www.agrowissen.de  
www.agrowissen.de
 
Bitte loggen sie sich ein oder registrieren sie sich.

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge

Autor Thema: Landwirtschaft in England  (Gelesen 56274 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Henrik

  • Moderator
  • *****
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 7 247
    • Unser Hof
Landwirtschaft in England
« am: 03. Dezember 2013, 14:15:12 »

Mich würde mal interessieren wie es derzeit in der englischen Landwirtschaft aussieht. Persönlich finde man hört oder liest nicht mehr viel über England, vielleicht habe ich das auch einfach nur überlesen  :frage: .

In den achtziger und bis mitte der neunziger Jahre, war hier oben im Norden England das gelobte Land. Wenn wir hier 100 dt Weizen geerntet haben, waren die damals schon bei 120 dt und mehr. Auch viele Entwickungen kommen ja von der Insel. Horsch hat in den ersten Jahren da auch viel geschaut und nachgebaut. Im Forum liest man ja auch viel über die englischen Drillmaschinen wie Claydon, Sumo, Mzuri und andere.

Hier wird viel wegen AFU nach England geschaut, die haben ja noch größere Probleme damit als wir (unsere sind ja auch nicht klein)

Die haben ja auch viel in reduzierter Bodenbearbeitung gemacht, gerade auch aus wirtschaftlichen Zwängen.

War mal jemand in letzter Zeit da oder hat da guten Einblick wie da der derzeit die Erträge usw sind? Man kann von den Engländern sonst halten was man will, aber landwirtschaftlich fand ich persönlich es immer sehr interessant (war in den letzten 20 Jahren auch ein paar mal da, die letzten Jahre aber eher weniger).

Gruss

Henrik
Gespeichert


Sei Gierig wenn andere sich fürchten, fürchte dich wenn andere zu gierig sind.   Warren Buffet

BNT

  • Hero Member
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 5 818
Re: Landwirtschaft in England
« Antwort #1 am: 03. Dezember 2013, 14:20:22 »

Kann dir nicht direkt antworten, mir scheinen aber Erträge keine so große Rolle mehr zu spielen. Viele, die schon lange wirtschaften, fühlen sich vom Staat nicht mehr vertreten, gibt auch eine Menge, die neu im Business sind und richtig Kohle investiert haben, woher auch immer die kommt.

So vom Gefühl her würd ich sagen, dass Direktsaat in England um einiges häufiger als in Deutschland ist. Aber das sind genauso Pioniere wie hier. So gesehen sind sie etwas experimentierfreudiger.
Gespeichert

Panta rhei

  • Hero Member
  • *****
  • Online Online
  • Beiträge: 1 719
Re: Landwirtschaft in England
« Antwort #2 am: 03. Dezember 2013, 17:36:45 »

Ich lese ab und zu im englischen "British Farming Forum" mit. http://farmingforum.co.uk/forums/index.php
Sehr interessant, da User aus aller Welt dort vertreten sind.

Ich habe den Eindruck, Landwirtschaft läuft dort nach ganz anderen Regeln als hier üblich.
Sehr viele Betriebe sind wohl reine Pachtbetriebe, und segeln was die wirtschaftlichen Bedingungen angeht, sehr hart am Wind.
Besondere Probleme haben die letzten  beiden sehr nassen Jahre den Farmern bereitet. Große Flächen konnten in 2012 nicht beerntet werden und die Aussaat von Wintergetreide war vielerorts auch nicht möglich.

Direktsaat wird aus zeitlichem und wirtschaftlichem Druck stärker praktiziert als hier in D.
Gespeichert
Es sind nicht die schlechten Jahre, die uns Probleme bereiten, es sind die falschen Entscheidungen in den guten Jahren!
Standort: westliches Moseltal

joe

  • Vereinsmitglied
  • ***
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 5 422
Re: Landwirtschaft in England
« Antwort #3 am: 04. Dezember 2013, 08:43:26 »


Direktsaat wird aus zeitlichem und wirtschaftlichem Druck stärker praktiziert als hier in D.

ist das etwa ein indiz das es den deutschen bauern noch viel zu gut geht ? :hmpf:
Gespeichert
Auf die Fresse ist umsonst .........
....... den Rest mußt du bezahlen !

nofear

  • Vereinsmitglied
  • ***
  • Offline Offline
  • Beiträge: 5 014
Re: Landwirtschaft in England
« Antwort #4 am: 04. Dezember 2013, 10:47:09 »


Direktsaat wird aus zeitlichem und wirtschaftlichem Druck stärker praktiziert als hier in D.

ist das etwa ein indiz das es den deutschen bauern noch viel zu gut geht ? :hmpf:

Nein, nein, wird nur aus ackerbaulichen Gründen wieder intensiver gackert. Wer will kann den Pflug auch mit dem Grubber ersetzten, wenn er 20cm und tiefer geht  :)
Gespeichert
„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ (M. Gandhi)

„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.” (R. Niebuhr)

dirkk

  • Vereinsmitglied
  • ***
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 3 384
Re: Landwirtschaft in England
« Antwort #5 am: 04. Dezember 2013, 21:00:01 »

N´abend !

das aktuellere Forum ist thefarmingforum.co.uk/index.php , das weiter oben genannte hatte mal einen ordentlichen Crash und war auch länger offline .

War selbst ein paar mal drüben . Durch die Niedrigpreisjahre wurden Intensität und Ak- Besatz ( deswegen auch die Tendenz zu mehr "onepass"- Bodenbearbeitung und Saat ) deutlich runter gefahren . Davon zeugt auch der Zustand von Gebäude , oftmals der Maschinen und auch manchmal der Infrastruktur . Da auch die Kontrolle und Führung der Bestände in vielen Betrieben an (beratende ) Managementfirmen vergeben wurde und zugleich das Letzte an Rentabilität raus "gepresst" wurde , blieben viele Probleme unentdeckt . Sehe ich hier vor Ort auch , das zum Beispiel die Einwanderung des Ackerfuchsschwanzes kaum bemerkt wird , wenn die für den Pflanzenschutz zuständige Person nur zur Kontrolle mal 50 m in den Bestand geht (vorn sieht immer alles schön aus und na ja, Zeit ist sicherlich immer knapp ) und auf dem anderen Ende stehen nesterweise schon 100 Ähren/m2 AFS . Da aber frühe Ährenbehandlung und Ernte nur "Traktoristen"( soll keine Beleidigung sein ) den Bestand sehen , die leider das Gras (noch) nicht kennen , marschiert das Problem weiter....  Ähnlich läuft/lief das ja auch auf den Betrieben in England - Ackern und machen ist das eine - ob die durchgeführten Maßnahmen das auch alles das bringen , was sie sollten bzw. ob sich neue Probleme einstellen , wird nur unzureichend kontrolliert . Des weiteren wurden die Fruchtfolgen vereinfacht bis hin zur Monokultur , weil dann ja auch weniger Kulturen gemanagt werden müssem - spart auch Kosten und Aufwand !
Hinzu kommt die andere Vererbepraxis , das Hofübernehmer bis ins mittlere Alter knapp bei Kasse sind und dann auch an jedem Ende sparen müssen . Daher auch der überwiegende Anteil Pachtland . 

Es wird am Ende auch viel mehr auf das geschaut , was wirklich am letzten Ende über ist und nicht nur auf Einnahmen oder Deckungsbeitrag und dann wird auch eher mal eine Massnahme gestrichen , die nur zweifelhaft Ertragssicherung bringt ( zusätzlicher Bodenarbeitsgang , ein halber Liter mehr Fungizid in der Mischung ) . Langfristig ist das wohl nicht der Königsweg , was ja der Fuchsschwanz drastisch zeigt .

gruss
dirkk
Gespeichert

nofear

  • Vereinsmitglied
  • ***
  • Offline Offline
  • Beiträge: 5 014
Re: Landwirtschaft in England
« Antwort #6 am: 04. Dezember 2013, 23:56:43 »

Ohne jetzt dort gewesen zu sein, ist es wohl auch im Milchviehbereich so ähnlich: Niedriger Milchpreis, Betriebe werden abgewirtschaftet (Bausubstanz) oder hören auf. Sind wohl sehr viel weniger Milchviehhalter geworden dort.
Gespeichert
„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ (M. Gandhi)

„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.” (R. Niebuhr)

SCA

  • Vereinsmitglied
  • ***
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 76
Re: Landwirtschaft in England
« Antwort #7 am: 05. Dezember 2013, 18:52:57 »

Auch in Sachen Schweinezucht hört man aus England gar nichts mehr, vor Jahren waren die vorne mit bei, Pig UPB usw wie die ganzen Zuchtpogramme hießen. Alle in der Versenkung verkommen?
Gespeichert

Georg

  • Gast
Re: Landwirtschaft in England
« Antwort #8 am: 05. Dezember 2013, 20:33:03 »

Das Gleiche mit Precison Farming!

Vor 10 Jahren hat man gedacht das aller Welt Neuentwicklungen nur aus England kommen.
Seit 5 Jahren hört man nichts mehr davon! Sie setzen auch nur die Technik ein wie wir auch und der Rest der Welt!
Bis vor 2 Jahren hab ich in England nie Etwas verkauft, und diese Jahr über 200 Software Version  für den Guidomat....
In Deutschland kauft den niemand mehr! Es ist mich ein Zeichen, das die englischen Farmer max. sparsam sind oder keine Geld für Mehr haben. Wahrscheinlich das Zweite....
Gespeichert

Henrik

  • Moderator
  • *****
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 7 247
    • Unser Hof
Re: Landwirtschaft in England
« Antwort #9 am: 07. Dezember 2013, 23:04:34 »

Dirkk hat es ja sehr gut beschrieben, in England wurde und wird viel an Management Firmen vergeben. War aber schon in den 80ziger Jahren so das Gruppen wie Wellcourt und andere größe Flächen bewirtschaftet haben.

In Gebäude haben die Engländer aber gefühlt nie viel gesteckt. Klar gab es auf Betrieben teilweise massive Altgebäude, aber alles was sonst neu gebaut wurde war eher einfach gehalten. Egal ob in der Rinder, Schweinehaltung oder im Ackerbau.

Stimmt das pfluglose hat sich da auch eher durchgesetzt als hier, habe das auch bei Claydon auf der Messe und im Vortrag mal gemerkt, klar ist deren ansatz auch mit dem system kosten einzusparen, aber es wurde auch immer auf die AFU Problematik hingewiesen, möglichst halt nicht soviel zu machen um die AFU nicht zu keimung anzuregen.
Gespeichert
Sei Gierig wenn andere sich fürchten, fürchte dich wenn andere zu gierig sind.   Warren Buffet

Tim

  • Moderator
  • *****
  • Offline Offline
  • Beiträge: 6 762
Re: Landwirtschaft in England
« Antwort #10 am: 08. Dezember 2013, 13:00:55 »

kann ja gut und gern sein das ich mich jetzt vergallopiere , aber gerade dei Strukturen die die größeren Gutsbetriebe zulassen bieten erst die Möglichkeit jemanden zu beschäftigen der sich die ganze Zeit mit Farmmanagement /Bestandesführung etc. beschäftigt

einfach mal ein kleines beispiel:


und das auch noch veröffentlicht

Was hats mit diesen Gamespots auf sich , wenn ich das richtig verstanden habe sind das Wildäcker fürs Niederwild (für die es auch ordentlich Kohle zu geben scheint)

mfg tim
Gespeichert

aestivum

  • Frischling
  • *
  • Offline Offline
  • Beiträge: 23
Re: Landwirtschaft in England
« Antwort #11 am: 11. Dezember 2013, 11:55:00 »

Mit den Hochertragsgebieten in England kann man sich nicht vergleichen. Was bei uns 100dt/ha ist, ist da immer noch 120dt/ha. Da hat sich nichts geändert. Das liegt aber meiner Meinung nach in erster Linie am Klima. Nicht am Management.

Sich auf einzelne Bereiche im Farm Management spezialisieren zu können ist sicher ein Vorteil. Ich denke aber nicht, dass sehr große Ertragsunterschiede zu Stande kommen. Technik und Beratung sind zu sehr verbreitet und verfahren sehr ausgereift. Evtl. kann die Ertragssicherheit wesentlich erhöht werden. Da in schwierigen Jahren besser reagiert wird.

Mir gefallen die verfahrenstechnischen Innovationen aus England eher weniger. Es ist mir zu radikal. und fast ausschließlich auf die Kostenseite ausgerichtet, also Input und Fixkosten minimieren. Deren AFU Problem kommt nicht von ungefähr. Sehr enge Fruchtfolgen und wenig Bodenbearbeitung.
Es macht eher bei 10€/dt Weizen Sinn als bei 20€/dt Weizen.

Das Beispiel Claydon wird auch gerade in unserem Beratungsring diskutiert. Einige von uns haben Raps damit angebaut in 2013. Kenne auch Betriebe die das 2012 auch schon gemacht haben.
Der Raps sieht nicht schlecht aus. Aber ohne vorherige, flache Bodenbearbeitung wird der Anbau schwierig. Schnecken+ bodenwirksame Herbizide. Weniger AFU, dafür mehr Schnecken und schwierige Bekämpfung gewisser Unkräuter. bearbeite ich flach, habe ich auch wieder AFU.
Außerdem ist es für mich keine Alternative in Getreidefolgen.Nach dem Pflug kann man sie auch nicht einsetzen. Man ist ausserdem wenig flexibel und Glyphosat vor der Saat ist Standard.  Wer kann sich eine Zusatzmaschine für 45000€ ( 3 Meter)  auf den Hof stellen?

@Henrik: Wohnst du nicht im nördlichen Ostholstein? Der Claydon Vertrieb hat auch da Probeaussaaten angeboten, meine ich.

Ich will derzeit die Intensität meines Ackerbaus auf keinen Fall reduzieren. Daher kommt für mich nur ein Verfahren in Frage, in der ich ohne große Ertrags-Einbußen weniger Kosten habe oder bei gleichen Kosten sogar die ackerbaulichen Bedingungen und die Nachhaltigkeit verbessere. Außerdem muss ich flexibel auf Witterungssitautionen reagieren können.
Gespeichert

Henrik

  • Moderator
  • *****
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 7 247
    • Unser Hof
Re: Landwirtschaft in England
« Antwort #12 am: 30. Dezember 2013, 16:48:12 »


@Henrik: Wohnst du nicht im nördlichen Ostholstein? Der Claydon Vertrieb hat auch da Probeaussaaten angeboten, meine ich.

Ich will derzeit die Intensität meines Ackerbaus auf keinen Fall reduzieren. Daher kommt für mich nur ein Verfahren in Frage, in der ich ohne große Ertrags-Einbußen weniger Kosten habe oder bei gleichen Kosten sogar die ackerbaulichen Bedingungen und die Nachhaltigkeit verbessere. Außerdem muss ich flexibel auf Witterungssitautionen reagieren können.

Nein wohne im südlichen Teil vom Kreis  ;) Habe dieses Jahr hier nichts von Vorführungen bezüglich Claydon gehört, muss aber auch sagen das ich mich damit nicht intensiv beschäftigt habe.

Dem Rest kann ich mich so anschliessen.

Gibt es eigentlich in england noch Interessante Ausstellungen? Gab ja früher mal die Royal Show gibt es die noch oder andere?

Gruss

Henrik
Gespeichert
Sei Gierig wenn andere sich fürchten, fürchte dich wenn andere zu gierig sind.   Warren Buffet

Georg

  • Gast
Re: Landwirtschaft in England
« Antwort #13 am: 30. Dezember 2013, 18:51:58 »

Die Royal  Show gibts ja leider nicht mehr.
In der zweiten Jarhaelfte ist die Lamma und im Juli die Spra and Speaders.

Bin heuer mal wieder , nach 10 Jahren, mal als Aussteller mit nem kleinen Stand auf der Lamma.

Komischer
Weise haben wir dieses Jahr nenrecht ordentlichen Umsatz in England gemacht.
Gespeichert

Henrik

  • Moderator
  • *****
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Männlich
  • Beiträge: 7 247
    • Unser Hof
Re: Landwirtschaft in England
« Antwort #14 am: 30. Dezember 2013, 20:37:38 »

Danke für die Info Georg!

Habe es mal gegoogelt   ;)

http://www.lammashow.co.uk/index.php

Die Lsite de rAussteller liest sich ja ganz interessant! Habe eben mal geschaut wo das liegt, liegt ja nicht so weit weg von Stansted, die Flüge ab Bremen mit Ryanair sind noch gerade sehr günstig und liegen auch gut das man an einem Tag hin und zu rück fliegen könnte  ;D
Da kann man ja fast schwach werden und mal rüber fliegen. Eventuell noch jemand interesse?
Gespeichert
Sei Gierig wenn andere sich fürchten, fürchte dich wenn andere zu gierig sind.   Warren Buffet
 

Alles zum Thema Area51