.  ;)
Ob die Bodenbearbeitung zu intensiv ist steht im Raum. Wir hatten in den ersten 10 Jahren nach der Umstellung trotz der Bodenbearbeitung einen Zuwachs an Humus. Ein sehr komplizierter Punkt, wo jeder etwas behauptet, dass er nicht genau beweisen kann. Vielfach wird auch Gare mit Humus verwechselt.

Zu wenig Ertrag?
Je nach Klima und Boden 50 bis 70% der konventionellen Erträge sind normal und bürgen dafür, dass die Bestände stabile Halme haben damit weniger Insekten und Pilze die Pflanzen angreifen. Bin der Meinung, dass wir nicht die hohen Erträge anpeilen sollten. Die Sorten die dafür geeinget sind haben viele Nachteile bez. Gesundheit. Die Züchter müssen immer Eigenschaften opfern, wenn sie den Ertrag erhöhen.
Eine neue Generation von Züchtern wird sich dieser Probleme offen annehmen. Also noch mal 30 Jahre warten dann wird es schon etwas bringen. Nebenbei gesagt haben wir doch jetzt in Bioanbau schon Erträge, die 1970 im konv. Anbau üblich waren.


Einen Relativertrag von 50-70% gegenüber einem gut geführten überwiegend konservierend arbeitenden konventionellen Betrieb wäre ja schön. Hier liegen die Vergleichserträge bei 30-35%.
Und beim cleversten Biobauern hier in unserer Gegend findet halt eine Umverteilung der Nährstoffe statt - von der Wiese über die Rinder zur Biogasanlage und von da auf den Acker. Und weil es nicht mehr viel viehhaltende Betriebe gibt und man die Wiesen schon fast nachgeschmissen bekommt, kann man die auch aushungern lassen. Und auf den ausgehungerten Wiesen macht sich dann auch allerhand an Unkräutern breit, für die, wenn sie denn als katalogisierte Wiesenkräuter geschützt sind, man nochmal ordentlich was extra vom Land Baden-Württemberg bekommt.

Der baut aber auch nur noch Dinkel an, den er in der Teigreife als Grünkern drischt. Den kann er als lokale Spezialität gut vermarkten. Ansonsten werden nur Exoten angebaut, die nur wenig Stickstoff brauchen oder vertragen (Kümmel, Linsen, Leinsamen). Dafür lässt er den Boden auch schon mal mehrere Monate brach liegen, um jedes bisschen Unkraut bereits im Vorfeld mechanisch bekämpfen zu können.

Er bedient, wenn man so will, eine Nische, aber nachhaltig und massentauglich ist das natürlich nicht.
Ich hab mal nach einem kräftigen Regen, wenn die Regenwürmer hochkommen, ne Spatenprobe bei ihm gemacht, weil ich sehen wollte, wie es um das Bodenleben bei Bio bestellt ist, aber da war deutlich weniger zu sehen als auf meinen Äckern, wo jedes Jahr im Herbst die Wildschweine einfallen.

Deinem Text nach, ist zu vermuten, dasst du eine Spatenprobe beim Nachbarn gemacht hast, um zu beweisen, dass Bio schlechter ist.

Wie weißt du eigentlich,dass das Grünland ausgehungert ist. Hat er dir die Bodenanalyse gezeigt?

... weil die Grasnarbe zurückgeht und immer mehr braune, kahle Stellen zu Tage treten, auf denen sich nur Unkräuter breit machen
... weil diese Steillagewiesen schon jahrelang keine Gülle und keinen mineralischen Dünger mehr gesehen haben - anders als noch vor 25 Jahren, als praktisch noch jeder Vieh hatte und man sehr auf die Fruchtbarkeit seiner Wiesen geachtet hat.

Wenn man die Wiesen mehr oder weniger umsonst nutzen oder für lau pachten kann, und aufgrund des Überangebots an Fläche immer genug Futter für die Rinder da ist, dann wird halt alles 1-2 x im Jahr abgemäht, direkt oder indirekt (über den Magen der Kuh) in die BGA verfrachtet. Und von dort geht es dann nicht zurück auf die Wiese (bestenfalls mal auf die ertragreicheren Talwiesen), sondern direkt auf den eigenen Acker
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nofear

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #25 am: 10. August 2018, 11:12:21 »

Hier ist jedwedes spätes Schnittnutzungsprogramm so angelegt, dass keine N-Düngung möglich ist, was eben leider auch organische Rücklieferung ausschließt... was ich davon halte kann sich jeder denken... Und was bei rauskommt hat desperdo ja beschrieben.
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Wade

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #26 am: 10. August 2018, 13:36:57 »

Was dabei herauskommt sind Wiesen die einen wesentlich höheren Ökologischen Nutzen haben. Da wachsen auch mal wieder Pflanzen die blühen und nicht nur reines Gras. Vor allem Stickstoff kann sich die Wiese durch Leguminosen selbst beschaffen.


Anbei ein paar Bilder von Flächen die seit Jahrzehnten nicht mehr Gedüngt & Gespritzt wurden. Allerdings von 2016, da es dieses Jahr eher Braunland als Grünland ist...
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Groß

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #27 am: 10. August 2018, 13:54:26 »

Der ökologische Nutzen der Fläche hängt aber nicht von Bio oder konventionell ab, sondern von der Intensität der Nutzung. Die Grünlandflächen für Pferdeheu sehen hier genauso aus wie deine Flächen. Gespritzt wird sowieso nicht nur verhalten mit Gülle gedüngt. Die Flächen eines Bio Milchviehhalters, der seine Flächen vier bis fünf mal im Jahr mäht und regelmäßige nachsät, würden aber wahrscheinlich nicht so aussehen.
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kronawirt78

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #28 am: 10. August 2018, 14:05:39 »

Hier in der Gegend kommt dabei Herbstzeitlose als Hauptbestandsbildner raus...
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nofear

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Re: Wie "gut" ist die Biobodenbewirtschaftung wirklich?
« Antwort #29 am: 10. August 2018, 14:37:42 »

Anbei ein paar Bilder von Flächen die seit Jahrzehnten nicht mehr Gedüngt & Gespritzt wurden. Allerdings von 2016, da es dieses Jahr eher Braunland als Grünland ist...

Sei froh wenns bei dir so ist.

Seit Jahren ausgehungerte Flächen wo ewig kein Kalk fiel und sich Weißklee bisher auch nicht etablieren lässt. Mal davon ab, dass Übersaaten eh verboten sind. Da ist auch nix mit Vielfalt...
Gerade dort würde Organik mit Biologie und Spurenelementen etc. wahre Wunder bewirken.

Wir reden da nicht von "Zugüllen", sondern mehrere kleinere Teilgaben mit Bedacht.

 
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