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Autor Thema: Insektensterben durch die Landwirtschaft  (Gelesen 11921 mal)

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Wade

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #15 am: 15. Juli 2017, 22:59:29 »

@wade: zeig mir mal die Grunddaten die beweisen das es nachweislich weniger Insekten gibt, wenn das alles auf einer einzigen freiwilligen, nicht wissenachftlichen Studie basiert wie im Link beschrieben .... ist da nicht viel wissenschaftlich

Nur weil es NOCH keine wissenschaftliche Studie dazu gibt, heißt es noch lange nicht dass es nicht so ist wie in vielen freiwilligen Studien von Vogel- und Insektenkundlern. Es steht eigentlich außer Frage dass es weniger Insekten gibt, die einzige Frage ist höchstens wie viel weniger...
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Cat-Driver

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #16 am: 15. Juli 2017, 23:04:41 »

Mal ein anderer Ansatz: Früher hatten wir deutlich mehr landwirtschaftliche Fläche, weniger Straßen, Baulücken in den Städten waren noch nicht geschlossen und es gab weniger Wald ...

Ich persönlich fühle mich nicht schuldig: bestelle 7,5% meiner Ackerfläche mit Blühstreifen, 10% mit Ackerbohnen (in den 2 Jahren bisher kein Insektizid notwendig. Wahnsinn was sich da drin tummelt). Raps: dieses Jahr bin ich schwach geworden und habe 1x gegen Rapsglanzkäfer behandelt (die 3 Jahre vorher ging es ohne, hab mich wegen der Trockenheit nicht ohne getraut, Schadschwelle wurde so eben erreicht). Kartoffeln seit Jahren nicht mehr gegen Kartoffekäfer (sind ein paar vorhanden, werden aber nicht wirklich mehr), Getreidehähnchen auch ewig nicht mehr behandeln müssen. Lediglich die Gerste muss man hier zwingend im Herbst behandeln (zT auch 2x), Nachbar hat´s mal ohne gemacht, schätze 50-70% Ertragseinbuße, zT sind die Flächen nicht geerntet worden. Aber der Insektizideinsatz in der Gerste ist ja von der Politik gewollt, sonst hätte man nicht die Insektizide Beize bei der Gerste verboten, oder hab ich die Politik missverstanden. Feldränder mähe ich vor der Ernte nur an der Straße, damit die Mutti ihren Kinderwagen beiseite bekommt
« Letzte Änderung: 16. Juli 2017, 15:05:26 von Cat-Driver »
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Ruebe

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #17 am: 15. Juli 2017, 23:07:40 »

wade: warum machst du überhaupt Landwirtschaft? bring deine flächen in deinen ökologischen Traumzustand und lebe von dem tollen zustand ...

Ausserdem lebst du als Bio von den Vorräten im Boden, also nichts mit Nachhaltigkeit ..... ich habe mich intensiv mit Umstellung beschäftigt, geht nicht bei uns .... selbst Bioberater empfehlen auf unserem Standort keine Umstellung ....

Die schweizer dürfen im biobereich Substrate von Konvi betrieben ausbringen und damit zumindest den Nährstoffhaushalt halbwegs ausgleichen ... wenn wir auf unseren Hangflächen den Boden so fein machen das wir im Getriede striegeln können, fliest hier wieder alles ins Dorf .... da sind wir seit 30 Jahren von weg ...

Landwirtschaft setzt sich aus Land und Wirtschaft zusammen .... für Luft und Liebe gibts nix .... auch kein Bio ....

@wade: es gibt auch keine Dinosaurier mehr .... die Erde ist eine Evolution, jeder der sich gegen Veränderung stemmt geht mit der Zeit ... und die Schwächsten müssen die besten Strategien finden .... wieso kommen neue Methoden (Pfluglos etc) von ertragsschwachen Standorten .... in der Börde oder im Gäu geht (fast) alles
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Wade

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #18 am: 16. Juli 2017, 00:10:35 »

Tio, da sieht man wirklich wie gut du dich auskennst... Mach dich mal schlau was man bei EU Bio alles darf, da kannst so gut wie jede konventionelle Gülle & Gärrest einsetzen.
Aber du musst ja nicht Bio machen, will ich nicht und es zwingt dich ja keiner.
ABER zu sagen dass die aktuelle konventionelle Landwirtschaft wenig Einfluss bzw keine Schuld hat bei der Abnahme der Diversität von Flora & Fauna ist einfach nur Falsch.

Du musst davon Leben? Solange man auch nur 1€ Pacht zahlt oder der Acker noch 1€ Wert hat ist noch Luft in der Wirtschaftlichkeit! Du stehst nicht direkt in Konkurrenz mit den Landwirten aus der USA, Australien oder Russland, sondern unmittelbar mit den Bauern aus deiner Region/Deutschland. Wenn nun alle diese Bauern die gleichen Auflagen haben ändert sich Null und Nichts an der Konkurrenzsituation!

zb Jeder muss X% ökologische Flächen vorhalten die wirklich was bringen (nicht so ein verwässertes Greeningzeugs) -> jeder hat diese Kosten. Wenn >1000€ gezahlt wird ist genug Luft drin um etwas für die Umwelt zu tun und hinterher genauso viel zu verdienen. Dann gibts halt nur 800€ Pacht und die 200€ können schon für Umweltmaßnahmen ausgegeben werden. Die Flächen verlieren dann zwar etwas an Wert, aber die Preise kennen doch seit Jahren eh nur einen Weg. Da würde es kaum Schaden wenn die mal nen kleinen Dämpfer bekommen würden.

Es gibt natürlich auch noch andere Gründe außer der Landwirtschaft. In nem Englischen Garten findet sich wohl auch westenlich weniger Getier als in nem Blumenbeet/verwildeter Ecke. Dazu beständig steigende Versiegelung, usw. Soweit ich weiß müssen in Frankreich alle neuen Flachdächer mit PV ausgestattet sein oder ansonsten begrünt werden. Dort gäbs dann nen paar m² einen ganzjähriges Rückzugsort für Insekten. Aber sowas kann man in Deutschland bestimmt nicht machen, gefährdet ja die Wirtschaft und die Arbeitsplätze der modernen Sklaven ääähhhh Leiharbeiter.



@wade: es gibt auch keine Dinosaurier mehr .... die Erde ist eine Evolution, jeder der sich gegen Veränderung stemmt geht mit der Zeit ... und die Schwächsten müssen die besten Strategien finden .... wieso kommen neue Methoden (Pfluglos etc) von ertragsschwachen Standorten .... in der Börde oder im Gäu geht (fast) alles
Die Dinosaurier gibts nicht mehr weils extreme Einflüsse von außen gab und nicht weil spinnerte Menschen meinen 3€ mehr verdienen zu müssen um sich das neueste Iphone kaufen zu können...

Hab vorhin nochmal Felderrundfahrt gemacht um zu schauen wie weit die Bestände sind. Der Dinkel gibt bestimmt nen DB von 1000€ (ohne Prämien), auf nem 40er Tonboden (also auch keine Gauflächen) und <400l Niederschlag. Wüsste nicht ob ich konventionell da auch ran komme...

edit sagt: Das blaue ist Acker-Rittersporn, galt hier eigentlich als quasi ausgestorben und steht vielerorts auf der Roten Liste. Werd demnächst nochmal hinfahren und paar schönere Bilder machen.
« Letzte Änderung: 16. Juli 2017, 00:15:03 von Wade »
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Gutbrod1032

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #19 am: 16. Juli 2017, 03:17:43 »

denk doch mal zurück , früher musste man bei jeden tankstop scheiben, scheinwerfer reinigen
heute ist dies eigentlich nicht mehr nötig

Die Frontscheibe und Scheinwerfer meines Autos (27 Jahre alt) reinige ich zwei mal die Woche, sonst seh ich nix mehr,
egal ob BaWü, Börde oder die BAB zwischen drin.
Nach längerer Autovahnfahrt wird immer die Scheibe saubergemacht.

Meine Eltern fahren mit ihrem neuen Auto "ewig" und die Scheibe bleibt sauber.

Das ist für mich aber noch lang kein Grund mein Schätzchen abzugeben  ;D
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T7.250

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #20 am: 16. Juli 2017, 07:05:55 »

Zitat
Bei der Landwirtschaft zählt seit langem hauptsächlich die Ökonomie und weniger die Ökologie.

Aber die erfolgreicheren haben schon bemerkt, das mit mehr Ökologie die Ökonomie besser stimmt. Es ist einfach nicht mehr so, das der konventionelle nur mit der Spritze unterwegs ist und alles tot spritzt. Als konventioneller stehen mir halt alle Möglichkeiten offen und das will ich mir erhalten.

Bei uns im Landkreis werden die Misthaufen abgedeckt, da drückt das Wasserwirtschaftsamt drauf. Wir haben 180 Biogasanlagen im Landkreis, jeder versucht seit dem den Mist dort unterzubringen.
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Ansgar

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #21 am: 16. Juli 2017, 10:06:25 »

Apropos Biogasanlagen - wollen wir doch mal der Realität ins Auge sehen. In einer lockeren Getreidefruchtfolge haben halt mehr Beikräuter die Chance zur Blüte zu kommen als im Mais, der später alles andere überragt. Das ist sicherlich nicht im Sinne der gewünschten Biodiversität und auch erst Recht nicht das Gelbe vom Ei für zahlreiche Insekten. Da sieht man mal, wo die immense Förderung dieses Wirtschaftszweiges hingeführt hat! Und alles nur, weil die Politik die Fördergelder so hat entsprechend fließen lassen und nun den Schwarzen Peter der Landwirtschaft zuschieben will. >:(
« Letzte Änderung: 16. Juli 2017, 10:08:32 von Ansgar »
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Wade

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #22 am: 16. Juli 2017, 10:26:23 »

Da stimme ich dir zu. Aber das heißt ja nicht dass man es heute nicht ändern könnte. zb Durchwachsende Silphie ist eine halbwegs brauchbare Alternative. Die zb ins Greening aufgenommen und es wäre vielleicht wieder nen paar ha Futter für Insekten mehr.
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Ansgar

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #23 am: 16. Juli 2017, 10:56:18 »

Eine Dauerkultur mit einer Anbauphase von 12-15 Jahren als greeningfähig hinzustellen? Naja...
Und wenn ich mir vor Augen halte, dass man selbst nach Umbruch auch noch viele Jahre mit dem Durchwuchs daran noch Freude hat - nee, lieber nicht! :-\
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Heico

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #24 am: 16. Juli 2017, 11:05:06 »

Fliegen , Bremsen und Mücken sind doch auch Insekten, oder?
Warum werden die nicht weniger?

Fliegen, Bremsen, Mücken - die wir vergaßen zu zerdrücken. ;D
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hanns

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #25 am: 16. Juli 2017, 11:05:22 »


Nur weil es NOCH keine wissenschaftliche Studie dazu gibt, heißt es noch lange nicht dass es nicht so ist wie in vielen freiwilligen Studien von Vogel- und Insektenkundlern.....
meine nachbarn im dorf,ausgestattet mit google-wissen,sehen das so:
da ich oft mit der spritze fahre,weil ich flüssigdünger ausbringe,heisst es einmütig:
der spritzt so oft,bald sind wir alle tot!
mein nachbar,der biobauer drillt sein getreide und schaut dann zu,wies bunt wächst:
kommentar der nachbarn:wie will der denn bei dem unkraut noch was ernten!
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joe

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #26 am: 16. Juli 2017, 11:34:42 »

Da stimme ich dir zu. Aber das heißt ja nicht dass man es heute nicht ändern könnte. zb Durchwachsende Silphie ist eine halbwegs brauchbare Alternative. Die zb ins Greening aufgenommen und es wäre vielleicht wieder nen paar ha Futter für Insekten mehr.

dann lieber ein mit blühmischung begrünter ackerrandstreifen in drillmaschinenbreite und den nicht gleich am 01.07 abmulchen !
ich habe ein paar solcher  streifen mal überwinter stehen lassen , einfach toll was dort für leben drin war
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Auf die Fresse ist umsonst .........
....... den Rest mußt du bezahlen !

canuck

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #27 am: 16. Juli 2017, 15:02:51 »

Hoffe da sterben noch einige Insekten eine der groessten invasionen die ich je gesehen habe.
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Stone

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #28 am: 16. Juli 2017, 19:18:02 »

Im Teil Wissenschaft der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung von heute ist ein interessanter Artikel zum Thema Insektensterben. Es gibt ein Verein aus Krefeld der so was seit Anfang 1900.... erfasst.

Auf dessen Veröffentlichungen beruht die ganze Diskussion. Ansonsten gibt es keine belastbaren Zahlen aus der Wissenschaft. Insekten sind halt schwerer zu zählen als Biber und Waschbären. Ein starker Rückgang wird seit Mitte der 80iger Jahre beobachtet.

Als Ursachen wird die Landwirtschaft vermutet, aber belastbare Argumente die wissenschaftlich basiert sind gibt es nicht.

stone
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Ruebe

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Re: Insektensterben durch die Landwirtschaft
« Antwort #29 am: 16. Juli 2017, 20:58:04 »

Das ist eigentlich Dilettantisch .... ein paar Zählungen von 1989 und 2013 ....

Wenn wir nun ein paar extrem Jahre nehmen können wir auch einen Rückgang von 90% der Ertragsfähigkeit in der Lawi feststellen ....

Das schlimmste an allem ist, das selbst Leute wie wade, die eigentlich hinterfragen sollten, solche Zahlen ungefiltert übernehmen ... und das im gegensatz zu den Diskussionen in Frankenberg Leute wie Bio behaupten sie dürften keine Produkte von Konvis einsetzen und dann kommt wade und schreibt das sie es doch dürfen ....

Das ist genau so ein Humbug wie 100.000 Tote durch Dieselabgase .... die Liste liesse sich beliebig fortsetzen ...

Warum dürfen eigentlich überhaupt noch Medikamente bei Menschen verwendet werden? Schaut mal nach Wirkstoffen .... die Wirkstoffe selber sind pur meist tödlich ... da machts dann die Dosierung ....

EDIT: link vergessen

http://80.153.81.79/~publ/mitt-evk-2013-1.pdf
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