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Autor Thema: Landwirtschaft in Kanada  (Gelesen 137666 mal)

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Sumsagro

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #570 am: 26. August 2017, 17:17:47 »

Heute mal wieder ein paar Impressionen. Die Erbsen sind so gut wie beerntet, das erste Rapsfeld ist ebenfalls ab und mehr als die Hälfte liegt auf Schwad. Heute geht wohl leider nichts, da wir starken Nebel haben und der restliche Sommerweizen sowieso noch nicht ganz reif ist.
Insgesamt haben wir jetzt 22 Quarter fertig von 86-93 (die Angestellten sind sich nicht ganz einig wie viele Flächen der Betrieb hat).

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Sumsagro

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #571 am: 10. September 2017, 15:48:52 »

So, nun haben wir den Sommerweizen und den Sommerraps auch geschafft. Der Ertrag lag bei Ersterem im Schnitt so um die 5 t/ha und im Raps um die 2,5 t/ha. Mit dem Striegeln sind wir auch fertig, bleiben noch die kompletten 1800 ha Sojabohnen (gesäte Fläche ist geringer) und gemulcht werden muss auch noch einiges.
Die Erträge werden übrigens komplett kartiert und daraus dann später Applikationskarten erstellt. Die komplette Düngung erfolgt dann während der Aussaat mit den Seedhawks. Ab diesem Jahr sind die Mähdrescher dazu miteinander vernetzt, so dass man jederzeit sehen kann, welcher Drescher auf welcher GPS-Linie arbeitet usw.
Der rote LKW ist ein gebrauchter Neuzugang, getauft haben wir ihn "Red Pete".

Bis jetzt habe ich nur einen Betrieb gesehen, der Winterweizen gesät hat. Es hat hier seit Wochen keine relevanten Niederschläge gegeben, so dass alles sehr trocken ist. In British Columbia und im Norden von Saskatchewan brennt es wohl noch immer, man sieht hier viel Rauch.
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Henrik

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #572 am: 10. September 2017, 23:09:31 »

Danke für die tollen Berichte  :daumen: :daumen:

Die auflieger entleeren die nach unten ?
Was Mulchst du da ?


Gruß

Henrik
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Sei Gierig wenn andere sich fürchten, fürchte dich wenn andere zu gierig sind.   Warren Buffet

Sumsagro

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #573 am: 11. September 2017, 02:23:59 »

Ja genau die Auflieger sind Trichterförmig gebaut und entleeren per Schwerkraft nach unten. So ein Semi darf legal 43t mitnehmen und hat dann ein Gesamtgewicht von ca. 63,5t. Bei kurzen Wegen über Schotterstraßen laden wir aber auch schonmal 55t zu.
Ich weiß leider nicht wie man das Unkraut nennt, das ist hier auch gar nicht so häufig. Die gezeigte Stelle beim Mulchen ist normale Ackerfläche, konnte aber aufgrund der äußerst nassen Bedingungen im Frühjahr nicht bestellt werden.
Die drei schlimmsten Unkräuter/Ungräser sind hier Foxtail-Barley, Kochia und Wild Oats. Übersetzt heissen diese wohl Mähnen-Gerste, Besen-Radmelde und Flughafer. Wobei in Deutschland glücklicher Weise ja nur Letzteres eine Bedeutung zukommt. Insbesondere Kochia ist ein Teufelszeug, welches mit nahezu allen Bedingungen zurecht kommt und sehr anpassungsfähig ist.

Gruß Helge
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Sumsagro

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #574 am: 30. Oktober 2017, 01:25:21 »

Hi,
für mich geht die Zeit in Kanada nun zu Ende und es geht zurück nach Deutschland. Gibt es noch etwas worüber ich schreiben soll?

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Puszta

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #575 am: 30. Oktober 2017, 09:40:05 »

Was mich interessiert wäre etwas über das soziale Gefüge zu erfahren. Wie steht die Bevölkerung zur dortigen Art der Landwirtschaft? Wie wird dort mit Fremdarbeitskräften gearbeitet? Wie ist die Einstellung der Landwirte zu ihrem Betrieb/Job?
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Ostösterreich, ca. 15km östlich von Neusiedl am See; 500-600mm Jahresniederschlag; Frühsommertrockenheit; lT - ulT Böden mit 30-50cm Auflage;

309CA

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #576 am: 30. Oktober 2017, 09:48:54 »

Haben viele 2 Wohnorte einer während der Vegetation auf Hof und die Familie wohnt woanders und zieht dann in den Ferien mit aufn Hof ? Warum gibt's da doch viele aus Europa ?? hatten die mehr Geld durch ihren Hofverkauf in Europa als die Kanadier oder hatte die Kanadier bessere Jobs wo anders ??? Manche aus den verlorenen Ostgebieten (Preußen usw)sind anscheinend nach dem Krieg da auch zu ne Hof gekommen wie ging das gabs da ein Programm aus Kanada zur Anwerbung....
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Der Mensch steht nicht mehr im Mittelpunkt, sondern die Fledermaus, Saatkrähe der Wolf und der Biber. Leider gibt es Tierschützer die Tiere zum Ärger der freidliche Bürger wieder im Land ansiedeln und den Abschuss verbieten.

309CA

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #577 am: 30. Oktober 2017, 09:51:35 »

Sind die auch Wachstumsgeil oder leben die eher nach "leben und leben lassen".
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Sumsagro

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #578 am: 31. Oktober 2017, 00:45:48 »

Hallo zusammen,
ich versuche mal alle Fragen zu beantworten.

Was mich interessiert wäre etwas über das soziale Gefüge zu erfahren. Wie steht die Bevölkerung zur dortigen Art der Landwirtschaft? Wie wird dort mit Fremdarbeitskräften gearbeitet? Wie ist die Einstellung der Landwirte zu ihrem Betrieb/Job?
Grundsätzlich ist der Ruf der Landwirtschaft beziehungsweise das Ansehen besser als in Deutschland, leider auch mit abnehmender Tendenz. Die aktuelle Art der Tierhaltung wird zunehmend in Frage gestellt (von einem kleinen Teil der Bevölkerung). Ich habe jedoch noch nicht gehört, dass hier in Ställe eingebrochen und dort gefilmt wird.
Fremdarbeitskräfte sind schwierig zu bekommen, solange die Ölindustrie Jobs offeriert. Viele versuchen deshalb Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland (Europa, Mexico) zu bekommen. Die Einstellung der Landwirte zu ihrem Betrieb mag ich nicht verallgemeinern .Ich habe aber den Eindruck, dass diese eher nüchtern als normales Unternehmen gesehen werden. Nachhaltigkeit hat einen geringeren Stellenwert als bei uns. Müll wie zum Beispiel Silofolien, alte Getreidesilos, sogar ganze alte Häuser werden oft einfach in Sölle geschoben und dort belassen. Alte Maschinen werden oft an Ort und Stelle stehen gelassen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.

Haben viele 2 Wohnorte einer während der Vegetation auf Hof und die Familie wohnt woanders und zieht dann in den Ferien mit aufn Hof ? Warum gibt's da doch viele aus Europa ?? hatten die mehr Geld durch ihren Hofverkauf in Europa als die Kanadier oder hatte die Kanadier bessere Jobs wo anders ??? Manche aus den verlorenen Ostgebieten (Preußen usw)sind anscheinend nach dem Krieg da auch zu ne Hof gekommen wie ging das gabs da ein Programm aus Kanada zur Anwerbung....

Es gibt einige Betriebe mit Zweitwohnsitz in einer anderen Klimazone. Auch mein (nun ehemaliger) Chef hätte gerne ein X. Haus weiter im Süden, nur ist er durch seine Kinder an den Ort gebunden (Schule, Sport). Viele Landwirte kommen aus Europa weil sie dort in ihrem Wachstum begrenzt waren oder weil sie lieber Ackerbau als Viehhaltung betreiben möchten. Der Wechselkurs ist dafür günstig, die Immigration noch verhältnismäßig einfach. Auch die landwirtschaftlichen Gesetze sind übersichtlich, Kontrollen gibt es weniger als bei uns.
Dazu kommen hier in der Prärie niedrige Landpreise, die nun aber auch anziehen. Ob es ein Programm zur Anwerbung gab, weiß ich leider nicht. Es ist hier aber generell einfacher an einen Betrieb zu kommen, da diese nach Aufgabe oft einfach mit allem drum und dran (Fuhrpark, Hofstelle, Flächen) versteigert werden.

Sind die auch Wachstumsgeil oder leben die eher nach "leben und leben lassen".
Das ist stark betriebsabhängig. Gerade die Getreidebetriebe sind hier aber in den letzten Jahren wohl teilweise sehr schnell gewachsen, da das Land günstig zu erwerben war. Der Betrieb auf dem ich arbeitete hat vor einigen Jahren (neben anderen Flächen) einen kompletten Betrieb mit ca. 1700ha nahezu arrondierter Fläche erworben.
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309CA

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #579 am: 05. November 2017, 08:57:54 »

Welche Ideen , Arbeitsweisen usw habt ihr aus den Auslandsaufentalten mitgebracht und dann auch hier angewendet ???
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Sumsagro

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #580 am: 07. November 2017, 22:43:14 »

Wir haben keinen Betrieb zu Hause und somit habe ich auch nichts adaptiert.
Am Interessantesten fand ich auf dem letzten Betrieb die Konsequenz des Chefs in Sachen Ein- und Verkauf. Als der Diesel besonders günstig war, hat er einen ganzen Tankzug bestellt und um diesen Lagern zu können dann auch gleich einen entsprechenden Tank dazu.

Glyphosat wurde auch schon für das nächste Jahr mitgekauft. Kurz vor meiner Abreise wurden dann noch 2 neue Flüssigdüngersilos geliefert und aufgestellt. Diese wurden benötigt um die Flüssigdüngerbestellung von 120 t lagern zu können.
Die komplette Ernte wird erstmal eingelagert (zur Not werde auch da weitere Silos dazugekauft oder das Ganze in Schläuchen gelagert). Verkauft wird manchmal erst nach mehreren Jahren, hauptsache der Preis ist hoch.
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miltischnorrer

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #581 am: 07. November 2017, 23:10:56 »

Das muss man sich auch leisten können
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Euro-T

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #582 am: 07. November 2017, 23:51:10 »

Das muss man sich auch leisten können

Das auch - das weitaus spannendere Thema hierzulande ist aber, es mal eben schnell genehmigt zu bekommen.
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Gruß

~~ Olli

Sumsagro

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #583 am: 08. November 2017, 08:29:47 »

Das muss man sich auch leisten können

Ja wie die Liquidität gewährleistet wird, konnte ich nicht erfahren. Generell würde der Chef aber eher einen Kredit aufnehmen als billig zu verkaufen. Vor 2 Jahren hat er 800t Braugerste verkauft, nach dem achten LKW hieß es dann, dass die Qualität nun nicht mehr ausreichend sei. Seitdem lagerte die Gerste auf dem Betrieb und wurde nun gerade an einen anderen Händler vermarktet.
Ich kann nur vermuten, dass ein Teil des Geldes von den zahlreichen Ölquellen auf den Feldern herührt.

Das muss man sich auch leisten können

Das auch - das weitaus spannendere Thema hierzulande ist aber, es mal eben schnell genehmigt zu bekommen.
Das stimmt, in der Bürokratie gibt es einen himmelweiten Unterschied. In Saskatchewan braucht man für so etwas keine Baugenehmigung. Mir wurde erzählt, dass die Silos und Tanks bei Gelegenheit mal angemeldet und in eine Karte eingezeichnet werden, mehr ist nicht erforderlich. Soweit ich weiß gibt es für so etwas praktisch auch keine Kontrollen. Problematisch sind nur die überall kreuz und quer verlaufenden Gas- und Ölleitungen, die verhindern häufig neue Bauwerke.
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deewag

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Re: Landwirtschaft in Kanada
« Antwort #584 am: 08. November 2017, 09:23:00 »

Keine "Meredian"-Silos ?  ;D
Muss die reichste Firma in Kanada sein, war heuer zweimal drüben Silos über Silos immer der selbe Hersteller
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