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Autor Thema: Welche Entwicklungstendenzen können die Landwirtschaft in Zukunft beeinflussen?  (Gelesen 4808 mal)

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charlie

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Einmal geht es um die Fleisch-Ersatzprodukte aus dem Reagenzglas, die mit tierischen Stammzellen arbeiten, als Beispiel: Memphis Meat

http://www.businessinsider.de/bill-gates-investiert-in-startup-das-kuenstliches-fleich-herstellt-2017-8

Auf der anderen Seite Fleischersatz auf pflanzlicher Basis, dass aber eben nicht mehr nach trockenem Soja-Tofu oder Seitan schmeckt.

Hier zwei Beispiele, die es schon zu kaufen gibt

- Beyond Meat

http://ngin-food.com/artikel/beyond-meat-tyson-foods/

- Impossible Foods

https://www.kochbar.de/cms/burger-mit-pflanzenblut-schmeckt-sogar-fleisch-freunden-2077238.html

Interessant bei den meist im Silicon Valley in Kalifornien ansässigen Startups ist die Liste der Kapitalgeber:
Bill Gates, Khosla Ventures, Horizon, Jeff Bezos und sogar Lebensmittelunternehmen wie General Mills, Cargill und Tyson Foods.
Da steckt also sehr viel Geld dahinter um die Entwicklung voranzutreiben...
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Gruß

Charlie

Nicht immer sind die, die das Gras wachsen hören, auch bereit, es zu mähen.

Tim

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Da klafft aber auch eine Riesenschere zwischen dem gesellschaftlichen Forderungen und der sich entwickelnden Realität.
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Gallus gallus!

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« Antwort #17 am: 26. November 2017, 15:30:34 »

Cargill und Tyson sind Größen in der Fleischverarbeitung. Wenn die da investieren, scheint da was dran zu sein.

Aber egal ob pflanzliche Fleischersatzprodukte oder in-vitro Fleisch, für beides braucht es Kohlenstoff. Und der kommt letztendlich i.d.R. vom Acker.
Für meine Ställe habe ich drei bis vier alternative Nutzungsmöglichkeiten im Hinterkopf. Ich sehe der Sache also ziemlich entspannt entgegen.
 8)
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BNT

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Da muss die Industrie auch erst mal billiger sein, als ein Landwirt.  ;D
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Henrik

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Da muss die Industrie auch erst mal billiger sein, als ein Landwirt.  ;D

So haben Kodak und Nokia vor vielen Jahren auch reagiert. Exponentielle Entwicklungen kann man schwer aufhalten und sind auch schwer zu erklären bzw. Zu begreifen.
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BNT

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Kodak und Nokia haben nicht(!) reagiert. Das war ja deren Problem. ;)

Die erste tragbare Digitalkamera wurde übrigens 1975 von Kodak vorgestellt. Man bekommt dann ein wenig Gefühl dafür, wie lange solche Entwicklungen dauern. So um's Jahr 2.000 herum ging's dann so richtig los. Kodak in seiner alten Form verschwand dann 2005.

Also wer heute einen Stall baut, muss sich da noch lange keine Sorgen machen.

Bei Nokia waren es, denke ich, eher sprunghafte Managemententscheidungen. Das war ja dann doch ein hin und her. Siemens hat den Schnitt radikaler vollzogen. Nokia hat heute noch immer 100.000 Mitarbeiter bei 23 Mrd Umsatz.

Ein gutes Beispiel ist auch die IBM. Die haben einfach mal die gesamte PC-Sparte abgestoßen und sich auf Software und Server spezialisiert.


Wie schon geschrieben wurde - der Fleischkonsum insgesamt ist eine Konstante und das seit Jahrzehnten.
Lass dich nicht von den Medien verrückt machen. Der Anteil an Vegetariern ist schon sehr niedrig, die Veganen sind statistisch nicht existent.


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charlie

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Wie schon geschrieben wurde - der Fleischkonsum insgesamt ist eine Konstante und das seit Jahrzehnten.
Lass dich nicht von den Medien verrückt machen. Der Anteil an Vegetariern ist schon sehr niedrig, die Veganen sind statistisch nicht existent.

Es scheint aber für Investoren interessant...

Zuerst springen vielleicht nur die Hipster auf denZug auf...

Und sobald es Großtechnik ist und billiger als die Landwirtschaft mit all ihren kostentreibenden Auflagen, dann wird es für Otto Vielfleischesser interessant...
Heute behaupten wir billiges Fleisch schmeckt nicht schlechter als teures... die Welt kauft billig, denn Geiz ist geil...
Ist es dann wirklich einmal billiger (und die „Gefahr“ besteht durchaus), dann ist die heutige Tierhaltung passé, denn der Kunde stimmt mit dem Portemonnaie ab...

Vielleicht besteht dann die Chance, dass „echtes“ Fleisch etwas besonderes ist... und die Hipster springen auf  ;D
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Gruß

Charlie

Nicht immer sind die, die das Gras wachsen hören, auch bereit, es zu mähen.

BNT

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Es gibt ja schon so etwas ähnliches: Den Analogkäse und noch viel länger: Die Margarine.

Hier können sich bis heute Konkurrenzprodukte auf dem Markt behaupten und je nach dem, was gerade billiger ist, wird mal mehr Pflanzliches oder mehr Tierisches verwendet.

Ich habe nur wenig mit Veganen zu tun, aber fast überall treffe ich Menschen, die auf teures Fleisch stehen. Neuerdings muss man ja die Küche um einen Reifeschrank für Fleisch ergänzen; ist voll im Trend.

https://www.dry-ager.com/
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Henrik

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Es gibt ja schon so etwas ähnliches: Den Analogkäse und noch viel länger: Die Margarine.

Hier können sich bis heute Konkurrenzprodukte auf dem Markt behaupten und je nach dem, was gerade billiger ist, wird mal mehr Pflanzliches oder mehr Tierisches verwendet.

Ich habe nur wenig mit Veganen zu tun, aber fast überall treffe ich Menschen, die auf teures Fleisch stehen. Neuerdings muss man ja die Küche um einen Reifeschrank für Fleisch ergänzen; ist voll im Trend.

https://www.dry-ager.com/

Solche kenne ich auch. Ist aber eher die Ausnahme als die Regel 😉

Bin da voll bei Ralf. Man weiß nicht wie es kommt aber das ist eins der Dinge die ich mir sehr gut vorstellen kann weltweit. 😬
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Cyberlui

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Wisst ihr was mich bei den vielen Trends und Ten denzen immer wieder ruhig schlafen lässt?

Wir Landwirte haben immer die Möglichkeit was zum essen produzieren was uns schmeckt und was wir essen wollen. Die vielen Hipster und Trendköche haben von der Erzeugung von Planzlichen oder tierischen meist eine große Meinung aber einen kleine Ahnung.
Wenn ich in 30 Jahren ein Steak oder ne Bratwurst essen will kann ich ein Schwein, Rind, Geflügel halten und füttern, die vielen besserwisser aber nicht.

Und wahrscheinlich werden die immer schnelleren wechsel der Politischen Meinung uns viel mehr Ärger bereiten als invitro Fleisch. Gentechnik ablehnen aber Fleich aus dem Reagenzglas, das ist wieder typisch Deutsch
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Tim

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Wenn man das als Trend annimmt,  welche Rolle wird die Landwirtschaft dann einnehmen?  Nährstoffe bewegen sich dann schließlich immer noch in einem Kreislauf - wenn auch evtl einem viel kleinerem.  Und der Grundstein für die Organik (auf die zum Schluss wohl auch Bakterienkulturen usw. Angewiesen sind) bleibt Zucker/Stärke /Zellulose - also Produkte der Photosynthese?!?
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Friedhelm

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Hallo,

paar Begriffe musste ich googelen......
Aber ist das nicht sehr einseitig und lässt Faktoren weg die nicht ganz unwichtig sind:

Steigende Weltbevölkerung mit steigendem Nahrungsmittelbedarf bei gleichzeitig immer mehr Fläche die nicht mehr nutzbar ist bzw. aus der Produktion geht.
steigender Wohlstand mit Anspruch auf veredelte Nahrungsmittel = Fleisch
Wasser immer kostbarerer Rohstoff......
Geringe Bereitschaft der meisten Bürger viel Geld für Nahrungsmittel auszugeben zu müssen......

Inwiefern wurden die künstlichen Nahrungsmittel auf langzeitfolgen schon geprüft?

Vieles von den angeschnittenen Dingen ist sehr abhängig davon, wie viele schon geschrieben haben, ob es öffentlich unterstüzt wird oder nicht. Was meint ihr wie schnell invitro Lebensmittel out sind wenn irgendjemand da was negatives findet......

Zukunft wird spannend, aber ich glaube das auf lange Sicht wir immer noch Acker und die Natur brauchen werden um unsere Ernährung sicher stellen zu können. Unseren Umgang damit überdenken wir ja schon und werden da sicher noch einges überdenken müssen....

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Tim

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Diese gesellschaftlichen "Lippenbekenntnisse"  finden auch in der technischen Entwicklung kontroversen die nicht der Realität entsprechen.

Digitalisierung der Landwirtschaft, die Leistungssteigerung unserer Mechanisierung wird immer teurer und im Endeffekt werden es immer weniger Landwirte/Lanswirtinnen - besonders gravierend wirkt der Abzug der vornehmlich weiblichen Bevölkerung aus dem ländlichen Raum.  Da sind wir ja noch gesegnet was hier als ländlicher Raum beschrieben wird, aber Fakt ist das die alle erstmal wegziehen... Steigende lebenserhaltungskosten in den Städten könnten das umkehren,  doch wer will in zehn Jahren überhaupt noch in der Landwirtschaft arbeiten?

Im Grunde können die Betriebe nicht kleiner werden.

(ein kleines schmäckerchen für Landwirte mit Angestellten im Betrieb - keiner hält die gesetzlichen Arbeitszeiten in der Ernte ein - erste klagen sind bereits durch - bis zu 15.000 €, Geschäftsführer privat haftbar. Und das ist einfach so - bis zur nächsten Tarifverhandlung...)
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Stefan81

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Das Bevölkerungswachstum sollte man aber nicht als Garant für höhere Preise nehmen. Die Elektromobilität wird die Preise massiv unter Druck bringen. Zur Zeit gehen ca 1 Mrd Tonnen Getreide in die Biosprit Produktion, wenn das weg ist kann man wieder viel mehr Menschen ernähren.
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Wissen ist der erste Rohstoff, der sich bei Gebrauch vermehrt.

Mit freundlichen Grüßen
aus Österreich
Stefan81

Wade

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Dass die Bodenpreise bei uns fallen, könnte auch irgendwann mit dem Klimawandel zusammen hängen. Noch haben wir meist genug Wasser um die Frühsommertrockenheit zu überbrücken, aber auf den flachgründigeren Böden sieht man heute schon häufig Notreife Bestände vor der Ernte.
Letztes Jahr war nen Vortrag, da könnte in den nächsten Jahrzehnten der Niederschlag deutlich abnehmen, dann wird es auch auf den besseren Böden richtig eng um noch halbwegs Ertrag zu bringen.


Steigende Weltbevölkerung mit steigendem Nahrungsmittelbedarf bei gleichzeitig immer mehr Fläche die nicht mehr nutzbar ist bzw. aus der Produktion geht.
steigender Wohlstand mit Anspruch auf veredelte Nahrungsmittel = Fleisch
Wasser immer kostbarerer Rohstoff......
Geringe Bereitschaft der meisten Bürger viel Geld für Nahrungsmittel auszugeben zu müssen......

Vor allem der Wasserbedarf ist bei Indoor-Farming um ein vielfaches geringer als in der freien Natur. In Japan züchten die ja schon Salat & Gemüse in Mehrstöckigen Regalen in den Hallen, brauchen ein Bruchteil der Fläche, Wasser, Boden & Nährstoffe als aufm Acker. Dazu komplett ohne PSM, da es quasi ein Reinraum ist. Da wächst der Salat auch 24 Stunden am Tag durch künstliche Beleuchtung. Geernet wird mitm Roboter, schneller und günstiger als es ein Mensch überhaupt machen könnte.
erst bester google link: https://www.japantimes.co.jp/life/2017/03/10/food/indoor-farms-next-step-evolution-agriculture/

Die Frage ob man nur so "Zeug" essen kann würde mich auch interessieren. Kinder müssen ja auch im Dreck spielen um ein ordentliches Imunsystem aufzubauen, wenn man nun nur noch so "steriles" Essen bekommt, hat das vielleicht auch einen Einfluss? Oder ist es besser weil es eben keine schädlichen Keime hat (siehe EHEC)? Das müssen dann wohl Langzeitstudien herausfinden...



Auch wenn mal das Fleisch aus dem Reagenzglas kommt könnte sich viel für die Landwirtschaft ändern. Ob man die Rohstoffe/Grundbausteine dafür noch vom Acker holt oder dann vielleicht auch so ne Art Indoor-Farm dafür hat? Zb irgendwelche Algen als Ausgangsmaterial, die brauchen keinen Boden sondern nur eine Nährlösung und Licht...

Vielleicht wird dann auch das Natürliche Fleisch zur Spezialität, man hält auf den "unnützen" Äckern & Wiesen nur noch so ne Art extensive Mutterkuhhaltung, damit die Flächen genutzt werden. Einen Teil könnte man auch als Naturschutzflächen nutzen. Oder PV Anlagen drauf stellen und dazwischen Weide...
Die Zukunft könnte wirklich Spannend werden  :)
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